MATTHIAS CRONE

Bürgerbeauftragter mahnt mehr Beachtung von Behinderten-Belangen an

Matthias Crone fühlt sich in besonderer Weise Menschen mit Handicap verpflichtet. Die Integration der Betroffenen in das Alltagsleben aber lässt vielfach noch zu wünschen übrig.
dpa
Bis kurz vor Jahresschluss sind knapp 1700 Beschwerden und Hinweise bei Matthias Crone eingegangen. Damit hält auch 2017 der Anstieg der Eingaben weiter an.
Bis kurz vor Jahresschluss sind knapp 1700 Beschwerden und Hinweise bei Matthias Crone eingegangen. Damit hält auch 2017 der Anstieg der Eingaben weiter an. Jens Büttner/Archiv
Schwerin.

Der Bürgerbeauftragte Mecklenburg-Vorpommerns, Matthias Crone, beklagt mangelnde Rücksicht auf die Belange von Behinderten durch Politik, Behörden und Wirtschaft. Trotz Förderung seien Arbeitsplätze unverändert rar, kritisierte er. Trotz wachsenden Bedarfs würden zu wenige barrierefreie Wohnungen gebaut und trotz neuer Vorschriften bleibe Behinderten auf Elektro-Scootern vielfach die Mitnahme in Bussen und Straßenbahnen verwehrt.

„Anders als in Schwerin erlauben die Rostocker Verkehrsbetriebe Scooter-Nutzern die Mitfahrt nicht. Zehn Betroffene aus der Hansestadt haben sich deshalb mit Petitionen an mich gewandt”, sagte Crone. Als Bürgerbeauftragter vertritt er in besonderer Weise auch die Belange von Menschen mit Behinderungen. Mitte Dezember war Crone vom Landtag für eine zweite Amtszeit gewählt worden.

Scooter-Fahrer wegen Haftung nicht mitgenommen

Nach seinen Angaben ist die Mitnahmepflicht an technische Voraussetzungen gebunden, die viele Scooter noch nicht vollständig erfüllten. Doch während sich die Mehrzahl der Nahverkehrsunternehmen und auch die Deutsche Bahn kulant und lösungsorientiert zeigten, weigerten sich die Verantwortlichen in Rostock und im Landkreis Vorpommern-Rügen unter Hinweis auf das Haftungsrisiko, Scooter-Fahrer zu transportieren.

„Ziel sollte im Interesse der Menschen immer die Beförderung sein und nicht die Haftungsminimierung, zumal die Praxis zeigt, dass das Risiko sehr überschaubar ist”, mahnte Crone. Er regte eine Übergangsregelung an, bei der befristet das Land die Haftung übernehmen könnte.

Jede Neubauwohnung in großen Mehrfamilienhäusern soll barrierefrei werden

Kritisch äußerte sich Crone auch zur Bauordnung des Landes, in der behindertengerechtes Wohnen zu kurz komme. „Es gibt immer mehr ältere Menschen, die auch in der Wohnung auf einen Rollator angewiesen sind und im Bad mehr Platz benötigen”, betonte der Bürgerbeauftragte. „Das heißt, der Bedarf an bezahlbaren barrierefreien Wohnungen wird steigen. Was das angeht, ist die Landesbauordnung nicht auf die Zukunft gerichtet.”

Er schlägt vor, künftig jede Neubauwohnung in großen Mehrfamilienhäusern barrierefrei zu gestalten. „Die Mehrkosten werden von Experten mit einem Prozent der Bausumme angegeben. Das wäre überschaubar und allemal billiger als aufwendiges Nachrüsten.” Bislang schreibe die Bauordnung für neu errichtete Mehrfamilienhäuser nur für eine Etage barrierefreien Wohnraum vor. Laut Crone ist fast jeder siebte Mensch in Mecklenburg-Vorpommern schwerbehindert.

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