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Der Bewahrer der „Designer-Hühner“

Der Heimtierzoo Rambow ist Europas einziger Tierpark, in dem noch lebende Exemplare der Zwerg-Vorwerkhühner öffentlich gezeigt werden. Tierparkchef Peter Ramsch züchtet seit drei Jahren mit vier Hähnen und acht Hennen. Die meisten Bruteier werden mit anderen Züchtern abgegeben, um Inzucht zu vermeiden.
Der Heimtierzoo Rambow ist Europas einziger Tierpark, in dem noch lebende Exemplare der Zwerg-Vorwerkhühner öffentlich gezeigt werden. Tierparkchef Peter Ramsch züchtet seit drei Jahren mit vier Hähnen und acht Hennen. Die meisten Bruteier werden mit anderen Züchtern abgegeben, um Inzucht zu vermeiden.
Ralph Sommer

Sie tragen nicht nur exotische Namen. Sie sind auch sehr selten geworden. Im privaten Heimtierzoo auf dem Rambow-Hof in der Mecklenburgischen Schweiz kann man heute noch lebende Vertreter von fast vergessenen Hühnerrassen beobachten.

Sie gelten als Deutschlands erste Designer-Hühner. Vor über 100 Jahren ausschließlich nach Form- und Farbvorstellungen gezüchtet, zählten sie zwar nie zu den Top-Rassen mit hoher Legeleistung oder großem Fleischansatz. Doch anders als die zahlenmäßig deutlich überlegene Hühner-Konkurrenz in den heutigen Legebatterien sind sie ausgesprochen hübsch anzusehen.

„Das sind einfach meine Top-Hühner“, schwärmt Peter Ramsch. Aufgeregt flattern die vitalen Zwerghühner durch die Voliere seines privaten Heimtierzoos auf dem Rambow-Hof am Rande der Mecklenburgischen Schweiz. Sie sind wahre Schönheiten: bronzefarbenes Federkleid, schwarzer Schwanz, schwarzer Harlekin-Kragen und ein stolzer blutroter Kamm.

Kaum erschaffen, starben die Vorwerkhühner beinahe aus

So in etwa habe sich auch ihr Züchter einst das Idealhuhn vorgestellt, sagt Ramsch. Gemeint ist der wohlhabende Hamburger Kaufmann Oscar Vorwerk (1865-1933), der einst auf seinem Grundstück an der Elbchaussee Hühner gehalten hatte. Als er im Jahre 1895 seine Vögel einem Freund vorstellte, fiel das Urteil ernüchternd aus. „Sehr nett, die kleinen grauen Tierchen“, soll der Bekannte nur gesagt und damit den Ehrgeiz des weltweit reisenden Händlers geweckt haben.

Vorwerk studierte europaweit lebenden Hühnerrassen und begann sie mit seinen Tieren zu kreuzen. Gut 18 Jahre nach dem Zwischenfall gackerten bunte Hühner in seinem Gehege. Auch als 1910 wildernde Hunde über die Hühnerschar herfiel und nur noch sieben Tiere überlebten, ließ sich der engagierte Züchter nicht entmutigen.

Zwei Jahre später wurden sie erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt und 1919 offiziell als Rasse anerkannt, die sogenannten „Vorwerkhühner“. Deutschlandweit breiteten sich die Tiere aus, vor allem in Schlesien, Sachsen und Thüringen, doch im Zweiten Weltkrieg starben sie nahezu wieder aus.

Mit gerade mal zwei Hähnen und 26 Hennen wagte die Frau eines Sattlermeisters im thüringischen Großbreitenbach den schwierigen Neuanfang. 1999 widmete sich ein professioneller Erhaltungszuchtring mit inzwischen 16 Mitgliedern der prägnanten Rasse, von der mittlerweile wieder 150 Exemplare registriert wurden.

Wie viele Tiere es heute gibt, darüber ist wenig bekannt. Es gebe „Große und Kleine Vorwerkhühner“, sagt Peter Ramsch, der vor drei Jahren Bruteier aus Bayern erhielt und heute 18 „Vorwerkhühner“ pflegt. Sein 1993 gegründeter Privatzoo ist somit der einzige europäische Tierpark, der „Zwerg-Vorwerkhühner“ öffentlich präsentiert.

Ramelsloher Huhn noch seltener als sibirischer Tiger

Doch sie sind nicht die einzige Rarität auf dem Rambow-Hof. Mit den sogenannten „Ramelsloher Hühnern“, die von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) als „extrem gefährdet“ eingestuft wurden, hält Ramsch zudem eine der seltensten Hühnerrassen der Welt. „Mit weltweit vermutlich nur noch 320 Exemplaren sind diese Hühner sogar noch seltener als der Sibirische Tiger“, sagt der 62-Jährige, der selbst einen Hahn und vier Hennen der „Gelben Ramelsloher Hühner“ besitzt. Die Tiere legen pro Jahr nur 60 bis 80 Eier, die größtenteils erbrütet oder an Züchter verkauft werden.

Zu den Besonderheiten im Rambower-Hühnerstall zählt auch der „Westfälische Totleger“, eine Rasse, die 1994 von der GEH als „Gefährdete Nutztierrasse des Jahres“ erklärt wurde. Daraufhin hatten sich mehrere versierte Züchter mit der Erhaltung der 400 Jahre alten Rasse befasst. Inzwischen soll es wieder rund 1.000 Exemplare in Deutschland geben, darunter in sechs Zoos. Ihren Namen verdanken die „Westfälischen Totleger“ übrigens der Tatsache, dass sie mit einer Legeleistung von jährlich 180 Eiern als robuste Dauerleger galten, die sich angeblich eines Tages zu Tode legen.

Wenn auch Sie seltene Haustierrassen halten, bitte schreiben Sie uns an:

r.sommer@nordkurier.de oder Ralph Sommer, Nordkurier, Kennwort: Tierrassen, Friedrich-Engels-Ring 29, 17033 Neubrandenburg.