KLIMAFREUNDLICH

Bund fördert Wasserstoffregion in Rügen-Stralsund

Alle sprechen von Elektromobilität, doch um die Wasserstofftechnologie ist es wegen der hohen Kosten etwas ruhig geworden. Nun will der Bund neun Wasserstoffregionen fördern, darunter auch Rügen-Stralsund.
Ralph Sommer Ralph Sommer
Andreas Sklarow von der Hochschule Stralsund fährt den Prototypen-Leichtrennwagen „Thaiger” über den Cam
Andreas Sklarow von der Hochschule Stralsund fährt den Prototypen-Leichtrennwagen „Thaiger” über den Campus. Der von Studenten entwickelte Brennstoffzellen-Rennwagen mit einem Fahrzeuggewicht von 39 Kilogramm benötigte in seinem besten Wertungslauf über 16,117 km nur 34,20 Liter gasförmigen Wasserstoff. Archivbild / Stefan Sauer
Torsten Jackwitz von der Wind-Wasserstoff-Projekt GmbH Börgerende (links) stellt den Wasserstoff-Experten Andreas Sklarow
Torsten Jackwitz von der Wind-Wasserstoff-Projekt GmbH Börgerende (links) stellt den Wasserstoff-Experten Andreas Sklarow (Mitte) und Dr. Johannes Gulden von der Hochschule Stralsund den Wasserstoffspeicher in Grapzow vor. Ralph Sommer
Das erste und bislang einzige zugelassene Wasserstoff-Fahrzeug in Mecklenburg-Vorpommern gehört der Firma Wind-Wasserstof
Das erste und bislang einzige zugelassene Wasserstoff-Fahrzeug in Mecklenburg-Vorpommern gehört der Firma Wind-Wasserstoff-Projekt GmbH in Börgerende. Hannes Kaufmann – Wind-Projekt Ingenieur- und Projektentwicklungsgesellschaft GmbH Börgerende
Rügen-Stralsund.

Insgesamt will Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) neun Wasserstoffregionen bei der Entwicklung entsprechender Netzwerke unterstützen, darunter auch Rügen-Stralsund, die Lausitz sowie Weimar und das Weimarer Land. An dem Wettbewerb hatten sich 85 Kommunen und Regionen beworben.

„Wir wollen lieber heute als morgen klimafreundlich unterwegs sein“, sagte der Minister in Berlin. Wasserstoff-Mobilität erfülle genau das: Tanken in drei Minuten mit einer Reichweite von 500 bis 700 Kilometern. „Wichtig ist jetzt, dass ausreichend Tankstellen bundesweit verfügbar sind.“

Wasserstoff-Symposium in Stralsund

Vor allem die Hochschule Stralsund gilt als ein Wegbereiter der Zukunftstechnologie Wasserstoff. Alljährlich im November trifft sich hier die internationale Forscherszene zum Wasserstoff-Symposium, das sich auf die umweltfreundliche Produktion von Wasserstoff und dessen Nutzung konzentriert. Am Hochschulstandort existiert eine Pilotanlage, mit der aus Windkraft Wasserstoff hergestellt wird.

Stralsunder Studenten basteln seit 2007 an Rennwagen, die wasserstoffelektrisch betrieben werden. Im vergangenen Jahr hatten sie in London beim Shell-Eco-Marathon den EM-Titel geholt. Ihr Rennwagen „ThaiGer-H2“ hatte mit einem Kubikmeter Wasserstoff eine Strecke von 779 Kilometern zurückgelegt. In diesem Jahr konnte das Team den Titel verteidigen und die Reichweite auf 1083 Kilometer verbessern.

Windpark in der Müritzregion

Forscher der Region Rügen-Stralsund, wie die Stralsunder Professoren Jochen Lehmann und Thomas Luschtinetz hatten schon vor zwölf Jahren ein Projekt „Wind-Wasserstoff-Land“ vorgeschlagen. Demnach sollte in der Müritzregion ein Windpark in Kombination mit einer Wasserstoffproduktion entstehen, ähnlich eines Windparks in Grapzow bei Altentreptow.

Darüber hinaus waren mehrere Pilotprojekte der Wasserstoff-Branche vorgesehen, darunter die Umstellung der kompletten Infrastruktur an Rügens Kap Arkona auf eine Energieversorgung durch Wasserstoff. Ähnliche Lösungen waren für die Inseln Ruden und Vilm vorgesehen.

Auch in den Marinas an der Küste und an der Müritz sollten Wasserstoffstationen für die Notstromversorgung von Schiffen entstehen. Angeregt wurde sogar der Bau unbemannter U-Boote, die – angetrieben mit Wasserstoff – zum Beispiel bei der Kontrolle von Seekabeln und Erdgasleitungen in großer Tiefe eingesetzt werden könnten.

Bus und Bahn mit Wasserstoff unterwegs

Erste praktische Erfahrungen werden bereits in Barth gesammelt. Dort rollt seit einigen Jahren ein Bus, der mit Wasserstoff aus einer Solaranlage betankt wird. Auf der Insel Rügen wird eine eine Arkonabahn betrieben, die auf Wasserstoffbasis angetrieben wird.

Den ersten und bislang einzigen, in Mecklenburg-Vorpommern zugelassenen Wasserstoff-Pkw fahren derzeit Mitarbeiter der Börgerender Firma WIND-projekt. Das Serien-Auto des südkoreanischen Automobilkonzerns Hyundai rollt ausschließlich mit Wasserstoff und schafft es ohne jede Emission auf eine Beschleunigung von 0 auf 100 in 12,5 Sekunden und auf eine Höchstgeschwindigkeit von 160 Stundenkilometern.

Ausgestattet mit zwei sicher installierten Wasserstofftanks mit 5,6 Kilo Tankkapazität und einem 136-PS-Brennstoffzellenblock kommt das Fahrzeug auf eine Reichweite von 594 Kilometern. Das Dilemma: Weil es hierzulande bislang keine Wasserstofftankstelle gibt, muss der rund 55.000 Euro teure Wagen mitunter im Huckepack zur nächsten Zapfsäule nach Hamburg geschleppt werden.

Zukunftsenergieträger Wasserstoff

Wasserstoff ist als chemisches Element einer der Grundbausteine der Welt und praktisch unbegrenzt vorhanden. Seine Verwendung ist in der Industrie alltägliche Praxis. Er erzeugt keine klimarelevanten Kohlendioxid-Emissionen. Wasserstoff lässt sich umweltschonend durch Sonne, Wind, Wasserkraft und Erdwärme regenerativ gewinnen. Seine Produktion ist daher unabhängig von Öl-Importen möglich.

Wasserstoff gilt als Kraftstoff der Zukunft. So ermöglicht Wasserstoff die Nutzung erneuerbarer Energien im Verkehrssektor. In einer Brennstoffzelle wird durch chemische Reaktion die im Wasserstoff gebundene Energie in Strom umgewandelt, der einen Elektromotor antreibt. Bei der Umwandlung werden neben elektrischer Energie reines Wasser und Wärme frei.

Führende Autohersteller der Welt arbeiten seit Jahren an Automobilen mit dem alternativen Brennstoffzellen-Antrieb. Die Brennstoffzelle gilt als äußerst effektiv. Ihr Wirkungsgrad ist etwa doppelt so hoch wie der eines Verbrennungsmotors. Das kleine elektrochemische Kraftwerk besteht aus zahlreichen zwei Millimeter breiten Zellen, die zu einem über 200 Volt starken so genannten Stack hintereinander geschaltet werden.

StadtLandKlassik - Konzert in Rügen-Stralsund

zur Homepage