URLAUB IN PANDEMIE-ZEITEN

Corona als Chance für Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern

Auf dem Schreibtisch von Peter Altmaier liegt Post – von Reinhard Meyer, Chef des Deutschen Tourismusverbandes und Finanzminister in MV. Es geht um sicheren Urlaub in Pandemie-Zeiten.
Reinhard Meyer.
Reinhard Meyer. Jens Büttner
Schwerin ·

Die Öffnungsdiskussion läuft auf Hochtouren – gesammelt werden die Vorschläge von allen relevanten Berufsgruppen beim Bundeswirtschaftsminister. Der soll – so lautet der Auftrag aus der vergangenen Runde mit Kanzlerin und 16 Länderchefs – für das nächste Spitzentreffen am 3. März ein entsprechendes Szenario für mögliche Lockerungen in verschiedenen Branchen aufzeigen.

Auch Reinhard Meyer hat sich in seiner Funktion als langjähriger Präsident des Deutschen Tourismusverbandes zu Wort gemeldet. Unter dem Titel „Sicheres Reisen im Deutschlandtourismus – Perspektiven für einen bundesweit einheitlichen Neustart“, hat Meyer gemeinsam mit seinen Mitstreitern ein siebenseitiges Papier aufgesetzt, in dem die „Balance zwischen wirtschaftlichen Interessen und gesundheitlichem Schutz“ gehalten werden soll.

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Hygienekonzepte auch wirklich kontrollieren

Heißt konkret: Grundbedingungen für den Neustart wären laut Konzept, das dem Nordkurier vorliegt, dass die Infektionszahlen wieder dauerhaft unter die 7-Tage-Inzidenz von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner sinken. Bis dahin müssten laut Tourismusverband alle betroffenen Akteure schnell und unbürokratisch finanziell unterstützt werden, damit sie die Krise überstünden.

Um das Infektionsgeschehen zu kontrollieren, möchte der Tourismusverband ein Ampelsystem installieren. Dort, wo der Inzidenzwert unter 35 liegt, sollen keine spezifischen Einschränkungen für den Tourismus gelten. Bei einem Inzidenzwert zwischen 35 und 50 soll der Tagestourismus eingeschränkt, die Testfrequenz erhöht und die Gruppengröße, die eine Unterkunft belegt oder an einem Tisch sitzt, reduziert werden. Ab einer Inzidenz von 50 sind für den betroffenen Zielort keine touristischen Angebote erlaubt.

Weitere Forderungen des Tourismusverbandes

Und noch etwas fordert der Tourismusverband: Sowohl die Impf- als auch die Testmöglichkeiten sowie die Maßnahmen zur Kontaktnachverfolgung müssten grundsätzlich hochgefahren werden. In dem Zusammenhang macht der Tourismusverband deutlich: „Die Anstrengungen der Branche für sicheres Reisen sind bereits mustergültig. Entlang der gesamten Reisekette wurden Innovationen und Investitionen in Schutz- und Hygienemaßnahmen getätigt und umgesetzt. Diese werden ständig ergänzt und verbessert.“

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Dabei betont Präsident Meyer, dass es nicht reiche, wenn Hygienekonzepte lediglich in einem Urlaubsprospekt stünden – die Konzepte müssten in der Praxis auch kontrolliert werden.

Meyer weist auch darauf hin, dass die Pandemie die Branche ganz unterschiedlich getroffen habe. So hätten beispielsweise Campingplätze im vergangenen Jahr noch Wachstumszahlen bei den Besuchern registriert – der Städtetourismus dagegen sei mächtig eingebrochen. Dort habe es Verluste bis zu 60 Prozent gegeben. Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg seien mit einem Minus von 16 beziehungsweise 25 Prozent noch relativ glimpflich davon gekommen.

Vor diesem Hintergrund könnte die Pandemie mittel- und langfristig sogar einen Standortvorteil für den Nordosten schaffen. „Naturnaher und sicherer Urlaub“ statt stundenlanges An- und Abreisen in engen Flugzeugen quer durch die Welt.

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Kommentare (1)

Wenn dieses Konzept so umgesetzt würde, müssten wohl z.B. auf Usedom zuvor die Alten- und Pflegeheime geschlossen werden, denn die Einwohnerzahl der Insel ist gering und es würde ein mittlerer Corona-Ausbruch in einer Einrichtung genügen um die 50er Inszidenz zu knacken. Was dann? Hotels und Fewos räumen, Urlauber nach Hause schicken?