Die Klimapläne der Bundesregierung sowie die sich abzeichnende Gaskrise nach dem russischen Überfall auf die Ukraine haben einen Run auf die Heizungsbauer im Land ausgelöst.
Die Klimapläne der Bundesregierung sowie die sich abzeichnende Gaskrise nach dem russischen Überfall auf die Ukraine haben einen Run auf die Heizungsbauer im Land ausgelöst. Thomas Frey/Archiv
Energiekrise

Bei Heizungsbauern werden Termine zunehmend knapp

Wie werden Häuser künftig beheizt und mit Warmwasser versorgt? Bei vielen wächst die Unsicherheit über die beste Variante. Verschärft wird das Problem durch rasant steigende Preise.
Neubrandenburg

Die Klimapläne der Bundesregierung sowie die sich abzeichnende Gaskrise nach dem russischen Überfall auf die Ukraine haben einen Run auf die Heizungsbauer im Land ausgelöst. „Das Telefon steht bei unseren Kollegen nicht mehr still“, sagte Marco Hanke, Landesinnungsmeister des Sanitär-Heizung-Klima-Handwerks in Mecklenburg-Vorpommern. „Die Leute wollen weg vom Gas.“ Angesichts der aktuellen Nachrichten gebe es bei den Kunden viele Fragezeichen zur weiteren Entwicklung.

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Schon vor der Ukraine-Krise habe die Bundesregierung für eine verstärkte Nachfrage bei Luft-Wasser-Wärmepumpen gesorgt. „Wir müssen hier inzwischen mit Lieferzeiten von mindestens sechs Monaten rechnen“, erklärte der Geschäftsführer eines Handwerksbetriebes aus Lubmin bei Greifswald.

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Wärmepumpen kommen ohne Öl oder Gas aus und beziehen Energie aus der Umwelt. Allerdings steigt der Stromverbrauch, weil je nach Wetterlage eine Wärmepumpe mit Unterstützung von Elektrizität arbeitet. Die Anschaffungskosten für eine solche Anlage bezifferte Hanke auf mindestens 15.000 Euro. Allerdings könnten bei Ersatz von Gasgeräten bis zu 35 Prozent und bei Ölgeräten bis zu 45 Prozent an Fördermitteln beantragt werden. „Es ist nicht für jedes vorhandene Gebäude sinnvoll, ausschließlich auf die Wärmepumpe zu setzen.“, erklärte er.

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Einen zusätzlichen Schub gebe es angesichts des zum Ende nächsten Jahres durch die Bundesregierung angesetzten Stopps für den direkten Austausch von reinen Gas- gegen Gasanlagen. Danach sei immer eine Kombination mit nachhaltiger Energieerzeugung vorgeschrieben. „Eigentlich sind diese Anlagen von einem Tag auf den anderen erhältlich“, betonte er. Allerdings liege der Auftragsvorlauf in den Handwerksbetrieben bei mindestens drei Monaten. „Bei manchen sind in diesem Jahr gar keine Termine mehr zu haben“, so der Landesinnungsmeister.

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Kunden der Handwerksbetriebe müssten zudem mit kurzfristigen Preissteigerungen der Hersteller kalkulieren. „Vor Corona gab es pro Jahr im April eine Preisrunde“, sagte er. Jetzt würden mindestens einmal im Vierteljahr die Preise steigen. Das habe dazu geführt, dass auch herkömmliche Gasgeräte innerhalb von zwei Jahren um mindestens 1000 Euro teurer geworden sind. Inzwischen müssten für diese Geräte auch 7000 bis 8000 Euro eingeplant werden.

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„Aber auch der Personalmangel in der Branche sorgt dafür, dass die Handwerkerstunde kräftig teurer wird“, berichtete Hanke. Der Berg an Arbeit wachse ständig: So dauere die Installation einer Wärmepumpe etwa dreimal länger als der Einbau eines neuen Gasbrenners. Außerdem gebe es in der Branche noch nicht ausreichend Firmen, die den Einbau einer Wärmepumpe leisten können. „Hier laufen noch die Qualifizierungen“, sagte er. Im Handwerk Sanitär-Heizung-Klima sind im Land rund 9000 Menschen in etwa 1100 Betrieben beschäftigt.

 

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