ANWALT

Darum soll SEK-Scharfschütze illegal Waffen gehortet haben

Polizist Marko G. hat vor Gericht eingeräumt, Waffen gesammelt und Administrator der Chatgruppe "Nordkreuz" gewesen zu haben. Dass sich das rechtsextreme Prepper-Netzwerk jedoch auf einen "Tag X" vorbereitet habe, bestreitet die Verteidigung.
dpa
Marko G., Mitglied des Spezialeinsatzkommandos (Mitte)wird vorgeworfen, illegal Waffen gehortet und damit gegen das Waffengese
Marko G., Mitglied des Spezialeinsatzkommandos (Mitte)wird vorgeworfen, illegal Waffen gehortet und damit gegen das Waffengesetz, das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Sprengstoffgesetz verstoßen zu haben. Bernd Wüstneck
Schwerin.

Ein Präzisionsschütze und Schießtrainer der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern steht seit Mittwoch in Schwerin wegen illegalen Waffenbesitzes vor Gericht. Dem 49 Jahre alten Beamten wird unter anderem vorgeworfen, eine 1993 bei der Bundeswehr gestohlene Maschinenpistole der Marke Uzi, weitere Waffen sowie mehrere zehntausend Schuss Munition illegal bei sich zu Hause und in einem privaten Bungalow gehortet zu haben. Gefunden wurden die Stücke bei einer Durchsuchung im Juni 2019.

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In der Folge wurde Marko G. verhaftet. Er ist nach Angaben des Landgerichts seit 1999 bei der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern und seit 2004 Mitglied des Spezialeinsatzkommandos (SEK). Vor Gericht hat er nun den illegalen Besitz von Waffen, darunter eine Maschinenpistole, und größerer Mengen Munition eingeräumt.

Auch sei er Administrator der Chatgruppe "Nordkreuz" gewesen, deren Mitglieder sich mit dem Anlegen von Vorräten und mit Überlebenstrainings auf einen Katastrophenfall vorbereitet hätten, hieß es in einer vom Verteidiger am Mittwoch im Landgericht Schwerin verlesenen Erklärung des Angeklagten. Dabei habe seine Lust am Abenteuerspiel und an Survivaltrainings eine Rolle gespielt. Keiner in der Gruppe sei politisch ausgerichtet gewesen. Die Waffen und die Munition habe er nur für sich besorgt und sie an niemanden weitergegeben. 

Verbindung zu „Nordkreuz”-Preppern

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm hatte ihm bereits zuvor vorgeworfen, Verbindungen zur Prepper-Gruppe „Nordkreuz” zu haben, gegen die der Generalbundesanwalt seit 2017 wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat ermittelt. In diesem Verfahren wird Marko G. als Zeuge geführt. Bei einer Razzia in dem Verfahren im August 2017 waren bei ihm bereits Waffen und Munition gefunden worden, die unsachgemäß gelagert waren. Daraufhin wurden ihm alle Waffenbesitzkarten entzogen.

Die Anklageschrift, deren Verlesung eine Stunde dauerte, wirft Marko G. vor, er habe mit den Waffen die Ziele der Prepper-Gruppe unterstützen wollen, die sich auf einen „Tag X”, den Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung in Deutschland, vorbereitet habe. Sie sei der Überzeugung gewesen, dass die Bundesregierung unter anderem wegen ihrer Flüchtlingspolitik ihr Gewaltmonopol verlieren werde und das Land in eine schwere gesellschaftliche Krise geraten könne.

Verteidigung bestreitet Vorwürfe

Die Verteidigung trat dem entgegen. Marko G. sei ein hoch geachteter Polizeibeamter, für den sich der legale und illegale Umgang mit Waffen verwischt habe, erklärte einer der drei Anwälte. Der Vorwurf, er habe die Waffen seit 2015 mit Blick auf eine mögliche Gefährdungssituation beschafft und vorgehalten, sei falsch. Er habe die Waffen auch nicht Dritten überlassen oder überlassen wollen.

Dieser Artikel wurde am Mittwoch, 20. November 2019, um 15.20 Uhr aktualisiert.

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