Stellt sich jeder Diskussion und hat eine klare Meinung: Chefarzt Dr. Sven Armbrust vom Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum in Neubra
Stellt sich jeder Diskussion und hat eine klare Meinung: Chefarzt Dr. Sven Armbrust vom Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum in Neubrandenburg. Andreas Becker
Klinikum Neubrandenburg

Chefarzt lehnt Corona-Impfung für Kinder ab

Skeptisch hat Dr. Sven Armbrust auf die Freigabe des Biontech/Pfizer-Impfstoffs für Kinder zwischen 5 und 11 Jahren reagiert. Für den Neubrandenburger Chefarzt gibt es noch zu viele offene Fragen.
Neubrandenburg

Nachdem die europäische Arzneimittelzulassungsbehörde am Donnerstag die Marktzulassung des Impfstoffs von Biontech/Pfizer auch für kleinere Kinder erteilt hat, wird die Auslieferung des Impfstoffes in kindgerechter Dosis und geeigneter Konfektionierung in Europa ab dem 20. Dezember erwartet. Bis dahin dürften sich Eltern noch die Köpfe heiß diskutieren, ob sie ihr Kind dann auch wirklich impfen lassen.

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Dr. Sven Armbrust, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum in Neubrandenburg, hat sich am Freitag im Gespräch mit dem Nordkurier eher ablehnend gegenüber der Impfung gezeigt. Sicherlich hätten sich in den vergangenen Wochen mehr Kinder mit der hoch infektiösen Delta-Variante des Coronavirus angesteckt – aber es sei gleichzeitig nicht zu einer vermehrten Hospitalisierung der Kinder gekommen, argumentiert der Chefarzt. „Wir können keine hohe Krankheitslast bei Kindern feststellen”, sagt Armbrust.

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Armbrust: Kaum schwere Krankheitsverläufe bei Kindern

Die schweren Krankheitsverläufe würden sich im Kindesalter im Promillebereich bewegen. Deshalb sehe er keine zwingende medizinische Notwendigkeit, einen wachsenden Kinderorganismus gegen das Coronavirus zu impfen. Nach Einschätzung des Chefarztes gebe es kein ausreichendes Datenmaterial, um beispielsweise die Langzeitfolgen einer solchen Impfung abzusehen. „Ich sehe viel zu viele offene Fragen – deshalb rate ich von der Impfung für die 5- bis 11-Jährigen ab.”

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Studien aus verschiedenen Ländern zufolge sei laut Armbrust der Anteil von Kindern an den Infektionszahlen äußerst gering, ebenso die Ansteckungsgefahr für Erwachsene, und der Verlauf meist mild. Somit sei weder für die Kinder selbst noch für Dritte eine relevante Schutzwirkung zu erzielen.

Durchaus ähnlich wie der Neubrandenburger Kinderarzt hatte am Donnerstag auch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) die Situation eingeschätzt. „Die primäre Krankheitslast dieser jungen Altersgruppe durch schwere Erkrankungen ist unverändert sehr gering. Die Übertragungsrate des Virus aus dieser Altersgruppe heraus ist geringer als bei Erwachsenen. Das gilt insbesondere für Kinder ohne Krankheitssymptome”, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung der Gesellschaft.

Unklar ob Impfung Einfluss auf die Übertragungsrate des Virus bei Kindern hat

Die Annahme, dass die Impfung bei jungen Kindern einen anhaltenden Einfluss auf die Übertragungsrate des Virus nehmen werde, sei unbestätigt. Insoweit sei die Nutzen-Risiko-Abwägung bei der Impfindikation bei jungen Kindern besonders sorgfältig zu überprüfen und nicht so offensichtlich wie bei der Impfung von Erwachsenen”, macht die DGKJ deutlich.

Und noch etwas betont die Dachgesellschaft der Kinder- und Jugendmediziner: „Die Forderung nach Impfungen der jungen Kinder zur Verhinderung eines allgemeinen Lockdowns ist nicht verhältnismäßig. Der Eigennutz für das Kind muss im Vordergrund stehen.”

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