ÜBERBLICK

Das aktuelle Corona-Geschehen in Mecklenburg-Vorpommern

Für Schausteller ein katastrophales Jahr, viele Fragen an den Bürgerbeauftragen, die Zahl der Corona-Neuinfektionen bleibt hoch und Hotel-Übernachtungen sind während Feiertage erlaubt.
Die meisten Fahrgeschäfte stehen wegen der Corona-Schutzmaßnahmen seit Anfang 2020 still.
Die meisten Fahrgeschäfte stehen wegen der Corona-Schutzmaßnahmen seit Anfang 2020 still. Jens Büttner
Den Bürgerbeauftragte des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Matthias Crone, erreichen in der Corona-Krise weiterhin viele Fr
Den Bürgerbeauftragte des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Matthias Crone, erreichen in der Corona-Krise weiterhin viele Fragen. Jens Büttner
Schwerin.

Trotz in Aussicht stehender Impfstoffe rechnet Dieter Schmidt vom Schaustellerverein Westmecklenburg auch im kommenden Jahr erst einmal nicht mit Volksfesten. „Man wird wohl keine größeren Menschenansammlungen zulassen, ehe nicht alle geimpft sind, und das wird dauern”, sagte Schmidt.

Das zu Ende gehende Jahr sei katastrophal für die Branche gewesen, sagte auch Marco Welte vom Rostocker Schaustellerverband. Sein Unternehmen mache allein mit dem Weihnachtsmarkt ein Drittel des Jahresumsatzes.

Mehr lesen: Laschet für neue Konzepte in der Corona-Pandemie

Hoffen auf Novemberhilfen

Das falle nun auch weg, nachdem im Jahresverlauf schon viele Volksfeste abgesagt worden waren. Schmidt ergänzte: „Wir hoffen, dass wir alle den Winter überleben und dass die Novemberhilfe bald greift.” Nach seinen Worten sind in den Schausteller-Verbänden im Nordosten rund 50 Unternehmen zusammengeschlossen.

Insolvenzen in der Branche sind Schmidt bislang noch nicht zu Ohren gekommen. Das könne aber mit einer gewissen Verzögerung noch kommen, sagte er. „Jeder versucht, sich so lange wie möglich über Wasser zu halten.” Manche stünden mit ihren Wagen vor Einkaufszentren und verkauften gebrannte Mandeln. Die Fahrgeschäfte stünden jedoch komplett still. Im Sommer seien hie und da mobile Freizeitparks aufgebaut worden, in denen mit Corona-Sicherheitsabstand Karussell gefahren und Eis genascht werden konnte.

Mehr lesen: Jährlich hunderte Tote in MV durch Grippe und Lungenentzündung

Viele Fragen zur Corona-Pandemie beim Bürgerbeauftragten

Den Bürgerbeauftragten Mecklenburg-Vorpommerns erreichen in der Corona-Krise viele Fragen. Dies sei insbesondere der Fall, wenn angekündigte Änderungen noch nicht in einer Verordnung nachzulesen waren, hieß es auf Anfrage. Etwa 370 sogenannter Petitionen hätten demnach einen Bezug zur Corona-Pandemie. Dabei gehe es etwa um Genehmigungen oder konkrete Förderfälle.

Mehr lesen: Corona-Maßnahmen bei Olympia 2021 kosten Millionen

Eine Petition werde dann eröffnet, wenn ein konkretes Verwaltungshandeln mit den jeweiligen Behörden geklärt werden müsse, es also einen Austausch gebe. Zudem habe es hunderte Anrufe mit Fragen und Kritik zu den Corona-Regelungen gegeben. Schwerpunkte der Corona-Fragen waren etwa Einreisemaßnahmen und Besuchsregeln in Pflegeheimen.

Bis Ende November wurden den Angaben zufolge insgesamt knapp 1900 Petitionen beim Bürgerbeauftragten Matthias Crone gezählt, zum Vorjahreszeitpunkt waren es etwa 260 weniger. Soziale Themen seien nach wie vor ein Schwerpunkt, etwa Arbeitslosengeld. Die Behörde umfasst nach eigenen Angaben 14 Mitarbeiter.

134 Corona-Neuinfektionen am Wochenende

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen bleibt in Mecklenburg-Vorpommern hoch. Am Wochenende meldete das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) 134 neue Fälle. Das sind etwas mehr als am Wochenende davor, als 126 gemeldet worden waren.

Die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche, liegt bei 47,1 und damit seit Tagen knapp unter dem Warnwert von 50. Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein haben in Deutschland die niedrigsten Infektionswerte.

Regional große Unterschiede

Die regionalen Unterschiede beim Infektionsgeschehen sind in MV allerdings enorm. So sind die beiden Landkreise mit der höchsten und der niedrigsten Inzidenz Nachbarn: In Vorpommern-Rügen steckten sich in den vergangenen sieben Tagen 12,9 je 100.000 Einwohner mit dem Coronavirus an. In Vorpommern-Greifswald liegt dieser Wert bei 79,4. Dort war die Zahl der Neuinfizierten am Sonntag mit 26 von landesweit 46 auch am höchsten.

Mehr lesen: Advent 2020 vs. Advent 2019 in Neubrandenburg

Der Rostocker Tropenmediziner und Infektiologe Erwin Reisinger sieht einen Grund dafür in der Nähe und den Verbindungen des Landkreises Vorpommern-Greifswald mit Polen und der Uckermark nahe Berlin, sagte er. Für Berlin meldete das Robert Koch-Institut am Sonntag eine Sieben-Tage-Inzidenz von rund 178. Es scheine so, als ob es Ausläufer aus Hochrisikogebieten in benachbarte Regionen gebe, so Reisinger. „In Vorpommern-Rügen haben wir im Norden die Ostsee, von der keine Infektionen kommen.”

Der Sprecher des Landkreises Vorpommern-Rügen, Olaf Manzke, sagte, man habe wohl auch gerade ein bisschen Glück und keinen großen Ausbruch. Das sieht auch Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) so. „Das Corona-Virus zeigt uns jeden Tag aufs Neue, dass es kein allgemeines Erfolgsrezept gibt, um die Pandemie zu besiegen”, sagte er. Gegenwärtig seien im Landkreis Vorpommern-Rügen keine großen Häufungen von Krankheitsfällen beispielsweise in Einrichtungen zu beobachten. „Das macht sich statistisch bemerkbar.”

Hinweis: Sie möchten beim Thema Corona nicht den Überblick verlieren und immer über die neuesten Entwicklungen und Maßnahmen informiert sein? Dann melden Sie sich hier zu unserem kostenlosen Newsletter an!

Basis für langfristigen Erfolg gegen Corona

Grundsätzlich könne er sagen, dass viele Menschen im Land gegenseitig Rücksicht nähmen und Verantwortung übernähmen. Abstandsregeln würden eingehalten, die Mund-Nase-Bedeckung werde getragen und Kontakte würden minimiert. „Das ist ein großes Plus.” Dies sei die Basis auch für einen langfristigen Erfolg gegen Corona.

Nach Reisingers vorsichtiger Einschätzung könnten mit den geltenden und beschlossenen Maßnahmen die Infektionszahlen in den kommenden zwei Wochen in MV sinken. Das exponentielle Wachstum sei bereits gestoppt worden. Nun seien die Zahlen zunächst auf einem Plateau. „Wenn ein Zug sehr schnell fährt, braucht er auch eine Zeitlang zum Bremsen, der steht nicht sofort.”

Mehr lesen: ▶ Grundschule Jürgenstorf komplett in Quarantäne

Im Krankenhaus liegen aktuell in MV laut Lagus 121 Covid-19-Patienten, davon 37 auf Intensivstationen. Laut Intensivregister müssen 17 Patienten beatmet werden. Frei sind demnach 183 Intensivbetten im Land. Reisinger betonte, es gebe keinen Grund für Leichtsinn. „Es geht um Menschenleben.”

In Mecklenburg-Vorpommern starben seit Beginn der Pandemie 61 Menschen an oder mit Covid-19. Landesweit gelten 4486 der bislang 5951 Infizierten als genesen – damit gibt es laut Lagus 1404 bestätigte Fälle, die akut infiziert sind.

Corona-Infektionen bei Mitarbeitern des Bonhoeffer-Klinikums

Die steigende Zahl von Corona-Fällen an der Mecklenburgischen Seenplatte stellt auch mehrere Pflegeheime und die größte Klinik – das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum in Neubrandenburg – vor wachsende Probleme. Wie eine Kliniksprecherin am Sonntag erklärte, mussten erneut 11 Pflegekräfte in Quarantäne, weil sie positiv auf das Coronavirus getestet wurden.

Mehr lesen: 11 neue Infektionen bei Mitarbeitern des Bonhoeffer-Klinikums

Diesmal seien aber nicht Intensivstationen, sondern eine internistische Abteilung betroffen. Damit muss die Klinik inzwischen 22 Corona-Fälle unter den Pflegekräften mehrerer Stationen verkraften.

Auch abseits der größeren Städte in der Region hält sich das Coronavirus. Beispielsweise kommt kaum eine Kommune im Peental noch ohne Quarantäne aus. „Die Corona-Lage im Landkreis Vorpommern-Greifswald bleibt ernst. Die Fallzahlen der mit dem Virus Infizierten erhöhen sich weiterhin. Wieder sind mehrere Schulen und Pflegeeinrichtungen betroffen.“ Diese Bilanz zog Anke Radlof von der Pressestelle des Landratsamtes bereits Ende vergangener Woche.

Mehr lesen: Fast alle Kommunen im Peenetal mit Quarantäne-Fällen

Hotel-Übernachtungen in MV während der Feiertage erlaubt

Hotels und andere Beherbergungsstätten in Mecklenburg-Vorpommern dürfen über die Feiertage in der Corona-Krise ausnahmensweise öffnen – allerdings nur für Kernfamilien-Mitglieder und auch nur für maximal drei Übernachtungen – konkret im Zeitraum vom 23. Dezember 2020 bis 1. Januar 2021. Dies wurde beim Corona-Gipfel in Schwerin am Samstag beschlossen.

Mehr lesen: Hotel-Übernachtungen in MV für Feiertage erlaubt

Mitte Dezember soll entschieden werden, ob touristische Reisen mit Übernachtung innerhalb Mecklenburg-Vorpommerns für Bürgerinnen und Bürger des Landes möglich sind, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung nach dem MV-Gipfel.

JETZT NEU: CORONA-UPDATE PER MAIL

Der tägliche Überblick über die Fallzahlen, aktuellen Regelungen und neuen Entwicklungen rund um das Corona-Virus in Mecklenburg, Vorpommern und der Uckermark.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Schwerin

zur Homepage