WEGEN CORONA

Braucht Mecklenburg-Vorpommern eine Ausgangssperre?

Die Ausgangssperre, ist sie jetzt das Mittel der Wahl in MV? Unsere Kommentatoren Andreas Becker und Jörg Spreemann haben sich dazu ganz unterschiedliche Gedanken gemacht.
Leere Straßen – das könnte bald auch in Mecklenburg-Vorpommern drohen.
Leere Straßen – das könnte bald auch in Mecklenburg-Vorpommern drohen. Nicolas Armer
Neubrandenburg.

Ein Land im Notfallmodus: Schulen dicht, Kitas dicht, die meisten Geschäfte dicht – doch hilft das alles, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern? Zwei der Nordkurier-Autoren, Anderas Becker und Jörg Spreemann, haben sich Gedanken zu der Krise gemacht und sind zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen. 

+++ Aktualisierung: In Deutschland gelten von nun an deutlich härtere Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus. Nicht nur ein Kontaktverbot wird es geben, auch werden weitere Geschäfte und Betriebe geschlossen.+++

Andreas Becker meint: Es geht um Leben und Tod

+++Hier finden Sie alle aktuellen Corona-Artikel des Nordkurier.+++

Die Situation ist glasklar: Gegen den grassierenden Coronavirus gibt es derzeit keine Möglichkeit der pharmazeutischen Intervention. Das heißt, uns Menschen hilft bei dieser in vielen Fällen tödlichen Seuche kein Medikament, kein Impfstoff. Wir müssen uns diesmal selbst helfen! Und genau dazu ist offenbar ein Großteil des deutschen Volkes nicht fähig.

Dabei ist das Zauberrezept gegen die Coronaviren total einfach: Abstand halten! Die sozialen Kontakte auf ein Minimum reduzieren! Würden wir alle das konsequent 14 Tage durchziehen – da sind sich alle führenden Virologen des Landes einig – würde die Kurve der Infizierten deutlich abflachen – die Ansteckungsgefahr drastisch sinken, die Corona-Welle uns nicht überrollen.

Solange die partywütigen, unvernünftigen und unsolidarischen Deutschen aber ihre Einzelinteressen über das Wohl der Gemeinschaft stellen, muss der Staat mit aller ihm zur Verfügung stehenden Härte durchgreifen. Konkret: Eine Ausgangssperre ist überfällig!

Das hat nichts mit Aktionismus zu tun – die Ausgangssperre wird ja nicht adhoc und unüberlegt verhängt. Schließlich wütet das Coronavirus schon seit fast acht Wochen in Deutschland. Der Großteil wollte es bloß nicht wahrhaben – und hat die Augen verschlossen. Unvernunft, getarnt als Gelassenheit – eine zuweilen tödliche Kombination.

Und machen wir uns bitte doch nichts vor: Eine Ausgangssperre heißt ja nicht, dass ich ausschließlich in der heimischen Wohnung eingepfercht bin. Ich kann einkaufen gehen und Unmengen an Klopapier konsumieren, ich kann mit Frau und Kind spazieren gehen, ich kann den ach so geliebten Wagen volltanken, ich kann zur Arbeit fahren, ich kann mit dem Hund Gassi gehen und ich darf sogar stundenlang durch die Gegend joggen. Und, nicht zu vergessen: Ich darf auch Hilfebedürftigen unter die Arme greifen.

Was fehlt mir eigentlich? Zum Überleben nichts. Und genau darum geht es. Nur darum!

Jörg Spreemann meint: Aktionismus bringt nichts

Nun macht mal alle halblang. Fast schon mit den Händen lässt sich eine Art kollektive Massensehnsucht nach einer Ausgangssperre greifen. Politiker, die Handlungsbereitschaft zeigen wollen, preschen vor und legen möglichst viele Bürger an die Kette. Und irgendwie warten schon die meisten drauf, dass es passiert.

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Aktionismus pur lautet das Gebot der Stunde in Bayern, dem Saarland und bald auch anderswo, angetrieben von schnell steigenden Infizierten-Zahlen. Dabei ist noch gar nicht klar, was die schon erlassenen und durchgesetzten Einschränkungen wirklich bringen. Die Menschen, die heute erkranken, haben sich schon vor rund 10 Tagen angesteckt. Da herrschte in Deutschland noch Feierlaune mit vollen Fußballstadien. Vielleicht will jetzt manch ein Regierungschef etwas wettmachen, wovor er vor kurzem noch gezögert hatte? Brandenburgs Landeschef Dietmar Woidke behält dagegen das notwendige Augenmaß.

Es spricht wenig dagegen, die geltenden Maßnahmen nachzuschärfen: In jedem noch offenen Friseursalon herrscht hohes Ansteckungsrisiko. Es fehlt auch die Vorschrift, wie Kassierer in den Supermärkten umgehend besser geschützt werden. Und jede Rudelbildung in der Öffentlichkeit ist fahrlässig und gehört unterbunden. Nicht ausgeschlossen sollte sein, dass in einzelnen Orten härter durchgegriffen wird.

Aber gleich ein ganzes Volk einsperren? Selbst ein eigentlich harter „Hund“ wie der Hallenser Virologe Alexander Kekulé warnt davor, 95 Prozent der Bevölkerung in Haftung für die Irren zu nehmen, die sich nicht an Aufklagen und Empfehlungen halten. Auch gibt es berechtigte Zweifel, ob eine rigide Ausgangsperre wirklich zu kontrollieren ist.

Ach, so. Südkorea gilt inzwischen als eine Art Musterland bei Corona. Der Anstieg der Infizierten-Zahlen hat sich verlangsamt, ganz so, wie es auch das Ziel für Deutschland ist. Vor allem frühzeitige Massentests, verbunden mit strenger Quarantäne von Betroffenen, schlagen an. Ganz ohne Ausgangssperre für ein ganzes Volk. Noch Fragen?

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