PREISVERGLEICH

Darum wird der Ostsee-Urlaub immer teurer

Mecklenburg-Vorpommern sieht sich gern als familienfreundliches Urlaubsland. Doch immer weniger Familien können sich hier die Ferien leisten.
Ralph Sommer Ralph Sommer
Unter anderem Rügen ist bei Urlaubern beliebt. Doch nicht nur dort sind die Preise gestiegen, in vielen Teilen von Mecklenburg-Vorpommern müssen Urlauber mehr zahlen.
Unter anderem Rügen ist bei Urlaubern beliebt. Doch nicht nur dort sind die Preise gestiegen, in vielen Teilen von Mecklenburg-Vorpommern müssen Urlauber mehr zahlen. © kentauros - Fotolia.com
Bergen.

Vier Jahre ist es her, als der Nordkurier eine Berliner Familie auf einem dreitägigen Ferien-Trip an der Ostsee begleiten und dabei ihre Urlaubsausgaben bis auf den Cent genau dokumentieren durfte. Das Fazit nach Kassensturz seinerzeit: Die vierköpfige Familie hatte für den abwechslungsreichen Kurzurlaub 952,07 Euro ausgegeben, eine Summe, die sich nicht jede Familie für drei Tage leisten kann.

Der Vergleich mit Pauschalangeboten der Reiseveranstalter zeigte zudem: Ein Kurzausflug zum Beispiel nach Spanien oder Griechenland dürfte die Urlaubskasse deutlich weniger strapazieren als ein Aufenthalt hierzulande.

MV wird als Urlaubsland beliebter

Jetzt wollten wir wissen, was sich seitdem verändert hat. Trotz eines viel diskutierten Rückgangs der Übernachtungszahlen im vergangenen Jahr hat Mecklenburg-Vorpommern in der Gunst der deutschen Urlauber weiter zugelegt. Laut einer Analyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) ist der Nordosten bei Reisen ab fünf Tagen auch 2018 das beliebteste Reiseziel der Deutschen. Demnach macht statistisch gesehen jeder 20. Deutsche zwischen Boltenhagen und Usedom Urlaub. Im Vergleich zu 2016 legte Mecklenburg-Vorpommerns Anteil an den Gesamtreisen sogar noch um 5,1 Prozent zu.

Neben der einzigartigen Naturausstattung dürften die touristischen Kapazitäten, aber auch die Freizeitangebote, die in den vergangenen Jahren mit teilweise hohem finanziellen Aufwand und staatlichen Zuschüssen entstanden, ein Grund für die gewachsene Beliebtheit des Urlaubslandes im Nordosten sein. Zusätzliche moderne Hotels und Ferienanlagen wie das gerade erst eingeweihte Upstalsboom Waterkant Suites in Börgerende, aber auch städtetouristische Angebote, ungewöhnliche Übernachtungsorte, der Ausbau des Wassertourismus, neue attraktive Ausstellungen und eine Vielzahl kultureller Theater- und Konzertveranstaltungen treffen den Nerv der Gäste.

Nationalparkzentrum hat den Preis besonders erhöht

Doch das alles hat seinen Preis, wie ein nicht repräsentativer Langzeit-Vergleich des Nordkuriers dokumentiert. Demnach sind stabil gebliebene Eintrittpreise, wie sie das Norddeutsche Bibelzentrum in Barth oder der Leuchtturm am Dornbusch von Hiddensee über Jahre hinweg anbieten, eher die Ausnahme. Die allermeisten Anbieter haben ihre Preise noch einmal deutlich angehoben und machen dafür vor Investitionen, gestiegene Personal- und Energiekosten verantwortlich. Das von der Umweltstiftung World Wide Fund For Nature (WWF) betriebene Nationalparkzentrum Jasmund zum Beispiel, das 2004 an Rügens Königsstuhl eingeweiht worden war, hat seine Eintrittspreise für Familien von 12 Euro im Jahr 2008 auf mittlerweile 20 Euro erhöht. Allein in den vergangenen vier Jahren stiegen die Ticketkosten an Mecklenburg-Vorpommerns bekanntestem Wahrzeichen noch einmal um satte 33 Prozent.

Bei einem Preisvergelcih eines Reiseportals kam erst vor Kurzem heraus, dass ein Strandtag in Binz teurer als auf Sylt ist.

Open-Air-Theater erhöht Preise um gut ein Viertel

Und das erfolgreichste Open-Air-Theater des Landes, die Störtebeker-Festspiele in Ralswiek, die ohne jegliche Subventionen auskommen und bekannt sind für regelmäßige Investitionen, kam nicht um Preiserhöhungen von 28,6 Prozent herum. Wer vor zehn Jahren noch eine Platzkarte für die vorderste Platzgruppe 1 für 28 Euro bekam, muss heutzutage dafür 36 Euro berappen. Vergleichsweise drastisch stiegen auch die Preise für eine Rostocker Hafenrundfahrt. Hinzu kommt, dass auch die Kurtaxen und Parkgebühren in fast allen Kurorten in den vergangenen Jahren deutlich angehoben wurden.

Bedenkt man, dass die durchschnittlichen Löhne in Deutschland seit 2008 nur um etwa 35 Prozent gestiegen sind, drohen manche Offerten im Urlaubsland Mecklenburg-Vorpommern für immer weniger Familien erschwinglich zu werden. Deshalb warnen inzwischen Touristikexperten die Branche vor einem ständigen und unangemessenen Weiterdrehen an der Preisspirale. Sie sehen übertriebene Preiserhöhungen bereits als eine der größten Gefahren für die touristische Entwicklung hierzulande, gleich nach dem umstrittenen unkontrollierten quantitativen Ausbau
der Übernachtungskapazitäten vor allem in den Küstenregionen.

Korrekturhinweis: Im Artikel wurden am 16.7. nachträglich die Zahlen für die Störtbeker Festspiele im vorletzten Absatz geändert. Dort waren zuvor zwei unterschiedliche Platzkategorien miteinander verglichen worden. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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Kommentare (1)

Das erscheint zunächst als sehr teuer. Doch für 4 Personen ist es fast schon ein normaler Preis. Die Gesetze der freien Marktwirtschaft gelten auch in M-V: steigt die Nachfrage, dann steigen - bei begrenztem Angebot - auch die Preise. Nur eine Entwicklung ist bedenklich: der Küstenstreifen wird immer wohlhabender und das Hinterland verarmt zusehens.