MV-GIPFEL

Corona-Lockerungen – das sind die Details

Der Corona-Kompromiss vom Dienstag ist – wenn überhaupt – ein Zugeständnis an Handel und Tourismus in MV. Bei Lockerungen für Kultur, Sport und Privatleben bleibt man vage.
Lange galten Corona-Tests als Weg zu sicheren Öffnungen. Für den Einzelhandel soll es aber keine entsprechenden Pfli
Lange galten Corona-Tests als Weg zu sicheren Öffnungen. Für den Einzelhandel soll es aber keine entsprechenden Pflichten mehr geben. Im Tourismus dagegen schon. Hauke-Christian Dittrich
Schwerin ·

Der MV-Gipfel zur Corona-Pandemie tagte mal wieder länger als angekündigt. Erst gegen 22 Uhr verkündete die Ministerriege um Manuela Schwesig (SPD), worauf man sich mit Wirtschafts- und Sozialverbänden geeinigt hat. Und während in manchen Bereichen keinerlei Lockerungen geplant sind, gibt es für andere nun einen konkreten Plan. Schritt für Schritt über die nächsten vier Wochen sollen Schulen, Handel, Tourismus wieder öffnen.

Mehr lesen: So sollen Schüler jetzt verpassten Stoff nachholen

Schwesig verteidigt harte Linie

„Die Termine sind vielleicht später, als sich das viele wünschen. Aber es sind Termine, die wir als sicher einschätzen“, so Schwesig. Hauptziel sei es gewesen, die Bereiche die nun nach und nach öffnen, nicht wieder schließen zu müssen. Zur Vorsicht mahnte auch der Greifswalder Professor Lars Kaderali, der die Landesregierung in der Corona-Pandemie berät. „Wir sind mit den Impfungen noch nicht so weit, dass das ausreichen würde, eine vierte Welle zu verhindern.“ Die Situation sei fragil, sagte er. Erste vorsichtige Öffnungen seien möglich. „Aber wir müssen jetzt aufpassen, das auf den letzten Metern nicht zu verstolpern“, so Kaderali.

Eine Ausnahme vorneweg

Ganz einheitlich werden die Öffnungen in Mecklenburg-Vorpommern nicht ablaufen. Weil die Inzidenzen im Kreis Vorpommern-Rügen schon jetzt unter dem Wert von 50 liegen, soll der Einzelhandel dort schnellstmöglich öffnen. Landrat Stefan Kerth sagte am Dienstagabend, er gehe davon aus, dass viele Läden bereits ab Freitag wieder öffnen würden.

Schulen und Kitas zuerst

Ab Montag sollen Schulen und Kitas wieder in eine Art Regelbetrieb gehen. Jedenfalls dann, wenn die Inzidenz im jeweiligen Landkreis unter 100 liegt. Entwickeln sich die Zahlen weiter wie bisher, dürfte das bis zur kommenden Woche überall in MV zutreffen. Dann gilt: In den Klassenstufen 1-6, sowie in Jahrgängen, die 2021 oder 2022 einen Abschluss anstreben, soll täglicher Präsenzunterricht stattfinden. Alle anderen Jahrgänge werden im Wechselunterricht beschult. Schulsport wird im Freien erlaubt.

Mehr lesen: Hotline soll das Impfen gegen Corona in MV richten

Liegt die örtliche Inzidenz im Bereich zwischen 100 und 165 gehen auch die Klassen 1 bis 6 wieder in den Wechselunterricht. Parallel wird eine Notbetreuung angeboten.

Zweiter Schritt: Handel, Gewerbe, Gastronomie

Ab dem Pfingstsonntag (23. Mai) soll die Gastronomie wieder öffnen können. Nach dem Wochenende dann auch Handel und körperliche Dienstleistungen im ganzen Land. MV geht bei den Gaststätten dabei einen etwas anderen Weg als andere Bundesländer. Geöffnet werden zeitgleich Angebote drinnen und draußen. Für die Innenbereiche müssen Termine gebucht und negative Corona-Tests nachgewiesen werden. Letzteres gilt auch für Kosmetikstudios und vergleichbare Dienstleister. Im Einzelhandel soll es keine Testpflicht mehr geben.

Vorsichtiger Start im Tourismus

Hotels und andere Ferienunterkünfte sollen ab dem 7. Juni wieder Gäste empfangen können. Das bleibt aber zunächst auf Menschen beschränkt, die einen Wohnsitz im Land haben. Zu diesem Datum fallen auch die aktuellen Einreise-Beschränkungen für Besitzer einer Zweitwohnung.

Für alle Urlauber gilt eine Testpflicht. Negative Corona-Ergebnisse müssen bei der Anreise und danach zwei Mal pro Woche nachgewiesen werden. Ebenfalls mit Testpflicht sollen dann auch Öffnungen im Bereich Kultur, Freizeit und Sport stattfinden.

Eine Woche später sollen dann auch wieder Urlaubsreisen aus anderen Bundesländern erlaubt werden – unter den gleichen Testauflagen. Anders als im vergangenen Jahr sei es nicht geplant, die Auslastung von Hotels per Verordnung zu begrenzen, erläuterte Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) am Dienstag.

Sonderregelung soll Kultur-Festivals retten

Wie genau man sich in Schwerin die Lockerungen im Bereich Kultur und Freizeit vorstellt, ist bislang nicht klar. Eine Reihe von geplanten Großveranstaltungen unter freiem Himmel soll aber ab dem 10. Juni stattfinden können – unter Auflagen, die mit den örtlichen Behörden abzustimmen sind. Explizit genannt werden in dem Kompromisspapier: die Schlossfestspiele in Schwerin und Neustrelitz, die Klassiknacht im Rostocker Zoo und das Konzert der Festspiele MV am 13. Juni im Schlosspark Hasenwinkel.

Bedingungen für den Lockerungsplan

Auch wenn die Vertreter der Regierung reihum betonten, dass die Öffnungspläne verbindlich seien, einigte man sich dennoch auf sehr konkrete Bedingungen, die dafür erfüllt sein müssen. Dazu zählt das Ziel, bis zu den Sommerferien eine Quote von 50 Prozent an Erstimpfungen im Land zu erreichen. Bereits bis Anfang Juni müsse, so heißt es im Dienstagnacht veröffentlichten Kompromisspapier, die 7-Tages-Inzidenz landesweit unter 50 sinken. Derzeit liegt sie bei 77,7.

Erstmals wurden als Grenzwerte für die Öffnungen nicht nur Inzidenzen, sondern auch Impfquoten und die Belegung der Krankenhäuser festgelegt. Allerdings wurden alle Werte so definiert, dass sie nach derzeitigem Stand landesweit gut erreichbar scheinen.

Die Sonntagsfrage - unser kostenloser Wahl-Newsletter

Von aktuellen Umfrage-Ergebnissen über scharfe Analysen bis zu kuriosen Wahlkampf-Pannen: Mit dem neuen Nordkurier-Newsletter "Die Sonntagsfrage" erhalten Sie wöchentlich alle relevanten Informationen zur anstehenden Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern.

Keine Sorge, das Angebot ist für Sie kostenlos und mit keinerlei Verpflichtungen verbunden.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Schwerin

zur Homepage