Im Juni 2002 hatte der damalige Thronfolger und heutige König Charles III. Vorpommern besucht und unter anderem eine klei
Im Juni 2002 hatte der damalige Thronfolger und heutige König Charles III. Vorpommern besucht und unter anderem eine kleine Wanderung auf der Insel Vilm unternommen. Jens Büttner
Charles wollte eigentlich auch noch mehr von der Insel Rügen erkunden, dafür blieb 2002 aber keine Zeit. Einige Jahr
Charles wollte eigentlich auch noch mehr von der Insel Rügen erkunden, dafür blieb 2002 aber keine Zeit. Einige Jahre davor besuchte er einen Ökohof bei Stralsund. Jens Büttner
Insel Rügen

Der neue König Charles III. kennt Vorpommern recht gut

Königin Elizabeth II. hatte Mecklenburg-Vorpommern nie besucht. Ihr Mann war immerhin auf Rügen. Doch der neue König Charles III. kennt Vorpommern ganz gut.
Vilm

Wer einmal Rügen besucht, empfiehlt die Insel weiter. Das trifft auch auf den europäischen Hochadel zu. „Die Gegend muss ich meiner Familie unbedingt empfehlen”, hatte im Oktober 1996 Prinz Philip, der 2021 verstorbene Gemahl der nun auch verschiedenen englischen Königin, geschwärmt, als er den Seeblick von Rügens berühmten Königsstuhl genoss. Offenbar hatte er damals Wort gehalten. Denn fünfeinhalb Jahre später hatte auch sein Sohn, Prinz Charles, der am Samstag in London bei einer Proklamation offiziell zum König ausgerufen wurde, der Insel Rügen einen Besuch abgestattet.

Besuch auf früherer Honecker-Insel

Eingeladen hatte den königlichen Gast damals ein langjähriger Duz-Freund aus Deutschland: Hartmut Vogtmann, seinerzeit Chef des Bundesamtes für Naturschutz, verband schon seit mehr als 20 Jahren eine enge Freundschaft mit Charles. Bereits 1982 hatte der Professor für ökologischen Landbau maßgeblich mitgeholfen, die königlichen Güter auf eine ökologische Bewirtschaftung umzustellen.

Als engster Berater hatte Vogtmann schnell das Vertrauen des umweltbewussten Charles gewonnen. Bei einem Besuch von Charles in seiner Privatwohnung in Kassel hatte ihm Vogtmann von der Naturschutzakademie auf der früheren Honecker-Insel Vilm berichtete. Charles habe daraufhin den Wunsch geäußert, einmal selbst die unberührten Wälder auf Vilm sehen zu wollen, erinnert sich Vogtmann.

Weil Vilm keinen Landeplatz hat, setzten die beiden Hubschrauber mit Charles und seinem Gefolge damals im nahegelegenen Siggermow auf. Fast allen 40 Dorfbewohnern, die zur Begrüßung gekommen waren, hatte er die Hände geschüttelt. Nur ein ansässigen Landwirt soll damals etwas verstimmt gewesen sein, weil die Helikopter einfach auf seiner Wiese gelandet waren.

Auch in Lauterbach, wo Charles gemeinsam mit dem damaligen Umweltminister Jürgen Trittin das Schiff zur Überfahrt nach Vilm bestieg, jubelten ihm hunderte Rüganer zu.

Leckeres aus der Rügens Küche

Nach einem etwa einstündigen Rundgang über die 94 Hektar große Insel hatte sich der damalige Thronfolger 45 Minuten Zeit für ein Gespräch mit den Chefs der deutschen Umweltverbände Nabu, BUND und WWF genommen. Für das leibliche Wohl sorgte Rügens Küchenmeister Peter Knobloch, der mit seiner 13-köpfigen Crew Käse vom Öko-Hof Bisdamitz, eine Terrine mit Ostseeschnäpel und Boddenbarsch im Wiesenkräuternest und Mönchguter Lammrücken kredenzte. Seine Lehrlinge stellten in einem kurzen Diskurs eine Vorspeise mit Giersch, Vogelmiere, Mauerpfeffer, Schafgarbe, Kornblume, Natternkopf und Gänseblümchen vor, die sie zuvor auf einer Naturwiese bei Göhren gepflückt hatten.

Übernachtet hatte der heutige König damals im Juni 2002 in einem der reetgedeckten Gästehäuser, allerdings nicht in jenem, in dem einst auch DDR-Staatschef Erich Honecker logiert hatte. Doch zu Charles Enttäuschung fiel der Vilm-Besuch kürzer aus als ursprünglich geplant, weil das Besuchsprogramm kurzfristig um einen Termin in Berlin erweitert worden war.

Aus dem Malerei wurde nichts

Denn eigentlich wollte der Gast in der Abgeschiedenheit auf den Spuren Caspar David Friedrichs wandeln und an der von urwüchsigen Eichen gesäumten Küste selbst einmal zu Wasserfarben und Zeichenpinsel greifen. Charles sei ein hervorragender Maler, hatte Vogtmann damals uns Journalisten erzählt. Doch die Staffelei wurde nicht am Vilmer Strand aufgestellt. Stattdessen reiste Charles schnell weiter.

Nach einem Abstecher zu dem mecklenburgischen Landgut Dalwitz von Heinrich Graf von Bassewitz, wo er sich einen Überblick über die ökologische Tierhaltung und Landwirtschaft verschaffte, ging es nach Berlin.

König Charles III., der im Herzen wohl ein bisschen ein Bauer ist, dürfte Vorpommern recht gut kennen. Denn schon sieben Jahre vor seinem Aufenthalt auf Vilm hatte der damalige Prince of Wales das abgelegene Ökodorf Krummenhagen in der Nähe von Stralsund besichtigt. In dem 700 Jahre alten Gut, das nach seinem Verfall von einer ökologischen Beschäftigungsinitiative wiederaufgebaut und betrieben worden war, hatte sich der Gast damals doppelt so viel Zeit genommen wie geplant.

Auch interessant: Anekdoten über Charles: Bier, Magie... und jetzt das Wetter

Gibt es einen erneuten Besucht des neuen englischen Königs?

Während in seiner Heimat die Trennung und bevorstehende Scheidung von Diana die Schlagzeilen beherrschten, informierte sich der vom damaligen Ministerpräsidenten Berndt Seite (CDU) begleitete Thronfolger über das Landleben im alten Pommern. Er ließ sich Käse aus der dorfeigenen Milchwirtschaft reichen, probierte selbstgebackenes Landbrot aus dem Lehmbackofen und inspizierte die Produkte aus der Textil- und Töpferwerkstatt.

Ganz besonders aber hatte sich der auch an Architektur interessierte Adelsgast für die Lehmbauwerkstatt des Ökodorfs interessiert, in der er sich zeigen ließ, wie aus Lehm und Stroh ein „Arme-Leute-Baustoff“ in der Gestalt von Leichtlehmsteinen geformt und gebrannt wurden.

Dass der neue König irgendwann einmal wieder Vorpommern besuchen wird, ist angesichts seiner vielen neuen Verpflichtungen wohl eher unwahrscheinlich, aber auch nicht gänzlich ausgeschlossen. Hierzulande jedenfalls blieb der jederzeit neugierige Charles den Gastgebern in guter Erinnerung.

Mehr lesen: King Charles und Queen Camilla: Vom Skandal- zum Königspaar

zur Homepage

Kommentare (1)

Er war nur zweimal da! Recht gut kennt man eine Gegend, wenn man Jahre dort gelebt hat.