KOMMENTAR ZUM GÜSTROWER ANTI-TERROR-EINSATZ

Dafür kann man sich nur (fremd)schämen

Drei Terrorverdächtige wurden in Güstrow in Gewahrsam genommen, mussten aber wieder freigelassen werden – das LKA hatte sie nicht rechtzeitig dem Richter vorgeführt. Nach diesem Desaster lacht ganz Deutschland über die LKA-Gurkentruppe aus MV, Innenminister Caffier aber schweigt. Ein Kommentar.
Gabriel Kords Gabriel Kords
Nach dem Anti-Terror-Einsatz in Güstrow geriet das Innenministerium in die Kritik.
Nach dem Anti-Terror-Einsatz in Güstrow geriet das Innenministerium in die Kritik. Bodo Marks
Güstrow.

„Ganz gleich, welche Situation man sich vorzustellen vermag, diese Spezialisten der Polizei müssen auf jede Einsatzlage vorbereitet sein.“ So heldenhaft steht es in der Selbstdarstellung des LKA. Dort rühmt sich das Amt auch, ihm sei das 3-Sterne-Prädikat „Recognised for Excellence“ verliehen und damit ein hohes Niveau an behördlicher Leistungsfähigkeit bestätigt worden. „Der Anspruch an ein modernes Management im Landeskriminalamt“ sei „beispielgebend für andere Organisationen“.

Beispielgebend? In diesem Fall ist höchstens beispielgebend, wie eine Behörde sich um Erklärungen drückt. Die verschwurbelte Pressemitteilung, die das LKA nach einem Sturm der Empörung erst am späten Donnerstag versandte und gleich danach auf Tauchstation ging, versuchte lediglich, die Schuld für den verpfuschten Arrest auf den Bundesanwalt abzuwälzen. Dabei blieben natürlich alle wichtigen Fragen offen: Wieso klappte das Zusammenspiel zwischen Bundesanwalt und LKA nicht? Wieso kümmerte man sich erst am Mittwochabend darum, den Gewahrsam für Verdächtige zu beantragen, von denen man offenbar den ganzen Tag über der Meinung war, sie gehörten festgehalten? Statt darauf zu antworten, streute LKA-Chef Ingolf Mager der besorgten Öffentlichkeit wieder mal Sand in die Augen. Wie schon so oft.

Und was tat der oberste Dienstherr, Innenminister Lorenz Caffier? Er hatte zur Sicherheit einfach schon am Mittwochnachmittag erklären lassen, bei dem Einsatz habe alles hervorragend funktioniert. Außerdem kanzelte er noch die AfD ab, die genau das zuvor in Frage gestellt hatte. Einzig: Die Skepsis war – wieder mal – berechtigt.

Während am Donnerstag ganz Deutschland über die LKA-Gurkentruppe aus MV lachte, blieb Caffier lieber stumm. Sein persönlicher Referent stand da übrigens gerade in Neubrandenburg vorm Kadi, weil er einen Bürger beleidigt und bedroht hatte. Ein weiteres Stück aus Caffiers Tollhaus – zu dem er ebenfalls sehr umfassend schwieg. Caffier ist ohne jeden Zweifel seinen Amtspflichten gewachsen, so lange es um die Einweihung von Feuerwehrautos und die Übergabe von Förderschecks geht. Bei bedeutsameren Fragen und der inneren Sicherheit kann man sich da nach diesem Donnerstag nicht mehr so sicher sein.

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Kommentare (3)

Sehr geehrte Redaktion,

unter der Überschrift "Dafür kann man sich nur (fremd)schämen" und die Bezeichnung der Mitarbeiter des Landeskriminalamtes als "Gurckentruppe, hat Ihr Redaktionsmitglied Gabriel Kords den Bogen überspannt. Eine zu erwartende fachlich gute und ausgereifte Recherche zum Sachverhalt sieht anders aus. Mit der Bezeichnung "Gurckentruppe" zieht er die monatelange Vorbereitung und die Einsatzunterstützung für den Generalbundesanwalt und das Bundeskriminalamt ins Lächerliche. Dafür sollte er sich schämen!!! Wer für den Einsatz verantwortlich war, ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Jedenfalls nicht das LKA. Fragt sich jetzt, wer ist wo in einer "Gurckentruppe?
Uwe G.

... verantworlich sind, dann hätte Caffier sich nicht am Mittwoch mit fremden Federn schmücken sollen. Letztlich sollten bei einer Zusammenarbeit zwischen BKA, Generalbundesanwalt und LKA vorher alle Regeln, Gesetze und Abstimmungen untereinander bekannt und abgestimmt sein. Für den Antrag auf Ingewahrsamnahme ist das LKA zuständig. Man hat gewusst (Landesgesetz), dass nur höchstens fünf Stunden vergehen dürfen und trotzdem versuchte man es beim zuständigen Gericht nach 13 Stunden und war öffentlich erstaunt, dass das Gericht Gesetze anwendet. Wenn das LKA erstaunt und sichtlich irritiert ist, wenn MV-Richter Gesetze anwenden, dann haben am wenigsten Generalbundesanwalt und BKA Verantwortung.

... kann man sich aber auch für Lokalredakteure, die versuchen, die BLÖD-Zeitung zu übertreffen.