Meckern gegen Merkel

Das Poltern der alten weißen Männer der CDU

Verbale Tiefschläge gegen Merkel gab es von Sascha Ott und Peter-Michael Diestel verlässt gleich die CDU. Er präsentiert sich als schlechter Verlierer, wie unser Kommentator meint.
Poltern gegen Kanzlerin Merkel, regieren aber nicht: Sascha Ott (CDU) und Peter-Michael Diestel (CDU-Austritt angekündigt
Poltern gegen Kanzlerin Merkel, regieren aber nicht: Sascha Ott (CDU) und Peter-Michael Diestel (CDU-Austritt angekündigt). dpa/Montage NK
Neubrandenburg

Einige CDU-Mitglieder im Nordosten haben eine neue Sportart für sich entdeckt: Das Nachtreten gegen die eigenen Parteimitglieder. Anfang der Woche übte sich der Konservative Sascha Ott darin, nun eiferte ihm Peter Michael Diestel nach. Ott verpasste Kanzlerin Angela Merkel via Pressemitteilung einige mächtige Tiefschläge. Sowohl bei der Flüchtlingskrise, die immerhin schon mehr als fünf Jahre her ist, als auch bei der Corona-Pandemie habe sie komplett versagt, polterte er.

Peter-Michael Diestel zog kurz danach mit weiteren heftigen Attacken nach. Er trat gleich komplett aus der CDU aus, gewürzt mit starker Kritik. Seine Partei sei ihm nicht mehr „stramm” genug, er vermisse „Wärme und Geborgenheit”. Da kommen einem fast die Tränen.

Sein öffentlichkeitswirksamer Abgang ist aber ein typischer Diestel, schließlich hat er sich als „Staranwalt” schon immer gerne mit seinen Mandanten im medialen Ruhm gesonnt: Egal, ob es um den gestrauchelten Ex-Radsportprof Jan Ullrich, den gescheiterten Ex-Verkehrsminister Günter Krause oder um einen früheren SS-KZ-Sanitäter ging.

Für einen flotten Spruch sind Diestel und Gysi immer gut

Für einen flotten Spruch und eine Schlagzeile ist Diestel immer gut, genauso wie sein linker Kumpel Gregor Gysi. Während der für seine Partei aber nach wie vor immer wieder in die Bütt geht, hat Diestel in den vergangenen Jahren keine politischen Bäume mehr ausgerissen. Und dass er gar den Stein der Weisen zur Bewältigung der Corona-Pandemie entdeckt hat, ist auch nicht bekannt – was sich übrigens auch vom konservativen Polterer Sascha Ott sagen lässt.

Was treibt Diestel, immerhin letzter Innenminister der DDR und Landtagsabgeordneter in Brandenburg mit CDU-Parteibuch, zu der medialen Generalabrechnung mit seiner Ex-Partei? Parteisoldaten bewähren sich in schwierigen Situationen. Wenn Diestel jetzt mit viel Tamtam hinschmeißt, wählt er den einfacheren Weg.

Vielleicht kommen er und Sascha Ott wie andere alte weißen Männer aber auch nicht damit klar, dass auf Angela Merkel mit der grünen Annalena Baerbock bald die nächste Frau als Kanzlerin folgen könnte.

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