KREISTAG

CDU-Politiker Ott nennt Homosexuelle „mikroskopische Randgruppe”

Sascha Ott (CDU) soll im Kreistag Vorpommern-Greifswald Homosexuelle diffamiert haben. Seine Äußerungen fanden ihren langen Weg zum Rostocker Christopher-Street-Day-Verein. Dieser zeigte sich entsetzt.
Sascha Ott ist stellvertretender Landesvorsitzende der CDU und schon öfter wegen grenzwertiger Forderungen aufgefallen.
Sascha Ott ist stellvertretender Landesvorsitzende der CDU und schon öfter wegen grenzwertiger Forderungen aufgefallen. Archivbild Jens Büttner
Pasewalk ·

Der Vorfall liegt zwar bereits einige Monate zurück, entwickelt jetzt aber erst so richtig politisch Sprengkraft. Anfang März fand die Sitzung des Kreistags Vorpommern-Greifswald in Greifswald statt. Einer der zu verhandelnden Anträge kam von der CDU.

Die Christdemokraten verlangten damals, dass der Kreis eine eigene, identitätsstiftende Flagge erhalten solle, so wie auch Rostock und die Mecklenburgische Seenplatte eine haben. Ott war für die aktuelle Landesregierung als Justizminister im Gespräch Er bekam den Posten jedoch nicht, nachdem bekannt wurde, dass er mehrere Postings der AfD auf Facebook geliked hatte.

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Grüne Antragsänderung sorgt für Eklat

Für den Eklat auf der Kreistagssitzung sorgte ein Vorschlag der Grünen, den Beschluss abzuändern. Sie forderten, zum jährlich stattfindenden Christopher-Street-Day sei „die Regenbogenfahne als Zeichen für Toleranz, Akzeptanz und Solidarität vor öffentlichen Gebäuden des Landkreises zu hissen.” Der Änderungsantrag wurde knapp abgelehnt, sorgte jedoch für eine hitzige Debatte und auch Otts Äußerungen, die nun für Zündstoff sorgen.

Der fand den Vorwurf der Grünen nämlich absolut absurd. „Ihr Antrag unterstellt immer, dass es Menschen in unserer Gesellschaft gibt, die bewusst diskriminiert, verfolgt oder ausgegrenzt werden”, sagte er in seiner Rede. Dies sei aber nicht der Fall. „Zur Wahrheit gehört eigentlich viel mehr: Die Deutschen sind mittlerweile so von Toleranz umfasst, dass es schon bald bis zur Selbstverleumdung reicht.”

Zudem bezeichnete er homo-, bi-, trans- und intersexuelle Menschen, für deren Gemeinschaft die Regenbogenflagge steht, als mikroskopische Randgruppe und fragte vom Podium aus an Grünenmitglied Ulrike Berger gewandt, ob sie überhaupt noch ernsthaft bei der Sache ist oder das hier nur noch ein Kinderspiel sei?

Kommentar: Flaggen sind so mikroskopisch wichtig.

Rostocker finden Protokoll und fordern Rücktritt

Nun, vier Monate später, haben das Protokoll und ein Mitschnitt der Sitzung auch den Weg in die Hände des Christopher Street Days (CSD) Rostock e.V. gefunden. Der Verein zeigte sich entsetzt und forderte über das Portal queer.de sogar eine öffentliche Entschuldigung Otts sowie dessen Rücktritt als Amtsgerichtsdirektor.

Ott selbst reagierte erschrocken, als er auf die Vorwürfe angesprochen wurde: „Das ist in höchstem Maße an den Haaren herbeigezogen und ich kann das Tamtam nicht verstehen”, so der CDU-Politiker.

Er fühlt sich missverstanden. „Ich wollte zwei Botschaften klarmachen: Zum einen, dass ich es leid bin, dass sich konstruierte Minderheiten von staatlichen Seiten ausgegrenzt fühlen. Zum zweiten habe ich Angst, dass wir die Mehrheitsgesellschaft nicht genug stärken.” Die stetigen Reaktion auf Angriffe von radikalen Kräften von rechts, links oder dem Islamismus würden nur für mehr Unzufriedenheit und Politikverdrossenheit sorgen.

Linke: CDU hat ein „rechtsaußen Problem”

Doch Ott, der Mitglied im konservativen Kreis der CDU ist, dem auch Philipp Amthor angehört, zeigt sich auch gesprächsbereit: „Diese Leute können mich gerne anrufen, dann komme ich nach Rostock und wir können reden.”

Während Ott sich missverstanden fühlt, spricht Wenke Brüdgam (die Linke) von offenen Problemen in der Partei. „Die CDU in Mecklenburg-Vorpommern hat ein Rechtsaußen-Problem," erklärt die stellvertretende Landesvorsitzende der Partei. Sie hat auch eine Forderung an Otts Parteikollegen und Landrat von Vorpommern-Greifswald, Michael Sack. Dieser schickt sich gerade an, Vorsitzender der CDU zu werden.

„Herr Sack muss öffentlich klarstellen, dass solche Meinungen in der CDU keinen Platz haben”, so Brüdgam.

 

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Kommentare (1)

Hirn und Verstand sind Hern Ott auch nur mikroskopische Randerscheinung. Da ist er bei den AfD-Krames und Webers in bester Gesellschaft