STERBEFÄLLE

Corona-Pandemie hat nun 1000 Tote in MV gefordert

Ein trauriger Meilenstein: Auch in Mecklenburg-Vorpommern ist die Zahl der offiziellen Corona-Todesfälle nun vierstellig. Besonders dramatisch war der Jahreswechsel. Es gibt aber auch Kritik an der Zählweise im Land.
Am 12. März fand im Schweriner Dom ein ökumenischer Gottesdienst zur Erinnerung an die Toten und Leidtragenden der C
Am 12. März fand im Schweriner Dom ein ökumenischer Gottesdienst zur Erinnerung an die Toten und Leidtragenden der Corona-Pandemie statt. Jens Büttner
Neubrandenburg ·

Am Sonntag hat die Corona-Pandemie in Mecklenburg-Vorpommern einen traurigen Meilenstein erreicht: Landesweit hat sie nun 1000 Opfer gefordert. Das geht aus der offiziellen Statistik des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) in Rostock hervor. Hier geht es zur Tagesmeldung von Sonntag. Der neuste Sterbefall kommt aus dem Landkreis Ludwigslust-Parchim. Bremen und das Saarland sind nun die einzigen Bundesländer, in denen die Zahl der Sterbefälle nicht vierstellig ist. Deutschlandweit wurden zuletzt 83.192 Todesopfer gemeldet (Robert-Koch-Institut, Sonntag).

Ist das Schlimmste nun vorbei?

Natürlich ist jeder Todesfall einer zu viel, doch der Tropenmediziner Emil Reisinger hatte in dieser Woche betont, dass die Gesamtzahl der Corona-Todesfälle in Mecklenburg-Vorpommern zuletzt langsamer gestiegen sei. Dieser Erfolg gehe in erster Linie auf die Impfungen zurück, so der Experte, der auch die Landesregierung berät.

„In den letzten zehn Wochen sehen wir, dass die Todesfälle deutlich zurückgehen.“ Ende Januar habe es 98 Todesfälle in einer Woche gegeben. In der Woche nach Ostern seien es 26 gewesen. Bei den über 60-Jährigen sei die Zahl um zwei Drittel zurückgegangen. Das liege daran, dass alle über 80-Jährigen schon ein Impfangebot erhalten hätten und auch mehr als 40 Prozent der über 60-Jährigen zumindest schon eine Erstimpfung erhalten hätten, erklärte Reisinger.

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Mehr als 700 Tote im Jahr 2021

Die über 60-Jährigen hätten während der ersten drei Wellen 97 Prozent aller Todesfälle ausgemacht. „Bei den unter 60-Jährigen haben wir von Anfang an niedrigere Sterblichkeiten gehabt, und die sind derzeit nicht weiter angestiegen. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zahl der Patienten auf Intensivstationen zuletzt deutlich zugenommen hat“, sagte Reisinger am Donnerstag. Am Sonntag lagen 306 Patienten mit dem Coronavirus im Krankenhaus, davon 85 auf der Intensivstation.

Laut dem Landesamt für Gesundheit und Soziales hatte es 2020 im Nordosten fast 300 Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gegeben. 2021 waren es bis April schon fast 700. „Die zweite und dritte Welle hat deutlich mehr Infektionen und deutlich mehr Todesfälle gefordert als die erste Welle“, so Reisinger. Insgesamt sei Mecklenburg-Vorpommern im Vergleich zu anderen Bundesländern bisher glimpflicher davongekommen. Dennoch betonte der Professor: „Jeder Tote ist schmerzlich.“

Weiterlesen: Eine Gedenkseite in Erinnerung an die Corona-Opfer

20 Todesopfer in der ersten Welle

Die ersten Corona-Infektionsfälle überhaupt in Mecklenburg-Vorpommern wurden am 3. März 2020 in Greifswald und Stralsund gemeldet. Am 28. März war dann erstmals ein Mensch in MV im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben. Es war ein 57-jähriger Mann aus dem Landkreis Ludwigslust-Parchim, der sich im Skiurlaub in Österreich infiziert hatte.

Bis Anfang Mai 2020 stieg die Zahl der Todesfälle auf 20, die erste Welle war mehr oder weniger vorbei. Den ganzen Sommer und bis in den Herbst hinein blieb dieser Wert stabil. Erst fünf Monate später, am 18. Oktober 2020 wurde wieder ein Todesopfer gemeldet: Ein 66 Jähriger aus Vorpommern-Greifswald, der an Vorerkrankungen litt. Danach nahm das Virus wieder an Fahrt auf.

Der schlimmste Corona-Tag für MV

Spätestens nach Weihnachten ging zuerst die Zahl der Infektionsfälle deutschlandweit und auch in MV steil nach oben, einige Zeit später folgten die Sterbefälle dieser Entwicklung. Die Krankheit braucht ihre Zeit, bis sie richtig ausbricht. Der bisher traurige Höchstwert in MV wurde am 8. Februar erreicht mit 27 Todesfällen an nur einem Tag. Mehr Menschenleben, als die komplette erste Welle gekostet hatte. Im Winter gab es mehrere solcher Tage.

Nun verläuft die Kurve in den amtlichen Statistiken also flacher. Ein Ende ist dennoch nicht in Sicht. Hoffnung spendet da nur eine andere Nachricht: Die Impfquote in Mecklenburg-Vorpommern liegt inzwischen bei fast 28 Prozent. So viele Menschen haben eine Erstimpfung erhalten, Platz drei in Deutschland. Bei den Zweitimpfungen beträgt die Quote 6,7 Prozent.

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An, oder mit Corona?

Sterben die Menschen an oder mit dem Coronavirus – diese Frage wird seit Beginn der Pandemie immer wieder gestellt. Eine Differenzierung, die etwa bei Krebstoten nicht gemacht wird. Tatsächlich erklärt dazu das Lagus: „Sowohl in MV als auch beim RKI werden alle Fälle verstorbener Personen veröffentlicht, bei denen eine Covid-19-Erkrankung nachgewiesen wurde und die verstorben sind, unabhängig von der direkten Todesursache. Dadurch werden ggf. auch Fälle von Personen geführt, die nicht an, sondern mit der Infektion verstarben.”

Der Direktor der Rechtsmedizin an der Universität Rostock, Andreas Büttner, hatte aus diesem Grund viel häufigere Obduktionen von mutmaßlich an Covid-19 gestorbenen Menschen gefordert. Bisherige Studien unter anderem in Rostock zeigten, dass die Zahl der tatsächlich an dem Virus Verstorbenen niedriger ist, als die offiziellen Zahlen vermuten lassen, sagte Büttner. Um dies zu überprüfen seien deutlich mehr Obduktionen nötig.

Weiterlesen: Baumpflanzungen für Corona-Opfer in Anklam – Spendenkonto eingerichtet

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Kommentare (2)

- wohl eher das sterben durch die Impfung.

das jeder Tote, bei dem das Virus festgestellt wird, in die Statistik mit einfließt.
Dabei ist es egal, woran er wirklich starb. Ob nun Verkehrsunfall oder todkrank im Hospiz - auf dem Schein steht Corona, falls der Test positiv war.

Ich kenne (kannte)persönlich 2 Coronatote.

Meine Freundin, die wegen Lungenkrebs im Hospiz lag. Ein en Tag bevor sie starb, wurde sie positiv getestet. Sie ist eine von den 1000 Toten.

Der 87-jährige Großvater meines Schwiegersohnes. Er war schwer herzkrank, hatte zudem Diabetis und starkes Übergewicht. Vor 2 Wochen wurde er wegen eines Herzanfalls ins Klinikum gebracht. Dort testete man ihn erst einmal - positiv....
In der Nacht verstarb er leider im Krankenhaus.
Auch er ist einer der 1000 Coronatoten in MV.