BADEN, SCHWIMMEN, TAUCHEN

Wie gefährlich ist das Corona-Virus im Wasser?

In den Sommerferien werden tausende Menschen Urlaub an der Ostsee machen und an den Stränden von Usedom oder Rügen baden gehen. Dabei sollten sie mehrere Dinge beachten.
dpa
Auch beim Baden gilt es aufzupassen, um eine Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern (Symbolbild).
Auch beim Baden gilt es aufzupassen, um eine Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern (Symbolbild). Jens Büttner
Kiel.

Mit schönem Wetter und dem Sommerbeginn an diesem Wochenende nimmt auch die Badesaison an Nord- und Ostsee Fahrt auf. Nächste Woche starten in Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Berlin und Brandenburg die Schulferien, bis Ende Juni kommen Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen dazu. Vermutlich viele, die baden wollen, sind unsicher, wie groß das Ansteckungsrisiko des neuartigen Coronavirus im Wasser ist. Und: Gibt es Unterschiede zwischen gechlortem Wasser in Badeanstalten und Pools, Süß- und Salzwasser, stehenden oder fließenden, flachen oder tiefen Gewässern?

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„Im Wasser selbst gilt das Übertragungsrisiko nach den bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen als äußerst gering wegen der starken Verdünnung oder wegen der Chlorierung“, sagte der Kieler Infektionsmediziner Prof. Helmut Fickenscher in Kiel. Dies sei aber nur ein Aspekt. „Von großer Bedeutung ist die Situation am Strand und die Dichte der Menschen im Wasser.“ Fickenscher ist Direktor des Instituts für Infektionsmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) und Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten.

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Das Umweltbundesamt (UBA) unterstreicht ebenfalls die zentrale Bedeutung, die Abstands- und Hygieneregeln auch am Strand, auf den Wiesen von Badeanstalten und natürlich auch im Wasser einzuhalten: „Da das Tragen von Mund/Nasenschutz beim Baden nicht praktikabel ist, kommt der Einhaltung der Sicherheitsabstände im Wasser und an Land eine maßgebliche Bedeutung für den Schutz von Infektionen zu.“ 

"Überfüllte Badestellen meiden"

„Die Abstandsregeln an Land und im Wasser einhalten, überfüllte Badestellen meiden”, riet Fickenscher als zentrale Verhaltensregel. „Es ist auch weniger riskant, im Freien zu schwimmen als in Hallen, da Aerosole als Übertragungswege im Freien praktisch keine Rolle spielen”, sagte Fickenscher. „Und das größte theoretische Ansteckungsrisiko lauert wegen der Feuchte und den Aerosolen dort, wo Duschen in Sanitärräumen zu eng nebeneinander stehen.”

Fickenscher ist Direktor des Instituts für Infektionsmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) und Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten.

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Eine Übertragung von SARS-CoV-2 über das Wasser beim Baden hält auch das UBA für äußerst unwahrscheinlich. „Bisher gibt es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) keine Hinweise darauf, dass dieses Virus über den Wasserweg übertragen wird. Grundsätzlich sollten aber Personen, die an einem akuten Infekt der Atemwege oder an einer Durchfallerkrankung leiden, nicht baden gehen, um andere Badende nicht zu gefährden.“ Dies gelte unabhängig davon, um welche potenziellen Krankheitserreger es sich im Einzelnen handle.

Wärme und Sonne verstärken Inaktivierung des Virus

Der Eintrag von Coronaviren in Badegewässer ist laut UBA durch infizierte Menschen zwar möglich. „Ob auf diesem Weg eine Ansteckung möglich ist, ist nicht geklärt“, erläuterte die Behörde. Wie Fickenscher resümiert auch das UBA: „Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung ist unter anderem wegen der Verdünnung im Wasser äußerst gering.“ Hauptübertragungswege dieser Infektionen seien direkte Mensch zu Mensch Übertragungen über virushaltige Tröpfchen, die beim Husten und Niesen freigesetzt werden sowie Schmierinfektionen durch Übertragung dieser Tröpfchen aus dem direkten Umfeld infizierter Personen über die Hände auf die Schleimhäute.

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„Steigende Wassertemperaturen und erhöhte Sonneneinstrahlung im Sommer werden zu einer noch stärkeren Inaktivierung möglicherweise in das Wasser eingetragener Viren führen“, prognostizierte das UBA bereits im März. Fickenscher ergänzte, auch über Kläranlagen dürften kaum Coronaviren in Badegewässer gelangen. Denn SARS-CoV-2 könne als ein behülltes Virus nicht lange in Wasser überleben - im Gegensatz zu den im Abwasser existierenden unbehüllten Viren, vor allem den Noroviren.

Einige Corona-Aspekte kompakt:

Chlorwasser: Hier sehen die Experten die geringste Ansteckungsgefahr im Wasser, sie betonen aber die Bedeutung der Abstandsregeln auch im Schwimmbecken oder Pool.

Süßwasser/Salzwasser: Fickenscher sind keine Studien bekannt, ob das neuartige Coronavirus im Süß- oder im Salzwasser länger überleben kann. Generell hat dieses Virus vermutlich keine lange Überlebenszeit in Wasser.

flache/tiefe Gewässer: „Je größer die Verdünnung ist, desto geringer sind Ansteckungsrisiken im Wasser“, betonte Fickenscher. Insofern sei bei vielen Badenden in einem sehr flachen Uferbereich auch das theoretische Risiko, sich im Wasser anzustecken etwas höher. Entscheidend sei aber am Wassersaum oder in flachen Gewässern, ob die Abstandsregeln eingehalten werden. „Denn im Grunde ist die Situation dort ja wie an Land“, sagte Fickenscher.

Seen/Flüsse: Auch hier lässt sich laut Fickenscher keine eindeutige Aussage machen. „Aber natürlich ist bei fließenden Gewässern davon auszugehen, dass die Verdünnung schneller passiert als in stillen Gewässern wie Seen oder Badeteiche - und damit das Ansteckungsrisiko im Wasser selbst geringer ist.“

Dieser Artikel wurde am Mittwoch, 17. Juni, aktualisiert.

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