JVA BÜTZOW

„Billigere Tabletten“? Politisches Nachspiel zum Häftlings-Tod

Staatsanwaltschaft und die Opposition im Landtag wollen den ungeklärten Tod eines Insassen der JVA Bützow aufklären.
Ein Insasse in der JVA Bützow ist leblos in seiner Zelle gestorben. Der Todesgrund soll jetzt geklärt werden.
Ein Insasse in der JVA Bützow ist leblos in seiner Zelle gestorben. Der Todesgrund soll jetzt geklärt werden. Jens Büttner
Butzow.

Noch gibt es offene Fragen – die Vorgänge in der Justizvollzugsanstalt Bützow, an dessen Ende ein Häftling starb, werden ein Fall für den Landtag. „Es ist ein schwerwiegender Vorwurf, dass der Tod des Häftlings mit seiner medizinischen Behandlung im Vollzug in Zusammenhang stehen soll. Der Todesfall muss umgehend aufgeklärt werden“, forderte gestern Jacqueline Bernhardt, rechtspolitische Sprecherin der oppositionellen Linksfraktion in Schwerin.

In der Nacht von Sonntag auf Montag war ein 64-jähriger Häftling, der seit dem Sommer in der JVA einsaß, verstorben. Nach Informationen des Nordkurier litt der Mann an Herzbeschwerden. Von Mithäftlingen ist jetzt der Vorwurf erhoben worden, dass der Mann im Gefängnis „billigere Tabletten“ bekommen habe. Als der Häftling noch in Freiheit war, soll er von seinem Hausarzt bessere Medikamente erhalten haben.

„Strafgefangene dürfen im Vollzug keine schlechtere medizinische Behandlung erfahren, als sie Menschen in Freiheit erhalten würden. Wir werden das Thema zeitnah auf die Tagesordnung des Rechtsausschusses setzen lassen und eine Unterrichtung durch das Justizministerium beantragen“, sagte Bernhardt.

Justizministerium weist Vorwürfe zurück

Während die Staatsanwaltschaft eine Obduktion der Leiche angeordnet hat, weist das Justizministerium alle erhobenen Vorwürfe zurück. „Derzeit liegen hier keine Erkenntnisse für ein Fremdverschulden, einen Suizid oder Versäumnisse bei der medizinischen Versorgung des Verstorbenen vor“, sagte ein Sprecher. Es sei laut Justizministerium in höchstem Maße unverständlich, dass in diesem Zusammenhang Behauptungen über angebliche hygienische und medizinische Mängel in der JVA in den Raum gestellt würden, die jedweder Grundlage entbehrten. Die medizinische Behandlung im Justizvollzug sei gewährleistet.

Das Justizministerium verwahre sich entschieden gegen eine Verunglimpfung der Arbeit seiner verantwortungsbewussten Bediensteten im Justizvollzug, teilte der Pressesprecher mit. Demgegenüber stehen Meldungen von Angehörigen von Häftlingen, die gestern Missstände in der JVA Bützow beklagten.

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