FORDERUNG DES FINANZMINISTERS

Brodkorb: Sparkassenchefs sollen Gehälter offenlegen

Während die Vorstände der Sparkassen in Nordrhein-Westfalen ihre Bezüge seit Jahren veröffentlichen, zeigen sie sich hierzulande zugeknöpfter. Der Finanzminister appelliert nun an ihre Moral.
Frank Wilhelm Frank Wilhelm
MV-Finanzminister Mathias Brodkorb
MV-Finanzminister Mathias Brodkorb Heiko Brosin
Neubrandenburg.

Finanzminister Mathias Brodkorb (SPD) macht Druck auf die Vorstände der Sparkassen in Mecklenburg-Vorpommern. Er forderte die Chefs der Institute beziehungsweise die Verwaltungsräte als Aufsichtsorgane auf, die Vorstandsgehälter offenzulegen.

„Ich habe die hohe Erwartung, dass die Vorstände und Verwaltungsräte unserer Sparkassen hier eine Vorbildrolle spielen. Das habe ich in Gesprächen verdeutlicht”, erklärte Brodkorb im Interview mit Vertretern des Leserbeirats des Nordkurier.

Das Land würde, sollten die Vorstände Brodkorbs Ansinnen folgen, alle Daten veröffentlichen, genauso wie es in Nordrhein-Westfalen (NRW) bereits geschehe.

Es gebe Regeln zur Veröffentlichung der Gehälter von Geschäftsführern öffentlich-rechtlicher Unternehmen. Dabei bezieht sich der Minister auch auf das Sparkassengesetz.

Nur Sparkasse Vorpommern-Greifswald hat Gesamtbezüge veröffentlicht

Dort wurde 2016 im Paragraph 19 festgelegt, dass die „Gesamtbezüge (Gehälter, Gewinnbeteiligungen, Bezugsrechte und sonstige aktienbasierte Vergütungen, Aufwandsentschädigungen, Versicherungsentgelte, Provisionen und Nebenleistungen jeder Art) jedes einzelnen Mitglieds des Vorstandes unter Namensnennung” in den jährlichen Geschäftsberichten aufzuführen seien.

Im Gegensatz zu dieser Vorgabe zeigen sich die Vorstände der neun Sparkassen in MV allerdings sehr zugeknöpft. Nur die Sparkasse Vorpommern-Greifswald hat die Gesamtbezüge für ihren zweiköpfigen Vorstand veröffentlicht: 730000 Euro im Jahr 2016.

Hinzu kamen Zahlungen an Ex-Vorstände und deren Hinterbliebene in Höhe von 1,4 Millionen Euro. Für diese Position listet die Sparkasse Neubrandenburg-Demmin 2016 knapp 300000 Euro auf. Genauso wie alle weiteren Sparkassen in MV verschweigt das Kreditinstitut allerdings die Gehälter und Boni ihrer Vorstände.

Sparkassen-Chefs aus MV sollen dem Beispiel Nordrhein-Westfalen folgen

Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel Nordrhein-Westfalen. Dort veröffentlichen die Sparkassen bereits seit einigen Jahren die Bezüge ihrer Vorstände. Laut der „Neuen Westfälischen Zeitung” verdienten die Sparkassenchefs 2015 im Schnitt 352000 Euro. Der Spitzenverdiener steht der Kreissparkasse Köln vor – er kassierte 868000 Euro im Jahr.

Brodkorb kennt diese Zahlen und verlangt, dass die Sparkassen-Chefs aus MV dem Beispiel der Kollegen aus dem Westen folgen, gerade auch, weil die Träger der öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute die Kreise beziehungsweise die Kommunen sind.

„Es kann nicht sein, dass unsere Sparkassen angesichts ihres besonderen moralischen Anspruchs hinter denen von NRW zurückbleiben”, stellte Brodkorb klar. Allerdings könne die Offenlegung nur bei neuen Verträgen durchgesetzt werden, in denen eine entsprechende Klausel aufgenommen wird.

Und: Der Paragraph 19 des Sparkassengesetzes kann nur über die „Hinwirkungspflicht” durchgesetzt werden – das bedeutet, dass die Träger darauf „hinwirken” sollen, dass die Vorstände ihre Gehälter offenlegen.

Das Interview können Sie am Dienstag im Nordkurier lesen.

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