CORONA-KRISE

Kita-Öffnungen sind ein Start ins Ungewisse

Wenn ab nächster Woche die Kindergärten in MV wieder schrittweise öffnen, stehen die Betreiber vor großen Problemen. Manche davon sind auf die Schnelle wohl kaum lösbar.
Wenn ab Montag wieder Kinder zur Kita gehen – so wie hier in Dreilützow (bei Schwerin) – droht allen Beteilig
Wenn ab Montag wieder Kinder zur Kita gehen – so wie hier in Dreilützow (bei Schwerin) – droht allen Beteiligten Chaos. Jens Büttner
Neubrandenburg.

Die Öffnung der Kindergärten im Land ist für alle Beteiligten ein großer Schritt ins Ungewisse. Ab kommendem Montag soll schrittweise bis zum 2. Juni der Regelbetrieb wiederhergestellt werden. Das heißt: Für rund 112.000 Kinder in MV soll wieder eine Betreuung in Kindergärten, Krippen, Tagespflege und Horten möglich sein. So wie vor Beginn der Corona-Krise im März – aber mit scharfen Hygienemaßnahmen.

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„Das wird eine große Herausforderung“, kann Almut Falk jetzt schon sagen. Sie ist für die Kindergärten des Trägers Diakonie im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte zuständig. Alle Träger und die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) sind sich einig, dass es bald an Personal mangeln wird. Die neuen Regeln sehen vor, dass Kinder nur noch in festen Gruppen von jeweils festen Bezugsperson betreut werden. So soll die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus vermindert werden. Dabei gehören etwa 20 Prozent der Erzieher im Land zur Risikogruppe. Mit Zustimmung des Betriebsarztes sollen sie, wenn möglich, wieder arbeiten können. „Die Erzieher*innen machen sich jetzt Sorgen darüber. Abstands- und Hygieneregeln lassen sich vor allem im Umgang mit Kleinkindern nicht umsetzen“, bemängelt Annett Lindner, GEW-Landesvorsitzende. Zudem fehle es oft schlicht an genügend Räumen, um die Trennung umzusetzen.

Der Nordkurier konnte vorab die neuen Hygieneregeln für die Kitas in Mecklenburg-Vorpommern einsehen. Es wird deutlich, dass das Land viele Corona-Abstandsregeln entschäft hat, um den Betrieb zu ermöglichen. Lesen Sie hier eine Analyse.

„Wir stellen die Maßnahmen nicht infrage“, betont Falk von der Diakonie. Sie seien sinnvoll, das Infektionsrisiko zu minimieren. Sie geht aber davon aus, dass sich mit der Zeit zwangsweise eine andere Frage stellen wird: „Wollen wir weiter das Abstandsgebot aufrecht erhalten, oder wollen wir wieder lange Betreuungszeiten anbieten können?“ Beides lasse sich in vielen Kitas nicht miteinander vereinbaren.

Ministerium will Vorschriften wohl schnell weiter lockern

Laut Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) sollen ab Juni sechs Stunden Betreuungszeit garantiert sein, wenn die Eltern in Vollzeit arbeiten. Ob sich das in der Praxis tatsächlich umsetzen lässt, muss nun jede Kita im Land für sich entscheiden. Im Zweifel müssen Kinder abgewiesen werden. „Und dann bekommen zuerst die Erzieher den Unmut der Eltern zu spüren“, sagt Ramona Barner-Brockmann vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), das in MV Träger von 93 Kindergärten ist. Denn wer soll sonst die Entscheidung treffen? Ihr Urteil: „Bei der Ausarbeitung der Regeln hätte man mehr auf die Leute aus der Praxis hören müssen.“ So sei auch noch unklar, wie mit Kindern mit Behinderung umgegangen werden soll, denen gesetzlich noch mehr Betreuung zusteht.

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Das Sozialministerium betont, dass die Vorgaben weiter angepasst werden. Und dass es eher auf weniger strenge Maßnahmen hinauslaufen wird, lässt sich schon jetzt absehen. Gestern hat das Ministerium neue Hygienehinweise an die Kita-Träger des Landes verschickt. Ende April hieß es dort noch, dass zwischen den Bettchen in den Schlafräumen 1,5 Meter Abstand herrschen soll. In der aktuellen Version ist dieser Abstand nur noch „wünschenswert“. So kehrt statt der vorgestern von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) angekündigten „neuen Normalität“ wohl schneller als gedacht die alte Normalität zurück.

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