Der Vorstandsvorsitzende und Ärztliche Vorstand der Universitätsklinik ist durch den Aufsichtsrat vorübergehend
Der Vorstandsvorsitzende und Ärztliche Vorstand der Universitätsklinik ist durch den Aufsichtsrat vorübergehend freigestellt worden. Bernd Wüstneck
Nach Brandbrief

Chef der Rostocker Uniklinik beurlaubt – Streit um Personalkürzungen

Einem Medienbericht zufolge soll es zu einem Streit zwischen dem ärztlichen Vorstand und Aufsichtsratschef Mathias Brodkorb gekommen sein. Brodkorb wolle Personalkürzungen, Ärzte warnen vor Lücken in der Krankenversorgung.
dpa
Rostock

Der ärztliche Vorstand der Universitätsmedizin Rostock, Professor Christian Schmidt, ist vorübergehend von seiner Tätigkeit freigestellt worden. Die ärztliche Leitung übernimmt sein Stellvertreter Christian Junghanß, wie die Uniklinik am Mittwoch in Rostock mitteilte. Dies habe der Aufsichtsrat bei einer Sitzung am Dienstag entschieden.

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Schmidts Anwalt bestätigte die Freistellung ebenfalls. Dies sei ein "sehr ungewöhnlichen Vorgang". "Anlass ist das Erfordernis, unternehmensinterne Sachverhalte neutral und sachgerecht aufzuklären", hieß es in einem schriftlichen Statement der Universitätsmedizin.

Streit um Kürzungen beim Personal

Doch hinter der Freistellung könnte sich weitaus mehr verbergen. Laut einem NDR-Bericht habe es vor der Freistellung deutliche Meinungsverschiedenheiten vor allem um Sparpläne am Uniklinikum gegeben. Dem Bericht zufolge habe Ex-Bildungsminister Mathias Brodkorb, mittlerweile Aufsichtsratschef des Klinikums, in den vergangenen Wochen stärker auf Personalkürzungen gedrängt als Schmidt. Schmidt habe vor allem vor Kürzungen in der Kindermedizin gewarnt, Brodkob hingegen habe auf Einsparungen beim Personal gedrängt.

Vergangene Woche spitzte sich die Lage öffentlich zu. In einem Brandbrief warnten mehrere Chefärzte davor, dass es wegen des Personalmangels zu Lücken in der Patientenversorgung kommen könnte – besonders bei der Kindermedizin. Als Folge hatte n Vorstand und Aufsichtsrat am 4. August 2021 für das laufende Jahr zusätzlich zwei Millionen Euro und für das nächste Jahr fünf Millionen Euro freigegeben.

Schmidt arbeitet seit 2014 am Klinikum. 2018 wurde er bereits nach Vorwürfen um zweifelhafte Geschäftspraktiken als ärztlicher Vorstand freigestellt. Er wurde danach wieder in sein Amt eingesetzt, nachdem sich die Vorwürfe nicht konkretisieren ließen. Die Staatsanwaltschaft Rostock hatte das Verfahren damals eingestellt.

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