SCHÄFERIN SCHWÖRT AUF HERDENSCHUTZHUNDE

Bundesministerin: Wolf muss höchsten Schutz genießen

Die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland gilt als Erfolg für den Artenschutz. Das sieht auch die Bundesumweltministerin so. Wie Schäfer ihre Herden vor Wölfen schützen können, zeigt eine Schäferin. Sie hält spezielle Herdenschutzhunde.
dpa
Den Wolf machte Bundesumweltministerin Hendricks (SPD) auf ihrer Sommertour durch Mecklenburg-Vorpommern zum Thema. Jens Büttner
Boizenburg ·

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) betrachtet es als einen Erfolg des Artenschutzes, dass der Wolf wieder in Deutschland heimisch geworden ist. Forderungen, den Wolf zur Bejagung freizugeben, wies sie am Freitag beim Besuch einer Schäferei bei Boizenburg (Landkreis Ludwigslust-Parchim) während ihrer Sommertour zurück. «Er muss in der höchsten Schutzkategorie bleiben», sagte die Bundesministerin. Bei Bedrohungen von Menschen durch auffällige Wölfe gebe es nach geltendem Recht die Möglichkeit, diese Tiere zu erlegen.

Wölfe haben nach Angaben des Agrarministeriums in Schwerin in den vergangenen drei Jahren in Mecklenburg-Vorpommern 158 Schafe gerissen. Allerdings habe nicht in allen Fällen zweifelsfrei nachgewiesen werden können, dass wirklich ein Wolf der Übeltäter war, sagte Minister Till Backhaus (SPD). 

Die Schäferin Heike Griem führte vor, wie speziell ausgebildete Herdenschutzhunde ihre Schafe schützen. Griem hält vier Herden mit insgesamt 2000 Mutterschafen und derzeit etwa 1700 Lämmern. Ein Großteil ihrer Weiden liegt in Naturschutzgebieten in Mecklenburg- Vorpommern und Schleswig-Holstein. Hohe, feste Schutzzäune sind dort nicht erlaubt. Griem hat in jeder Herde zwei Pyrenäenberghunde. Seitdem gebe es keine Probleme mehr mit wildernden Hunden, die bei ihr bereits Schafe gerissen hätten, sagte sie. Ein Wolf sei zwar einmal in 500 bis 600 Meter Entfernung einer Koppel gesehen worden, angegriffen habe aber noch keiner.

Ein Allzweckmittel für alle Schäfer sind Herdenschutzhunde jedoch nicht. Anschaffung, Ausbildung und Haltung seien teuer, zudem würden die Hunde Zeit in Anspruch nehmen, gab die Schäferin zu bedenken. In manchen Tourismusgebieten dürften Schäfer mit solchen Hunden nicht arbeiten.

Der Landesschafzuchtverband in Mecklenburg-Vorpommern fordert, die Halter von Schafen, Ziegen und Rindern beim Schutz der Herden noch besser zu unterstützen. Vom Bund erwartet der Landesvorsitzende Jürgen Lückhoff, dass geprüft wird, wie viele Wölfe für Deutschland verträglich sind. Entsprechend müssten Obergrenzen festgelegt werden.

Von der Landesregierung fordert der Verband, ganz Mecklenburg- Vorpommern zum Wolfserwartungsgebiet zu erklären. Bisher gehört nur der Süden des Landes dazu. Nur dort haben Tierhalter derzeit Anspruch auf Zuschüsse für vorbeugenden Herdenschutz, wie Elektrozäune und Herdenschutzhunde. Lückhoff sagte, es wäre lediglich ein Vorziehen der Ausgaben, wenn man Fördermittel schon jetzt im ganzen Land gewähre. Die weitere Ausbreitung des Wolfs sei zu erwarten. Die Tierhalter könnten dann aber schon Vorsorge treffen.

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