„Ja, wer ist denn da?!” SPD-Abgeordnete Nadine Julitz mit ihrer knapp drei Monate alten Tochter Karla im Schweriner Landtag. Ex-Ministerpäsident Erwin Sellering (rechts) scheint die Kleine nicht zu stören.
„Ja, wer ist denn da?!” SPD-Abgeordnete Nadine Julitz mit ihrer knapp drei Monate alten Tochter Karla im Schweriner Landtag. Ex-Ministerpäsident Erwin Sellering (rechts) scheint die Kleine nicht zu stören. Reinhard Klawitter/SVZ
Nadine Julitz

Darf SPD-Baby Karla mit in den Landtag?

Seit fast drei Monaten ist SPD-Vizevorsitzende Nadine Julitz (28) glückliche Mama ihres ersten Kindes. Ein paar Mal hat sie die kleine Karla schon mit in Landtagssitzungen gebracht – worüber sich eine Kollegin jetzt öffentlich aufregt.
Schwerin

Glücklich hält Nadine Julitz, Vizechefin der SPD in MV ihre kleine Karla auf dem Schoß. Strahlend schäkert sie mit ihrer wenige Wochen alten Tochter, hält sie kurz in die Luft – wie man es halt so macht, mit süßen, kleinen Babys. Aber im vollbesetzten Landtag? Als Abgeordnete?

„Das ist einfach ein Unding!”

Sorry, aber das geht gar nicht, meint Christel Weißig von den Freien Wählern BMV (FW). Auch oder erst recht nicht als SPD-Vize-Vorsitzende. „Ich finde das empörend”, sagt Weißig dem Nordkurier klipp und klar. „Einen Säugling mit in den Landtag zu bringen, wo Probleme gewälzt werden und teilweise heftig debattiert wird, das ist einfach ein Unding!”

Die FW-Abgeordnete hat der jüngste Landtags-Auftritt von Neu-Mama-Julitz samt Tochter dermaßen aufgeregt, dass sie danach ein offizielles Statement verfasste. Darin heißt es: „Das gefüllte Landesparlament mit einer Umluft-Klimaanlage, mit 71 Abgeordneten, Personal und vielen Besuchergruppen kann nicht der optimale Ort für einen wenige Wochen alten Säugling sein. Die Sorge um das Wohl und die Gesundheit des Säuglings sollte über dem Wunsch der Präsentation des Kindes stehen.”

„Ich bin nun mal Mutter und mache Politik.”

Präsentation des Kindes? Dass sie ihr Kind bei den Landtagskollegen stolz vorzeigen oder gar mit dem Baby bewusst Aufmerksamkeit auf sich ziehen will, weist SPDlerin Julitz weit von sich. Als der Nordkurier sie am Telefon erreicht, sitzt sie gerade mit der schlafenden Karla auf dem Schoß in ihrem Abgeordnetenbüro, wie sie erzählt.

„Ich bin nun mal Mutter und mache Politik”, so die Warenerin. „Wo soll ich meine Tochter denn lassen? Sie ist noch viel zu klein für die Kita.” Außerdem bliebe sie mit dem Kind nie länger als eine halbe Stunde in den Landtagssitzungen, um ihre Kleine nicht zu überfordern.

Julitz zum Nordkurier: „Ich war bislang wirklich nur wenige Male mit meiner Tochter im Landtag. Und ich setze mich immer extra in letzte Reihe, um jederzeit raus zu können, falls sie weint oder Hunger hat. Das Wohl meines Kindes steht für mich selbstverständlich immer im Vordergrund!” Allerdings sei sie auch ihren Wählern verpflichtet und könne sich nicht monatelang völlig zurückziehen.

Warum nimmt sie denn kein Kindermädchen?

Frau Weißig von den Freien Wählern sieht das vollkommen anders. Julitz würde mit ihrem Kind sehr wohl alle Blicke auf sich ziehen. Kollegen gratulieren, schauen die Kleine an, Kameras werden gezückt – für so eine Babyshow sei der Landtag einfach nicht der richtige Ort.

„Umgekehrt ist es auch keine gesunde Umgebung für das Baby”, schimpft Weißig. „Die Klimaanlage verursacht eiskalte Zugluft, es ist laut – so etwas muss man einem so kleinen Kind wirklich nicht antun.” Wenn Julitz keine Auszeit nehmen wolle, könne sie sich von ihrem Gehalt doch zumindest stundenweise ein Kindermädchen leisten. „Dann kann Frau Julitz arbeiten – und die Kleine ist in der Zeit gut versorgt.”

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