„Und es dauert nich lang, Bis die Gedanken verträumt sind”: Silbermond-Sängerin Stefanie Kloß f&au
„Und es dauert nich lang, Bis die Gedanken verträumt sind”: Silbermond-Sängerin Stefanie Kloß fährt im Musikvideo über die B96. Silbermond
Heimweh

„Bei diesen Liedern muss ich immer an meine Heimat denken und weinen”

Mit Silbermond im Autoradio auf der B96, Feine Sahne Fischfilet am Strand oder auf dem Dorffest bei Templin, wo einfach alle bei "Kling Klang" mitsingen können. Hier ist die ultimative Heimweh-Playlist unserer Leser!
Neubrandenburg

Im Heimweh-Newsletter hatten wir vor einer Woche gefragt, welche die persönlichen Heimweh-Songs unserer Leser sind. Und wir können es nicht anders sagen: Die vielen Antworten haben uns wirklich beeindruckt! Interessant, was ihr alles im Kopf habt!

Hier sind eure Songs voller Gefühl und Erinnerungen an Mecklenburg, Vorpommern und die Uckermark.

„B96” von Silbermond

„Mein Heimweh-Song ist ganz klar B96, da die Beschreibungen im Song, mich so an meine vielen Fahrten darauf zurück erinnern”, schrieb uns Thomas Bohnsack. „Ich erinnere mich so gerne an meine Kinder- und Jugendzeit in Neubrandenburg zurück.”

Dieser Song scheint vielen Menschen ans Herz zu gehen, jedenfalls wurde er am häufigsten genannt. Die Straße ist auch ganz schön lang: Von der Oberlausitz bis an die Ostsee, von Sachsen bis Rügen, reicht die B96. Als die Mitglieder von Silbermond auf die Welt kamen, hieß sie noch F96 und lag in einem anderen Land. Entsprechend nostalgisch sind auch der Text und das Musikvideo zum Song, den die Band der mehr als 500 Kilometer langen „Route 66 des Ostens” gewidmet hat.

Und die Welt steht still, hier im Hinterwald,
Und das Herz schlägt ruhig und alt.
Und die Hoffnung hängt am Gartenzaun,
Und kaum ein Mensch kommt je vorbei.
Im Hinterwald,
Wo mein Zuhause ist.
Schön wieder hier zu sein.

Der Text handelt von diesem melancholischen Gefühl, wenn man wieder nach Hause kommt. In der Scheune liegen noch die alten Sachen aus der Kindheit, am Stammtisch brennt noch Licht und das schon seit 10.000 Jahren, die Menschen zerreißen sich ihre Mäuler: „Also alles beim Alten, hier an der B96”. Gedreht wurde das Video in Bautzen und der Umgebung. Wobei Sängerin Stefanie Kloß 2016 in einem Interview mit ihrer Band betonte: „Für mich geht es gar nicht um den Ort, sondern um das Gefühl. Wenn man lange nicht mehr in der Heimat wohnt, wir wohnen alle in Berlin, dann gibt es da eine Verbundenheit, die immer da sein wird.”

Schlagzeuger Andreas Nowak sagte über ihre alte Heimat: „Es gibt eine Kneipe, die sieht noch aus wie vor 30 Jahren. Da ist der Osten einfach noch lebendig und das Bier schmeckt noch wie früher.” Wenn man da rein komme, dann klopfe man erst einmal auf jeden Tisch, um alle zu begrüßen. So wie das schon immer war.

„Kling Klang” von Keimzeit

Ein Heimweh-Song muss nicht unbedingt aus der Heimat kommen, es kann auch ein Lied sein, dass uns an schönen Stunden begleitet hat und bis heute daran erinnert. So schrieb uns etwa Cindy Zemke: „Ich bin vor knapp 10 Jahren nach Irland ausgewandert, aber ein Song bringt mich immer wieder zurück: 'Kling Klang' von Keimzeit. Er handelt vom großen Fernweh in die Weltgeschichte 'Bloß von hier weg, so weit wie möglich' und sobald man dort in der großen Welt ist, bekommt man es doch mit dem Heimweh zu tun: '...nach Hause, im Wiener-Walzer-Schritt'.”

Diesen Song werden wohl alle Templiner auf jedem Dorffest in der Umgebung mitsingen können, meint Cindy und irgendwann werde sie auch im Wiener-Walzer-Schritt zurück tanzen, in die Perle der Uckermark.

„Wo niemals Ebbe ist” von Feine Sahne Fischfilet

„Nichts spiegelt meine Jugend, mein Aufwachsen, meine Erfahrungen und mein Heimatgefühle so wieder, wie die Lieder von Feine Sahne Fischfilet”, schrieb uns unsere Leserin Luisa Wetzel. So könne etwa „Wo niemals Ebbe ist” in Dauerschleife laufen, wenn sie Heimweh hat. Die Band und dieses Lied wurden gleich mehrfach genannt, auch von Leserin Anja, die heute im niedersächsischen Grasdorf wohnt.

Im Song geht es nicht um das Fortgehen, sondern um dieses Gefühl, zurückgelassen worden zu sein, weil alle Freunde die Heimat verlassen haben. „Wir leben da, wo niemals Ebbe ist”, heißt es im Refrain, und weiter: „Ein naher Freund, zu weit entfernt, Du fehlst mir doch so sehr.” Aber Fortgehen kommt nicht Infrage: „Ich lieb' die Ruhe und wenn's knallt, Sollt' ich alt werden, werde ich hier alt, Mein Zuhause ist der Strand, Denn dort hab' ich kein' Empfang”

Weiterlesen: Fischfilet-Sänger schreibt „Buch über's Fettsein”

Die Landeshymne „Land zum Leben”

Hier wird es gleich pathetisch: „Du bist Backstein und Kreide, Du bist Platte und Stuck, Du bist Wald und Getreide, der gelbe Raps dein Schmuck.” So beginnt die Hymne „Land zum Leben”, die der NDR 2015 zum 25. Jubiläum Mecklenburg-Vorpommern produziert hat. Darin wird MV als „Heimathafen und Zeltplatz” besungen, in dem die Orte wie „sonst nirgendwo, auf -in, -itz, -hagen und -ow” enden.

Heimweh-Leser Frank Peter schrieb uns aus Leipzig, dass diese Hymne neben „Hoch im Norden” von Santiano seine Heimwehsongs seien. „Bei diesen beiden Liedern muss ich immer an meine Heimatstadt Ueckermünde denken und manchmal weinen.”

„Heimat” von Johannes Oerding

Bei diesem Lied bekommt die gebürtige Stralsunderin Sophie Gänsehaut. Seit 2018 lebt und arbeitet sie auf Bornholm bei einer Reederei. „Doch so sehr ich Dänemark liebe, meiner Heimat fühle ich mich immer noch sehr verbunden und besuche sehr oft meine Heimatstadt Stralsund”, schrieb uns Sophie.

Über den Sommer sei sie oft auf der Route nach Deutschland eingeteilt: „Und allein der Blick auf die Kreidefelsen von Rügen löst bei mir Herzklopfen aus und ich verlege meine Mittagspause nach draußen und lasse den Blick auf mich wirken.” Dazu passe das Lied „Heimat” von Johannes Oerding. „Der Song löst bei mir Gänsehaut aus und gibt mir einen Moment des Innehaltens.” Aktuell arbeitet sie an ihrer Rückkehr und hofft, sehr bald wieder in Mecklenburg-Vorpommern leben zu können.

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Pommernlied und Mecklenburglied

Zwei mal genannt wurde auch das Pommernlied „Wenn in stiller Stunde”. „Weil meine Vorfahren und ich in Vorpommern geboren sind”, schrieb uns Eckhard Lüdemann. Nach dreifacher Arbeitslosigkeit und trotz zigfacher Bewerbungen habe er Vorpommern 2002 verlassen müssen und war in Berlin und Brandenburg erfolgreich. Dort fühle er sich nun als Rentner bestens aufgehoben und „inzwischen habe ich die Brandenburghymne ganz gut drauf”. Trotzdem verfolgt er täglich das Nordmagazin im NDR und natürlich den Heimweh-Newsletter.

An das Pommernlied musste nach unserem Aufruf auch Werner Röpke denken. Das Arbeitsamt in Krien bei Anklam habe ihn 1951 vor die Wahl gestellt: entweder Bauer oder Bergmann. Er ging in den Bergbau und landete nach Lehre und Studium in Nordhausen, wo er neue Schächte tiefer und tiefer teufte. „Ick snack noch immer platt und ick führ noch jedes Johr in mine Heimat”, schrieb uns der Fortgezogene.

Auch für den westlichen Landesteil gibt es eine eigene Hymne. „Ich bekomme bei dem Lied 'Wo die grünen Wiesen leuchten weit und breit' Heimweh”, schrieb uns Marie van der Zanden, die heute in den Niederlanden lebt. Auch die Lieder „Sterne über stille Straßen”, „Oh, es riecht gut” und „Das Wandern ist des Müllers Lust” bedeuten für sie Heimat.

Weiterlesen: Heimweh in den Niederlanden – die Geschichte unserer Leserin Marie

„Mädchen aus Greifswald”, das Bergringlied und ein Ort voller Erinnerungen

Aus Thüringen schrieb uns unsere Leserin Katrin und schlug das Bergringlied von Hartmut Rachow vor. „Da ich in Teterow groß geworden bin und jedes Jahr zu Pfingsten das Bergringrennen ein absolutes Highlight war und ist, bekomme ich bei diesem Lied absolutes Heimweh.”

„Sommer der nie geht” von Ben Zucker und besonders das Video dazu kam Sylvia Müller in den Sinn. Der Text würde sie immer an Uckermünde, den Strand und ihre Kindheit erinnern lassen. Aus dem benachbarten Torgelow kommt ein weiterer Tipp, dort hat Kulturchef Ulrich Blume mit „Pommernland ist abgebrannt” eine eigene Hymne im Programm.

Weitere Songs, die unsere Leserinnen in diese Liste gewählt haben, sind „Mädchen aus Greifswald” der Band TempEau, „Als ich fortging” von Karussel, „Jugendliebe” von Ute Freudenberg, „Am Fenster” von City, „Junge, komm bald wieder” von Freddy Quinn und „Nimm mich mit Kapitän, auf die Reise” von Hans Albers. Rainald Grebes „Brandenburg” ist natürlich auch wichtig, wenn auch mit ganz viel Selbstironie und einen Song für den Norden hat er übrigens auch: „Doreen aus Mecklenburg”. Oder der Rapper Marteria. „Lila Wolken” wecken sicher auch bei vielen Menschen Heimatgefühle. Der Junge kommt immerhin aus „Mein Rostock” und ist manchmal auch in der Seenplatte angeln.

Ein unvergesslicher Moment und ein ewiger Ohrwurm

Thomas Krause, einer unserer Kollegen aus der Sportredaktion, dachte beim Thema Heimweh sofort an ABBA. Nicht, weil er die Band so mag, sondern weil er bei ihren Liedern immer an ein Ereignis aus seiner Jugend denken muss. In den 80er-Jahren lief „ABBA – Der Film” in der Penzliner Freilichtbühne. Er war 14 und verliebt in eine 18-Jährige. Sie hatte ihn aber genau wie seinen Kumpel ignoriert. Bis heute muss er daran denken, wenn ABBA im Radio läuft.

Und dann wäre da noch dieser ewige Ohrwurm aus dem Radio. „Land, du schönes Land im Norden. Land, du schönes an der See. Land der Seen und der Wälder, schönen Sommer, schönen Schnee.” Ein Kollege bekommt dieses Lied nicht mehr aus dem Kopf, das Anfang der 90er-Jahre immer und immer wieder bei Antenne MV dudelte.

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Kommentare (1)

Und das Herz schlägt ruhig und alt. Und die Hoffnung hängt am Gartenzaun und kaum ein Mensch kommt je vorbei.