IM VOGELSCHUTZGEBIET

Dieser Vogelscheuche sind Vögel piepegal

In der Nähe der Ostsee steht eine Vogelscheuche am Teichrand im Schilf - mitten in einem Vogelschutzgebiet. Wen oder was soll sie also verjagen? Naturschützer rätseln. Doch es gibt eine Lösung.
dpa
Diese Vogelscheuche sorgt derzeit für Verwunderung.
Diese Vogelscheuche sorgt derzeit für Verwunderung. Bernd Wüstneck
Naturschützer rätseln, wen die Vogelscheuche verjagen soll. Ein Teichpächter klärt das Rätsel auf.
Naturschützer rätseln, wen die Vogelscheuche verjagen soll. Ein Teichpächter klärt das Rätsel auf. Bernd Wüstneck
Blowatz.

Eine Vogelscheuche in einem Vogelschutzgebiet nahe der Ostsee ist in der Gemeinde Blowatz (Nordwestmecklenburg) zu besichtigen. In einem leuchtendgelben Regenschutzanzug steht die massige Gestalt mit weißen Tüten wedelnd im Schilf eines Tümpels am Feldrand bei Damekow.

Die Biologin Erna Schreiber aus einem Nachbarort ist irritiert. „Ich frage mich, wer kämpft da gegen wen?”, sagt sie und vermutet, dass es um die Fische im Teich geht. Vielleicht sollten Fischreiher abgehalten werden. „Aber Vögel gewöhnen sich innerhalb weniger Tage an so eine Vogelscheuche”, meint sie. Und eigentlich brüten dort nur Schwäne.

Wer möchte welche Vögel verjagen?

Auch der Natur- und Artenschutzexperte Ulf Bähker vom Naturschutzbund in Schwerin grübelt, wer damit welche Vögel verjagen will. Wenn der Teich ein Angelgewässer sei, könnte sich die Scheuche gegen Kormorane richten. „Aber ob die sich davon beeindrucken lassen?”, zweifelt er. Gesehen habe er dort auch noch keine, er kenne das Gebiet ein wenig. Die Kormorane hätten außerdem die Ostsee vor der Nase, da sei ein Teich doch uninteressant.

Und was sagen die Naturschutzbehörden zu der Vogelscheuche im Natura 20-Gebiet? Der Dezernent im Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) in Schwerin, Bernhard Fiedler, sieht den europäischen Vogelschutz nicht gefährdet. Ein Eingreifen hielte er für nötig, wenn dort mehrere solcher Vogelscheuchen auf den Äckern stünden. Diese seien Nahrungsflächen für rastende Vögel wie Gänse und Schwäne und der Grund, warum das Gebiet unter Schutz gestellt wurde.

Teichpächter klärt das Rätsel auf

Tatsächlich ist die gelbe Gestalt gar keine Vogel-, sondern eine Anglerscheuche. Wie Tino Schmidt als einer der drei Teichpächter berichtet, soll sie Fremdangler abhalten. „Das funktioniert!”, sagt er. Vor allem im Dunkeln sehe es aus, als stünde dort schon ein Angler. Dabei sei es nur ein mit Stroh ausgestopfter Regenanzug.

Die drei Pächter hätten den Teich von der Agrargenossenschaft übernommen, entrümpelt und Fische eingesetzt. Dass jemand den Anglerschreck hässlich findet, höre er zum ersten Mal, wundert sich Schmidt.

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