DUBIOSE GESCHÄFTSPRAKTIKEN?

Chef der Rostocker Uniklinik bleibt freigestellt

Chefsessel oder Schleudersitz: Der Aufsichtsrat hat die Entscheidung über die Zukunft des Leiters der Rostocker Universitätsmedizin vorerst vertagt. Jetzt gibt es neue Erkenntnisse zum Vorwurf zweifelhafter Geschäfte.
Mirko Hertrich Mirko Hertrich
UMR-Chef Christian Schmidt galt noch vor kurzem als Hoffnungsträger bei den krisengebeutelten Unikliniken. Jetzt gerät der Manager in Zwielicht.
UMR-Chef Christian Schmidt galt noch vor kurzem als Hoffnungsträger bei den krisengebeutelten Unikliniken. Jetzt gerät der Manager in Zwielicht. Bernd Wüstneck
Schwerin.

Der Vorstandschef der Universitätsmedizin Rostock (UMR), Christian Schmidt, bleibt von seiner Aufgabe weiter freigestellt. Der Aufsichtsrat habe sich in einer Sitzung am Freitag darauf verständigt, dass der Vorstandschef und Ärztliche Vorstand der UMR weiterhin vorläufig von all seinen Aufgaben entbunden bleibt, wie das Wissenschaftsministerium im Anschluss in Schwerin mitteilte. Schmidt wird unter anderem eine Verletzung seiner Dienstpflichten vorgeworfen. Nach Bekanntwerden der Anschuldigungen war er Ende Juni bis „auf Weiteres” freigestellt worden. In Medien war bereits darüber spekuliert worden, ob Schmidt bereits am Freitag seinen Posten räumen muss.

Der Vorstandsvorsitzende bestreitet die Vorwürfe. Laut Ministerium stand im Mittelpunkt der Sitzung eine Stellungnahme des Managers, der seit 2014 Ärztlicher Vorstand und Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Rostock ist. Aus seinen Einlassungen haben sich weitere Fragen ergeben, denen nun „unverzüglich und sorgfältig nachgegangen” werde, hieß es weiter. Da es sich um eine Personalangelegenheit handelt, sind laut Ministerium darüber hinaus keine weiteren Auskünfte möglich.

Schmidt führte Uni-Klinikum in Gewinnzone

Die Vorwürfe gegen gegen Schmidt drehen sich dem Vernehmen nach um nebulöse Beraterverträge, dubiose Nebentätigkeiten und Geschäfte mit Unternehmen, die ihren Hauptsitz in Steueroasen haben. Nach NDR-Informationen soll der Mediziner unter anderem versucht haben, über die Firma seines Vaters für einen Vortrag bei einem Rostocker Unternehmen rund 1300 Euro zu kassieren. Diesen Vortrag hielt er den Angaben nach aber in seiner mit 330 000 Euro dotierten Funktion als Chef der Universitätsmedizin.

Die Rostocker Uni-Klinik gehört mit knapp 4200 Mitarbeitern zu den größten Arbeitgebern des Landes. Unter der Führung Schmidts erwirtschaftete der landeseigene Gesundheitsversorger 2016 einen Gewinn von 6,7 Millionen Euro. Mit dieser Bilanz und einer Auszeichnung als Klinikmanager des Jahres 2017 im Rücken sollte der Professor jetzt eigentlich der Universitätsmedizin in Rostock wirtschaftlich auf die Beine helfen, die tiefrote Zahlen schreibt.

Land sitzt im Aufsichtsrat der Uni-Kliniken

Das Ganze geschah unter den Augen der Landesregierung. Im Aufsichtsrat der Universitätsmedizin Rostock sitzt federführend mit Sebastian Schröder ein Staatssekretär aus dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Sein Pendant als Aufsichtsratsvorsitzender in Greifswald ist Peter Bäumer, Staatssekretär im Finanzministerium MV. Der Landeszuschuss für die beiden Unikliniken lag im vergangenen Jahr bei rund 57 Millionen Euro.

Die Linksfraktion im Schweriner Landtag verlangte, dass rund um die Vorgänge am Universitätsklinikum Rostock auch die Rolle des Aufsichtsrats eingehend untersucht wird. „Man muss sich genau anschauen, woran es gelegen haben könnte”, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Linksfraktion, Torsten Koplin. Er warnte zugleich vor einem Vertrauensverlust bei den Patienten.

Sei Aschenbrödel! - Dein personalisierbares Märchenbuch zum Film!

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Schwerin

zur Homepage