Ückeritzer auf dem Trockenen

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Bei 30 Grad kein Trinkwasser mehr

30 Grad im Schatten - viel Wasser ist da unbedingt nötig. Doch in Ückeritz war die Versorgung komplett zusammengebrochen.
30 Grad im Schatten - viel Wasser ist da unbedingt nötig. Doch in Ückeritz war die Versorgung komplett zusammengebrochen.
Dpa

Hitze und dann plötzlich kein Wasser im Haus: ein Albtraum. Nicht zum ersten Mal ist im Dörfchen Ückeritz die Wasserversorgung zusammengebrochen.

Das dritte Mal in diesem Jahr. „Jetzt reicht’s langsam.“ Dörte Westphal knallt die Tür von ihrem blauen Peugeot zu. „Man ist ja mit dem Wasser einiges gewöhnt hier. Aber so schlimm wie in diesem Jahr war es noch nie“, schimpft sie.

Der Dorfsegen hängt spürbar schief an diesem sonnigen Freitagmorgen in Ückeritz, dem Dörfchen im Wiesenland zwischen Loitz und Kletzin. Kein Wasser. Seit gut 24 Stunden. Duschen, waschen, trinken: Ist nicht. Und das ausgerechnet jetzt, wo der Hochsommer gerade seine nächste Hitzewelle durch Vorpommern bläst.

Dorfbewohner stehen mit Kanistern Schlange

DRK-Mann Ralf Stoeck hat gerade im Schatten alter Linden einen mobilen Tausend-Liter-Tank abgestellt, da kommen bereits die ersten Leute aus den Häusern. „Eigentlich ist das Gerät für Notfälle gedacht“, erklärt Stoeck den Großkanister vom Katastrophenschutz. Schnell versammelt sich an der Notwasserversorgung des DRK halb Ückeritz, und eine bunte Sammlung von Gefäßen steht Schlange: Thermoskannen, Einwegflaschen, ein Kanister aus einem Wohnmobil. Wasser marsch! Auch Bürgermeister Detlef Klietz ist wieder gekommen aus Kletzin, dem Gemeindedorf. Er hat ordentlich was abgekriegt von dem Frust der Ückeritzer in den Stunden davor. Aber das steckt er weg. „Ist doch klar, dass die Leute sauer sind. Viele Familien haben kleine Kinder hier. Und dann kein Wasser? Da hört der Spaß auf.“ Darum hatte Klietz am Donnerstagabend die Kletziner Feuerwehr mobilisiert. Mit einem Tanker brachten sie Brauchwasser. „Die Leute haben zwar nicht viel abgenommen, aber es war erst mal ein Zeichen.“ Doch auch das sagt Klietz: „Hier muss jetzt endlich mal was passieren mit der Wasserleitung. Die ist ja nicht zum ersten Mal kaputt. So geht das nicht weiter.“

Erntemaschine walzte Wasserleitung nieder

Das sieht Burkhard Krüger ganz genau so. Der Geschäftsführer der Stadtwerke Loitz hat heiße Stunden hinter sich, seit am Donnerstagmittag die Wasserversorgung für Ückeritz zusammenbrach – sein Unternehmen ist der zuständige Lieferant. Die Ursache war schnell gefunden: Ein Landwirtschaftsbetrieb hatte mit schwerer Technik die Trasse der Wasserleitung überfahren – und regelrecht zerwalzt. Auch Stunden nach der Havarie hat er Mühe, seinen Frust unter Kontrolle zu bringen. Eigentlich sei die Leitungstrasse markiert, sagt er. „Damit da keiner drüberfährt“, sagt Krüger.

Doch die Frage, wer die Zeche für die Havarie nun zahlt, ist für Stadtwerke-Chef Burkhard Krüger derzeit nachrangig. „Am wichtigsten ist, dass die Ückeritzer erst mal wieder frisches Trinkwasser haben“, stellt er dazu fest. Doch das letzte Wort in dieser Sache scheint noch nicht gesprochen.