Nach Thüringer Vorbild
BUND will mehr Kontrolle für Einhaltung von EU-Naturschutz-Vorgaben

Das EU-Schutzgebietsnetz «Natura 2000» besteht aus FFH-Gebieten und Gebieten der Vogelschutzrichtlinie.
Das EU-Schutzgebietsnetz „Natura 2000” besteht aus FFH-Gebieten und Gebieten der Vogelschutzrichtlinie.
Jens Büttner

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, meint die Umweltorganisation BUND, wenn es um die Einhaltung von Naturschutz-Bestimmungen geht. Der BUND-Landesverband will deshalb nach dem Vorbild Thüringens ein Netz unabhängiger Kontrollstationen.

Die Umweltorganisation BUND fordert in Mecklenburg-Vorpommern eine wirksamere Kontrolle für die Einhaltung europäischer Naturschutz-Bestimmungen. Freiwillige Vereinbarungen seien ein Anfang, reichten allein aber nicht aus. „Es muss auch eine Kontrolle dafür geben, sonst nützen die besten Vereinbarungspapiere nichts”, erklärte BUND-Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag zum Abschluss einer umweltpolitischen Klausurtagung des BUND-Landesverbandes in Neustrelitz.

Nach dem Vorbild Thüringens sollten auch in Mecklenburg-Vorpommern „Natura 2000”-Stationen eingerichtet werden, die maßgeblich zu Erhalt und Verbesserung der Naturschätze in den fast 300 FFH- und Vogelschutzgebieten des Landes beitragen könnten. „Solche biologischen Stationen können in gemeinnütziger Trägerschaft errichtet werden.

Die Stationen arbeiten eng mit der Verwaltung und den betroffenen Landnutzern vor Ort zusammen”, teilte Cwielag in einer am Sonntag verbreiteten Erklärung mit. Thüringen habe bislang elf solcher Stationen für seine rund 250 Schutzgebiete eingerichtet, die von Landschaftspflege- und Naturschutzverbänden betrieben würden und auch Landwirte fachlich berieten.

Erweiterung der Öko-Anbaufläche für Agrarprodukte gefordert

Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, kurz FFH-Richtlinie, ist eine Naturschutz-Richtlinie der Europäischen Union. Ziel ist, wildlebende Arten, deren Lebensräume und die europaweite Vernetzung dieser Lebensräume zu sichern und zu schützen. Das EU-Schutzgebietsnetz „Natura 2000” besteht aus FFH-Gebieten und Gebieten der Vogelschutzrichtlinie.

Auf ihrer zweitägigen Beratung verständigten sich die BUND-Experten auf Kernforderungen ihres Landesverbandes für das Jahr 2018. So soll zum besseren Schutz des Trinkwassers und im Interesse einer großen Artenvielfalt die ökologische Anbaufläche für Agrarprodukte bis 2025 von 10 auf mindestens 20 Prozent erweitert werden. Damit solle insbesondere auch das Insektensterben gestoppt werden. Biosphärenreservate und Naturparke sollten als Bio-Modellregionen besonders gefördert werden, hieß es.

Für einen effektiven Klimaschutz fordert der BUND, die Kohleverstromung im Steinkohlekraftwerk Rostock bis 2025 zu beenden. Damit könne ein Viertel der Kohlendioxidemissionen des ganzen Landes, nämlich 2,5 Millionen Tonnen, gespart werden, erklärte Cwielag. Die Energiewende müsse weiter vorangetrieben werden, aber mit erheblicher Energieeinsparung und einer Forcierung von Speichertechnologien einhergehen, betonte sie.