CORONA-KATZEN UND ISOLATION

Coronavirus beschäftigt Tierheime in MV

Die Tierheime in MV stehen angesichts der Corona-Krise vor großen Herausforderungen – und gehen damit teils ganz unterschiedlich um. Tierbesitzer sind verunsichert: Überträgt sich das Virus vom Tier auf sie?
Viele Tiere müssen jetzt noch geduldiger auf ein neues Zuhause warten.
Viele Tiere müssen jetzt noch geduldiger auf ein neues Zuhause warten. Andreas Arnold/Symbolfoto
Manche Tierheime haben nun geschlossen.
Manche Tierheime haben nun geschlossen. Markus Scholz/Symbolfoto
Neubrandenburg.

Auch im Tierschutz macht sich die Corona-Krise allmählich bemerkbar. Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes berichten einige Tierheime in Deutschland von Anfragen verunsicherter Tierhalter, die ihre Haustiere aus Angst vor einer Ansteckung abgeben wollen.

In den Tierheimen in Neubrandenburg, Neustrelitz, Malchow und Ueckermünde gab es bislang zwar keine solchen Anrufe. Leiter und Mitarbeiter sind aber darauf vorbereitet zu beschwichtigen und aufzuklären: „Die Menschen sind besorgt, weil man überall etwas anderes liest”, zeigt Monique Schwarz, Leiterin des Tierheims in Neustrelitz, Verständnis. Sie weiß aber auch: Es gibt keine Hinweise dafür, dass das Virus von Tiere auf Menschen übertragbar sei.

Margret Kuhlmann, Leiterin des Malchower Tierheims, kann das sogar aus eigener Erfahrung bestätigen: „Wir haben schon seit Monaten Corona-Katzen”, erzählt sie. „Sie sind zwar untereinander ansteckend, können aber das Virus nicht auf Menschen übertragen.” Das „feline Coronavirus” ist bereits seit einigen Jahrzehnten bekannt und kann eine Erkrankung auslösen, die als eine der häufigsten infektiösen Todesursachen bei Katzen gilt. Die Corona-Katzen im Malchower Tierheim leben isoliert und werden nur einzeln oder mit anderen Corona-Katzen in Wohnungshaltung vermittelt, wie die Leiterin erklärt.

Tierhalter sprechen sich ab und helfen einander

Obwohl die Sorge in der Region bislang nicht groß scheint, das Tierheim Neustrelitz rechnet derzeit mit allem – auch damit, dass Halter aus Angst ihre Tiere aussetzen könnten und damit, dass künftig Vierbeiner von Corona-Patienten aufgenommen werden müssen. „Wenn die Halter ins Krankenhaus müssen, nehmen wir die Tiere natürlich auf”, versichert Monique Schwarz. Für die Abholung sei der Tierschutzverein mit Schutzkleidung ausgerüstet.

Noch ist es aber in keinem der vier Tierheime zu coronabedingte Neuaufnahmen gekommen. Sabine Schultz vom Tierheim Berndshof geht davon aus, dass sich die Besitzer in dem ländlichen Einzugsgebiet gegenseitig helfen und sich für den Fall einer Erkrankung bereits mit Freunden, Bekannten und Verwandten abgesprochen haben.

Tierheime lehnen rein telefonische Vermittlungen ab

In Neubrandenburg ist man sich da nicht ganz so sicher. Ein Anstieg von Neuzugängen wegen des Corona-Virus könne vielleicht schon kommen, meint Mitarbeiter André Weidner. Ausgerechnet jetzt gibt es wegen der Corona-Maßnahmen aber vielerorts Vermittlungsstopps. Am Wochenende übergab das Neubrandenburger Tierheim aber noch Vierbeiner an Menschen, die zuvor bereits zu Besuch gewesen waren – am Tor und ohne viel Kontakt.

Das Tierheim Neustrelitz, das ebenfalls für Besucher geschlossen ist, macht eine Ausnahme für Interessenten, mit denen bereits im Vorfeld Gespräche und Besuche stattgefunden haben. „Sie dürfen sich die Tiere, die sie sich vor langer Zeit ausgesucht haben, unter Beachtung der Schutzmaßnahmen holen”, erklärt Monique Schwarz.

Eine ausschließlich telefonische Vermittlung schließen die Tierheime jedoch auch unter den aktuellen Umständen aus. „Die Leute müssen mit dem Tier Kontakt aufnehmen, um zu sehen, ob die Chemie stimmt. Und auch die Tiere müssen schließlich ihr Ja und Amen dazu geben”, sagt Sabine Schultz. Ihr Tierheim Berndshof hat unter verschärften Sicherheitsmaßnahmen noch geöffnet und vermittelt normal weiter.

Einsamkeit der Menschen macht sich bemerkbar

Sabine Schultz beobachtet dabei sogar, dass die Nachfrage nach Tieren in der Corona-Krise etwas gestiegen ist. „Es fragen mehr Leute nach Tieren, vor allem nach Katzen.” Man merke, dass viele ältere Menschen jetzt einsam seien. Die Gefahr dabei: „Panikkäufe aus Langeweile”, weil den Menschen zu Hause die Decke auf den Kopf fällt.

Doch die ehrenamtlichen Tierheimmitarbeiter in Berndshof (Ueckermünde) passen auf. Sie prüfen, ob die Interessenten vernünftige Gründe für ihren Entschluss haben und auch vorher schon ein Tier aufnehmen wollten. Und sie achten weiter darauf, nicht gerade an Hochbetagte vermitteln. „Wir sind den Tieren gegenüber verpflichtet”, erklärt Sabine Schultz, „die haben oft schon etwas hinter sich.”

Wer sich für ein Tierheimtier aus Ueckermünde interessiert, ist dabei mehr denn je dazu angehalten, sich die Tiere vorher im Internet anzusehen, „damit sie nicht durch das ganze Tierheim laufen müssen”, so Sabine Schultz. Interessenten sollen sich daraufhin telefonisch anmelden und werden dabei gebeten, die Kinder möglichst zu Hause lassen, „weil sie schlechter zu kontrollieren sind”, erklärt die Tierheimleiterin. Die Besucher werden nur einzeln eingelassen, wenn die ehrenamtlichen Helfer nicht in der Nähe sind. „Die Sicherheit unserer Leute steht an erster Stelle”, sagt die Leiterin. „Wir können es uns nicht leisten, auszufallen.”

Spenden trotz Corona-Virus

Unter Beachtung verschiedener Sicherheitsmaßnahmen hat auch das Malchower Tierheim des Tierschutzvereins Waren weiterhin geöffnet. „Wir sind ein ganz kleines Tierheim, am Wochenende kommen vielleicht, ein, zwei Besucher”, erklärt Margret Kuhlmann.

Obwohl die Vermittlung auch hier weitergeht, eine größere Nachfrage sei dabei in Malchow bislang genauso wenig zu verzeichnen wie Corona-bedingte Betreuungsanfragen. Abgesehen von den Schutzmaßnahmen laufe der Betrieb ganz normal. Auch auf die Spendenbereitschaft habe sich das Virus noch nicht ausgewirkt.

Tierheime treffen Vorkehrungen

Im Tierheim Neustrelitz ist die Spendenbereitschaft nun, da viele Menschen zu Hause bleiben, dagegen etwas zurückgegangen. Gespendet werden kann aber noch, vor allem Katzenstreu werde derzeit benötigt. „Die Spenden können nach einem kurzen Anruf vor das Tor gestellt werden, Spender können auch kurz klingeln”, so Monique Schwarz.

Insgesamt achtet man in den Tierheimen derzeit verstärkt auf den Ansteckungsschutz. Man verwendet Einmalhandschuhe, Seuchenmatten und Desinfektionssprays, bringt Gassigehern die Hunde vor das Tor. In Neubrandenburg, wo das Tierheim nun auch für Gassigeher geschlossen ist, habe man sich umorganisiert und zwei Trupps gebildet, erklärt Weidner. Die Tiere bekämen von dem Wegfall der Ehrenamtlichen aber nichts zu spüren. Die Arbeit im Tierschutz geht auch zu Corona-Zeiten weiter.

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