Wahl

Bischöfin führt künftig die Nordkirche

Erstmals steht eine Frau an der Spitze der Nordkirche. Sie stammt aus dem Westen, arbeitet aber seit Langem im Osten.
Benjamin Lassiwe Benjamin Lassiwe
Kristina Kühnbaum-Schmidt aus dem thüringischen Meiningen nach ihrem Wahlerfolg im Lübecker Dom.
Kristina Kühnbaum-Schmidt aus dem thüringischen Meiningen nach ihrem Wahlerfolg im Lübecker Dom. Rainer Jensen
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Lübeck.

Als Präses Andreas Tietze das Ergebnis bekanntgab, brandete donnernder Applaus durch den Dom zu Lübeck: Schon im ersten Wahlgang wurde Kristina Kühnbaum-Schmidt die neue Landesbischöfin der Nordkirche. Die im Dom zu Lübeck tagenden, 150 anwesenden Mitglieder der Landessynode wählte die 54-jährige bisherige Regionalbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland am Donnerstagabend mit 90 Stimmen zur Nachfolgerin von Gerhard Ulrich, der im März 2019 aus Altersgründen in den Ruhestand tritt. Ihr Gegenkandidat, der Hamburger Propst Karl-Heinrich Melzer, erhielt lediglich 56 Stimmen. Vier Synodale enthielten sich.

„Immer munter voran!”

In einer ersten Reaktion sagte Kühnbaum-Schmidt, sie sei „sehr bewegt und sehr glücklich“ und danke der Synode für das Wahlergebnis. Nun wolle sie „die große und weite Nordkirche erst einmal ausführlich kennenlernen, die unterschiedlichen Regionen, Fragen, Sorgen und Probleme.“ Kern ihrer Arbeit werde zunächst das Hören und Zuhören sein. „Es geht darum, wie wir in der heutigen Gesellschaft gut und verständlich über unseren Glauben reden“, sagte Kühnbaum-Schmidt.

Ein Thema sei es auch, auf Konfessionslose – im Osten des Kirchengebiets immerhin in der großen Mehrheit – zuzugehen. Einer Kirchenkritik von außen müsse man sich klar, offen und transparent stellen. Und auf die Frage nach ihrer Haltung zur Ökumene erklärte Kühnbaum-Schmidt: „Immer munter voran!“

Ergebnis deutlicher als erwartet

Mit einem solch deutlichen Ergebnis hatte im Vorfeld indes niemand gerechnet. Es schien, als lieferten sich die Kandidaten ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Doch am Abend zeichnete es sich ab: Schon nach den Bewerbungsreden war der Applaus für die Regionalbischöfin aus Thüringen deutlicher, stärker und länger. Beide Kandidaten hatten sich zuvor noch einmal ihren Wählern vorgestellt.

Und Kühnbaum-Schmidt erklärte dabei, die Nordkirche sei für sie„eine Kirche, die um ihre Ankerplätze weiß und doch unterwegs ist zu neuen Ufern.“ Sie sei eine „lutherische Kirche mit modernem Twist.” Zu den Aufgaben der Landesbischöfin gehört die Vertretung der Nordkirche nach außen, im ökumenischen Dialog ebenso wie im Gespräch mit Staat und Gesellschaft. „Sie hört, sie sieht, sie redet, sie integriert, sie leitet, sie vertritt nach außen“, zählte Kühnbaum-Schmidt in ihrer Bewerbungsrede auf.

Lebensmittelpunkt: Natürlich Schwerin

Und: Sie machte deutlich, dass Schwerin ganz selbstverständlich ihr neuer Lebensmittelpunkt werden wird. Auch ihre Einführung soll am Pfingstmontag im Schweriner Dom stattfinden.