DRK, AWO UND CO.

Chefs der Wohlfahrt kassieren – und schweigen

Bundesweit ist die Wohlfahrt durch teilweise üppige Gehälter der Geschäftsführer in die Schlagzeilen geraten. Doch in MV ist die Offenlegung der Vergütung immer noch ein Fremdwort.
Setzt noch auf das Gespräch: Stefanie Drese.
Setzt noch auf das Gespräch: Stefanie Drese. Stefan Sauer
Schwerin.

Ist es Ignoranz oder Arroganz? Ist es Dreistigkeit oder ein über Jahrzehnte angewöhntes Machtgehabe? Vielleicht ist es auch einfach ein Mix aus allem. Fakt ist: Von der viel beschworenen Transparenz und der Offenlegung der Gehälter von Führungskräften ist die Wohlfahrt in Mecklenburg-Vorpommern noch soweit entfernt wie der Weiße Hai von der Müritz.

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Mit viel Brimborium hatte die Große Koalition im vergangenen Jahr erstmals ein Wohlfahrtsgesetz und damit auch eine Transparenz-Datenbank verabschiedet. In der Datenbank, so hatte es Sozialministerin Stefanie Drese im Juni 2019 vollmundig angekündigt, sollten auch die Vergütungen der Geschäftsführer eingetragen werden. Heute, fünf Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes, hat bis auf die Caritas noch kein einziger Wohlfahrtsverband jene Gehälter preisgegeben, die die gesamte Branche in den vergangenen Jahren in Misskredit gebracht hat. Die Caritas brauchte für ihre Offenheit im übrigen keine Datenbank – die Verantwortlichen hatten ihre Jahresvergütung bereits im Februar 2018 in einer Pressekonferenz veröffentlicht.

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Im Gegensatz zu Geschäftsführern von anderen Wohlfahrtsverbänden liegt die Caritas mit Jahresgehältern um die 100.000 Euro eher im für diese Jobs zweifellos wohltuenden Mittelfeld der Vergütungstabelle.

Sucht die Wohlfahrt den Machtkampf mit Ministerin?

Wie vermeintlich unantastbar sich Sozialverbände trotz unzähliger Skandale und Affären präsentieren, lässt sich – wieder ein mal – am Awo-Landesverband MV zeigen. Statt – wie von der Ministerin vorgesehen – das Gehalt des hauptamtlichen Geschäftsführers zu veröffentlichen, hat die Awo einfach die Aufwandsentschädigungen der ehrenamtlicher Vorstandsmitglieder in die Datenbank eingetragen. In Zahlen ausgedrückt: Der ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende des Awo-Landesverbandes erhält monatlich 50 Euro. Motto: Kleinvieh wird veröffentlicht – die großen Beträge bleiben verborgen.

Und die verantwortliche Sozialministerin? Will sie sich von den Wohlfahrtsverbänden weiter auf der Nase herumtanzen lassen? Offenbar, so hat es den Anschein, suchen die in der Politik bestens vernetzten und mächtigen Wohlfahrtsverbände den offenen Kampf mit Stefanie Drese (SPD). Die gibt sich noch relativ gelassen und lässt über ihren Pressesprecher verkünden: „Die Ministerin freut sich zunächst einmal, dass sich die Transparenz-Datenbank allmählich füllt. Alle in der Liga der Spitzenverbände zusammengeschlossen Landesverbände der Wohlfahrt sind inzwischen vertreten. Das ist ein wichtiger Schritt für mehr Transparenz.“

Mehr Transparenz nötig

Dann aber lässt auch Drese durchaus Kampfeslust anklingen. „Weitere Schritte sind aber notwendig. Dazu gehört auch die Offenlegung der Gehälter. Dazu bin ich mit den Vorsitzenden der großen Wohlfahrtsverbände im Gespräch. Diese kennen meine Erwartung.“

Sie, Drese, habe das Gefühl, dass die Diskussion innerhalb der einzelnen Verbände an Fahrt gewinnen würde. Die Notwendigkeit für mehr Transparenz, um verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen, werde geteilt. Und noch etwas machte Drese unmissverständlich klar: Sie werde das Thema Geschäftsführer-Gehälter im Juni mit den Liga-Vorsitzenden im Rahmen eines Treffens besprechen. „Danach sehen wir weiter“, so Drese vielsagend.

Es würde mittlerweile nicht überraschen, wenn sich das politische Schicksal der Sozialministerin Stefanie Drese an den Chefgehältern der Wohlfahrtsverbände entscheiden könnte.

 

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Kommentare (3)

Wenn man so langsam optimistisch grinsend die Zeit verstreichen lässt, kneifen eines Tages alle Betroffenen ihr Gesäß zu und sind nicht mehr habhaft zu machen. Aber eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus... das war schon immer so.....Wozu braucht man so lange um die Bezüge zu korrigieren? Für mich sind das alles Parasiten mit über 100T Euro im Jahr, Verhältnisse wie im Mitetlalter.

alle Wohlfahrtsverbände gehören unter strickte staatliche Kontrolle gleich einem Department/Finanzamt - für alle Leistungen/Posten/Personalien für welche Gelder beantragt werden müssen nachweislich erbracht und genehmigt werden - sollten bestimmte Budgetgrößen nicht überschreiten und bundesweit gleich sein

Bedeutung: Raum, der sich in einem besonders verschmutzten oder vernachlässigten Zustand befindet
korrupte Verhältnisse, Zustände Wendungen, Redensarten, Sprichwörter: den Augiasstall ausmisten/reinigen (gehoben: eine durch Schlamperei, Nachlässigkeit entstandene große Unordnung mit Mühe beseitigen; die Ordnung wiederherstellen) laut Duden
Um diese Unordnung in Meck Pom zu beseitigen braucht es nicht die dritte SPD Sozialministerin, sondern den Willen diese korrupte Verquickung zwischen SPD und Führender Mitarbeiter eines nichtexistierenden Wohlfahrtsgedankens auf Deutsch auszumisten ! Laut Corona sind ja die Mitarbeiter der Pflege Systemrelevant ! Gehälter sollten also von Oben nach Unten umverteilt werden und die Steuerbegünstigung dieser Institutionen scharf je nach Vorteilsnahme gestrichen werden . Verordnungen wurden in der letzten Zeit fast täglich neu erstellt , umgesetzt usw. warum geht das hier nicht ? Am Ende von Corona werden diesen Verbänden auch noch Millionen Steuergelder überwiesen um das Gehaltsniveau von 10 Männeken wegen Systemwichtigkeit zu steigern ? einige im Publikum haben Pfui/pfui gerufen