QUARANTÄNE GESICHERT?

Coronakrise verursacht „prekäre Situation” in Flüchtlingsunterkünften

Wie strikt wird in Unterkünften für Flüchtlinge die Ausbreitung des Coronavirus bekämpft? Zwischen dem Flüchtlingsrat und MV-Innenminister Caffier ist ein heftiger Streit entbrannt.
Innenminister Lorenz Caffier wies darauf hin, dass alle Neuzugänge der Flüchtlingsunterkünfte getestet wür
Innenminister Lorenz Caffier wies darauf hin, dass alle Neuzugänge der Flüchtlingsunterkünfte getestet würden. Carsten Rehder
Schwerin.

Innenminister Lorenz Caffier hat den Vorwurf des Flüchtlingsrates MV zurückgewiesen, die Behörden würden in der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes die Gesundheit der Geflüchteten riskieren. „In Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden werden alle Anstrengungen unternommen, um eine Ausbreitung von Infektionen innerhalb der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes und in den Gemeinschaftsunterkünften der Landkreise beziehungsweise kreisfreien Städte zu verhindern”, so der Minister.

Der Flüchtlingsrat MV hatte im Hinblick auf die Coronakrise am Donnerstag auf „eine besonders prekäre Situation der Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern und bundesweit” hingewiesen. „Mehrbettzimmer, geteilte Sanitäranlagen sowie Speisesäle mit Schlangen vor der Essensausgabe machen die von Bund und Land angeordneten Kontaktbeschränkungen fast unmöglich – genauso wie Gemeinschaftsräume und Außenanlagen, die von hunderten Bewohnern gemeinsam genutzt werden müssen”, heißt es in einer Pressemitteilung des Flüchtlingsrates.

Massenunterbringung gefährdet Gesundheit der Flüchtlinge

Ulrike Seemann-Katz, Vorsitzende des Landesflüchtlingsrats, weiter: „In einem Etagenbett kann man den geforderten Mindestabstand von 1,5 bis 2 Meter nicht einhalten. Das ist evident. Wer in dieser Situation Menschen leichtfertig in Massenunterbringung wohnen lässt, riskiert deren Gesundheit.“

Die räumliche Enge, nicht ausreichende Möglichkeiten der Kontaktbeschränkung beziehungsweise der Selbstquarantäne und die teils auch aus Unwissen mangelnden Hygienestandards erhöhten nach Einschätztung des Flüchtlingsrates das konkrete Infektionsrisiko erheblich. Betreiberpersonal, Betreuende und weiteres Personal dieser Einrichtungen seien damit ebenfalls gefährdet.

„Flüchtlinge in leer stehende Hostels und Jugendherbergen unterbringen”

„Aus unserer Sicht braucht es deshalb dringend ein Konzept, wie mit dieser Herausforderung umzugehen ist. Die Umverteilung insbesondere und vorrangig besonders verletzlicher Bewohnern der Erstaufnahmeeinrichtungen (ältere Menschen, kranke Personen, Schwangere, alleinstehende Mütter mit minderjährigen Kindern) auf kleinere Unterbringungseinheiten ist dringend erforderlich”, sagte Seemann-Katz. Der Flüchtlingsrat empfiehlt die zurzeit leerstehenden Hostels, Schullandheime und Jugendherbergen zu nutzen.

Dagegen wies Innenminister Caffier in seinem Statement darauf hin, dass aktuell alle Neuzugänge der Flüchtlingsunterkünfte und alle Bewohner, die Symptome des neuartigen Coronavirus aufweisen sowie alle Kontaktpersonen bereits infizierter Einwohner getestet würden. Ausschließlich negativ getestete Personen dürften anschließend die Einrichtung betreten.

Innenminister: „Quarantäne wird strikt eingehalten”

Caffier ergänzte: „Personen aus der Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes in Nostorf/Horst sowie in der Außenstelle in Stern-Buchholz, die am Coronavirus erkrankt sind, werden zur häuslichen Isolation in einer Ausweichunterkunft in Parchim untergebracht. Es sind Fälle mit milder Symptomatik, die nicht stationär behandelt werden müssen. Die Kontaktpersonen werden separat in Stern-Buchholz unter häuslicher Quarantäne gestellt.”

Und noch etwas unterstrich der CDU-Politiker: „Polizei und Sicherheitsdienst stellen sowohl am Ausweichstandort in Parchim als auch in Stern-Buchholz gemeinsam mit dem Betreiber sicher, dass die verordnete Isolation beziehungsweise Quarantäne strikt eingehalten wird. Eine Entlassung der Betroffenen geschieht nur nach Zustimmung durch die Gesundheitsbehörde.”

Für die Einrichtung eines zweiten Speisesaales in Stern-Buchholz sei laut Caffier ein Zelt angemietet worden, in dem die Versorgung der Bewohner der großen Unterkunft direkt vor dem Gebäude organisiert sei. Nunmehr könnten die Asylbewerber die Abstandsregeln besser einhalten und die Betreuer den Zugang und Abgang besser steuern. Zudem werde „in Schichten” gegessen. Die Asylbewerber nähten derzeit auch Mundschutzmasken für die Selbstversorgung.

Vorwurf: In Stern-Buchholz geht es „drunter und drüber”

Das Innenministerium hatte am Mittwoch Hinweise und Berichte dementiert, dass Verdachtsfälle beziehungsweise bereits an Corona erkrankte Asylbewerber die Unterkünfte zwischenzeitlich verlassen hätten – ohne Wissen der Gesundheitsbehörde. Aus dem direkten Umfeld der Unterkünfte hieß es, dass es gerade in Stern-Buchholz „drunter und drüber” gehe.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Schwerin

Kommende Events in Schwerin (Anzeige)

zur Homepage

Kommentare (2)

steht die Kaserne leer. Flüchtlinge rein Tor zu fertig. Quarantäne gesichert. Mehr ist nicht zu erwarten.

... Flüchtlingsrat kritisiert z.b." ...die teils auch aus Unwissen mangelnden Hygienestandards ...." Wie kann das ein? Das ist doch mal eine echte Aufgabe für den Flüchlingsrat denen das beizubringen und nicht wie man eine Abschiebung verhindert.