KOMMENTAR ZUR LANDTAGSWAHL

Bei der CDU wollte jeder einen Posten – am Ende verlieren alle

Die CDU ist bei der Wahl in MV brutal abgerutscht. Schon der Wahlkampf wirkte wie ein stotternder Motor statt einer geölten Maschine. Das liegt am Personal, meint Reporter Andreas Becker.
CDU-Spitzenkandidat Michael Sack wurde bei der Landtagswahl von seinen Parteikollegen alleine im Regen stehen gelassen.
CDU-Spitzenkandidat Michael Sack wurde bei der Landtagswahl von seinen Parteikollegen alleine im Regen stehen gelassen. Christian Charisius
Schwerin ·

Wer am 4. September 2016 gedacht hatte, die CDU hätte mit damals 19 Prozent der Stimmen bei der Landestagswahl in MV ihren Tiefpunkt in Mecklenburg-Vorpommern erreicht, wurde jetzt Abend von der politischen Realität überholt. Es ging im politischen Fahrtstuhl auf etwa 14 Prozent für die CDU brutal bergab – und das verheerende an diesem niederschmetternden Ergebnis: Es kommt nicht überraschend – die CDU ließ es einfach geschehen.

CDU-Chef Sack von Partei alleingelassen

Sicherlich war Michael Sack als Spitzenkandidat eher eine Verlegenheitslösung, aber alleine am Landrat aus Vorpommern-Greifswald die politische Schlappe festzumachen, greift zu kurz. Die CDU wirkte lethargisch, fand überhaupt nicht in den Wahlkampf-Modus. Während die Staatskanzlei als Machtzentrum von Regierungschefin Manuela Schwesig seit zwölf Monaten auf Hochtouren lief, stotterte der CDU-Motor hör- und sichtlich.

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Sack wirkte in der CDU-Führung von seinen eigenen Parteimitgliedern verlassen. Wo war ein Innenminister Renz im Wahlkampf? Wo war die Unterstützung von Wirtschaftsminister Harry Glawe? Und welche Rolle spielte Generalsekretär Wolfgang Waldmüller? Alle auf Tauchstation! Jeder kämpfte ein bisschen für sich, versuchte sein eigenes Pöstchen zu retten – und ließ den Landrat aus dem fernen Vorpommern einfach im Regen stehen. Und dies, obwohl die SPD in der Bildungspolitik, beim Breitbandausbau, in der medizinischen Versorgung oder in der Awo-Affäre jede Menge Angriffsfläche bot.

Union muss sich komplett neu aufstellen

Aufgrund der schmerzlichen Niederlage dürfte es am Montagabend, wenn sich der Landesvorstand zur Analyse trifft, hoch her gehen. Wohl der letzte Christdemokrat dürfte begriffen haben, dass ein „Weiter so” im nächsten Abgrund enden würde. Es würde nicht überraschen, wenn auch Köpfe rollen. Dass kann auch der von CDU-Landeschef und Spitzenkandidat Sack sein – doch vielleicht trifft es auch andere. Fakt ist, dass sich die CDU komplett neu aufstellen muss – vor allem inhaltlich und organisatorisch. Ansonsten gibt es im September 2026 die nächste Klatsche!

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Kommentare (1)

Herr Sack hatte politisch gesehen ein schweres Erbe anzutreten. Das Amigo-Gehabe seines Vorgängers Caffier ist der gesamten CDU-Altherrenriege auf die Füße gefallen.
Der Wähler fühlte sich nicht mehr von der Politik wahr genommen. Nur so sind die erschrecken hohen Anteile an rechts gerichteten Wählerstimmen zu erklären.
Dass dieses Land keine Parolen sondern Projekte benötigt, ist der CDU völlig entgangen.
Eine verdiente Ohrfeige für die CDU, ein verstörender Rechtsruck in der Bevölkerung.
Ich befürchte, das wird auch Frau Schwesig nicht richten können.
Also dürfte noch mehr Hetze, noch mehr Respektlosigkeit im politischen Umgang und noch mehr Torfköpfigkeit in der Zukunft zu erwarten sein; jedoch keine Lösungen für akute Probleme, keinen Ausgleich für Niedriglöhner für ihre immense Pendeltätigkeit, noch mehr Sterben im ländlichen Raum.
Viele Dank, liebe CDU für all die Jahre Nichts tun und in die eigenen Taschen wirtschaften.