Weiterhin Zugausfälle

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So wütete „Xavier“ in MV und der Uckermark

In der Belliner Straße in Ueckermünde stürzte ein Baum auf den Zaun eines Solarfeldes. Ein Mitarbeiter der Straßenmeisterei begutachtet den Schaden vor Ort.
In der Belliner Straße in Ueckermünde stürzte ein Baum auf den Zaun eines Solarfeldes. Ein Mitarbeiter der Straßenmeisterei begutachtet den Schaden vor Ort.
Christopher Niemann

Einen Tag nach „Xavier” fallen die allermeisten Fernzüge im Nordosten aus. Das Sturmtief hat sieben Menschen das Leben gekostet und eine Spur der Verwüstung hinterlassen.

Reisende und Pendler müssen auch einen Tag nach Sturmtief „Xavier” mit Zugausfällen, erheblichen Verspätungen und langen Wartezeiten an Bahnhöfen rechnen. Die Einstellung des Verkehrs im Norden und Nordosten Deutschlands am Donnerstag könne sich auch auf das bundesweite Netz der Bahn auswirken, sagte ein Sprecher.

Für die Reisenden im Norden und Nordosten werde es nach Angaben der Bahn „größtenteils” keine Züge im Fernverkehr geben. So kann zwischen Schwerin und Hamburg kein Zug fahren. Auch die Schnellstrecke Berlin-Hamburg ist noch blockiert, wie ein Bahnsprecher in Berlin sagte. Dort seien 15 Bäume ins Gleisbett gestürzt, die zum Teil auch Oberleitungen mitrissen. Zwischen Ludwigslust und Schwerin ist die Strecke ebenfalls noch nicht befahrbar.

Der Sprecher rät Reisenden deutschlandweit, sich über Ausfälle und Verspätungen zu informieren. Züge fahren zwischen Rostock und Schwerin, Rostock und Neustrelitz sowie Rostock und Stralsund, wie es hieß. Auch die Rostocker S-Bahn sei wieder in Betrieb.

Zugausfälle in Neubrandenburg

In Neubrandenburg etwa entfällt die Zugverbindung nach Berlin, denn vor allem auf der Strecke nach Neustrelitz hat der Sturm zahlreiche Schäden angerichtet. Wer von Neubrandenburg in Richtung Hamburg möchte, kommt bis nach Bützow. Dort ist dann aber ersteinmal Schluss. Wie es von hier weitergeht, konnte die Bahn noch nicht sagen. Es gibt keinen Schienenersatzverkehr.

Die Bahn hat vereinzelt Züge rausgeschickt, um die Strecken zu kontrollieren. Am Bahnhof von Neubrandenburg sind mehrere Menschen aufgrund der Zugausfälle gestrandet. Wann der Bahnbetrieb wieder normal laufen wird, ist noch völlig unklar.

Auswirkungen bis zum Wochenende möglich

Der Sturm legte am Donnerstag nicht nur den Fernverkehr lahm. Auch die öffentlichen Netze von Großstädten wie Berlin oder Hamburg waren beeinträchtigt. Die Bahn hatte am Donnerstag wegen des Sturms den Zugverkehr in mehreren Regionen eingestellt. Es sei nicht auszuschließen, dass es auch am Wochenende noch Auswirkungen auf den Verkehr gebe, hieß es.

Seit Donnerstagabend stehen auch die Räder bei der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) still. Strecke RB 12 von Templin nach Berlin wird nicht bedient.

Mindestens sieben Menschen sterben

Das Sturmtief hatte am Donnerstag mindestens sieben Menschen in Deutschland das Leben gekostet. Am späten Abend entspannte sich zumindest die Wetterlage. Beim Verkehr ist eine Beruhigung der Situation noch nicht absehbar. Notrufe kamen im Minutentakt in der Rettungsleitstelle in Neubrandenburg herein.

14 Mal rückten die Neubrandenburger Feuerwehren nach Alarmierungen aus. Auf dem Engelsring auf Höhe des Schwanenteichs fiel ein Baum auf ein Auto. Zum Glück ist dabei niemand verletzt worden. Die Dörfer Alt Rhese und Wustrow am Tollensesee waren auch am Freitagvormittag noch ohne Strom. Ein Pressesprecher der zuständigen E.dis teilte mit, dass man noch dabei sei, alle Ausfälle zu dokumentieren.

Auf der Fürstenseer Landstraße bei Neustrelitz kippten viele Bäume auf die Straße. Ein Baum krachte auf die Frontscheibe eines Autos. Der Fahrer kam glücklicherweise mit den Schrecken davon.

In zahlreichen Gemeinden und Städten heulten die Feuerwehrsirenen. Dutzende Bäume und hunderte Äste blockierten die Fahrbahnen und Gehwege in der Region und sorgten für mehrere kleine Autounfälle mit niedrigen Sachschäden, teilte unter anderem das Röbeler Polizeirevier am Abend mit.

„Xavier” im Demminer und Strelitzer Land

Das Unwetter bekamen auch die Menschen im Demminer Land zu spüren. Am Nachmittag auf der B110 bei Leppin ein Auto von einem herabfallenden Ast getroffen. Die Fahrerin blieb zwar unverletzt, erlitt aber einen Schock. Zwischen Demmin und Utzedel kippte der Sturm am Nachmittag mehrere Bäume um. Bereits am Mittwochabend wurde ein Teil der kunstvollen Schaufassade des Café Zilm in Demmin losgerissen.

Ausläufer des Orkantiefs „Xavier” streiften auch das Strelitzer Land und richteten Schäden an. In Mirow wurde das Dach der Schulturnhalle abgedeckt, Äste und Bäume stürzten auf Straßen.

Entgegen erster Informationen war die Feuerwehr auch in Wesenberg und Umgebung die ganze Nacht bis in den Morgen hinein im Einsatz.

Einsätze in Vorpommern

Die Polizei in Stralsund meldete indes, dass es in ihrem Bereich keine größeren Schäden gab. Sie ruft aber dazu auf, weiterhin vorsichtig zu fahren.

Die Feuerwehren in Torgelow und Holländerei rückten zu fünf Einsätzen aus. Unter anderem in Torgelow, auf der K12 und in Groß Denzig waren Bäume umgestürzt.

In Ueckermünde stürzte ein Baum auf den Zaun eines Solarfeldes und die Straße nach Zarowmühl stand unter Wasser.

Wegen der starken Regenfälle am Donnerstag und teilweise am Freitag wurden in Strasburg die Sportplätze am Kulturhaus (Foto) und auf der Reuterkoppel gesperrt. Dies gilt vorerst bis kommenden Montag.

Umgestürzte Bäume in der Müritzregion

Für 14 Uhr vom Wetterdienst „angemeldet“, erreichte die Unwetterfront gegen 15.45 Uhr den westlichen Teil der Müritzregion. Die Feuerwehren mussten bei Altenhof, bei Stuer und in Malchow ausrücken. Gleichzeitig fiel in einigen Teilen der Müritzregion der Strom aus.

In Waren fiel ein dicker Ahornbaum über die Fahrbahn. In Grabowhöfe ist vor dem Neubau in der Bahnhofstraße ein großer Baum umgekippt – nur wenigen Minuten zuvor sollen dort noch Kinder gespielt haben.

Für den Bereich Müritz-Elde-Wasserstraße und Störwasserstraße wurde bis zum 10. Oktober (16 Uhr) eine Schifffahrtssperre erlassen. Betroffen ist die Müritz-Elde-Wasserstraße von km 0,0 bis 121,0 (Dömitz bis Plau) und die Störwasserstraße vom Eldedreieck bis Hohen Viecheln. Die Sperrung schließt den gesamten Schweriner Innen- und Außensee ein, inklusive aller Nebengewässer des Schweriner Sees.

Schäden in der Uckermark

Viele Schäden gab es auch in der Uckermark (Live-Ticker vom Donnerstag). In der Nähe des Templiner Kanals stürzte eine etwa sechs Meter hohe Fichte auf ein Privatgrundstück. „Xavier” sorgte dafür, dass große Äste auf den Templiner Straßen für Verkehrsbehinderungen sorgen. Auf der B109 zwischen Templin und Haßleben lagen Bäume auf der Straße. Die Ortseinfahrt Lindenhagen war durch eine Tanne versperrt. Insgesamt hatte die Templiner Feuerwehr allein bis kurz vor 22 Uhr 400 Einsätze im Stadtgebiet und in den Ortsteilen zu bewerkstelligen.

In Schönwerder, Dedelow, Storkow sowie dem Dörfchen Wichmannsdorf fiel der Strom aus. Hier hat auch ein Baum ein Haus knapp verfehlt. Auf der L256 zwischen Milow und Werbelow versperrte ein Baum die Straße. Auf der Autobahn 11 am Kreuz Uckermark in Richtung Berlin legte sich ein Lkw quer. In Neu Placht fiel der Strom aus. Vor der Gemeindeverwaltung in Boitzenburg krachte ein Baum auf ein Auto einer Mitarbeiterin. Das Trekkertreffen in Boitzenburg fällt aus, weil ein umstürzender Baum die Stromversorgung gekappt hat.

Der Veranstaltungsort in Wolfshagen gleicht einer Feuchtwiese und kann nicht befahren werden. Der Feuerwehrausscheid der Gemeinde Uckerland fällt deshalb aus.

Der Sturm hat das Flachdach eines Mehrfamilienhauses in Schwedt extrem beschädigt. Große Teile des Bitumendaches wurden durch den Orkan abgehoben und knallten auf die andere Dachhälfte. Ein Video von der brenzligen Situation in Schwedt finden Sie hier.

Die Brandenburger Polizei meldete am Freitagvormittag in einer aktuellen Gesamtbilanz insgesamt 800 Einsätze und 5300 Notrufe.

35.000 Kunden ohne Strom

In Westmecklenburg waren am Freitagmorgen noch immer 10.000 Kunden ohne Strom. Vor allem Kunden im Umland von Hagenow und im Raum Brahlstorf-Vellahn-Boizenburg (Landkreis Ludwigslust-Parchim) sowie in der brandenburgischen Prignitz jenseits der Bundesländer-Grenze seien betroffen, teilte der Energieversorger Wemag in Schwerin mit. Das Unternehmen sei mit allen verfügbaren Kräften im Einsatz, um die Störungen so schnell wie möglich zu beseitigen und die Versorgung wieder herzustellen. Am Donnerstag waren zeitweise 35.000 Kunden ohne Strom.

Mecklenburg-Vorpommerns größter Landschaftspark, der 120 Hektar große Schlosspark Ludwigslust, wurde aufgrund der schweren Sturmschäden gesperrt. Zahlreiche Bäume wurden hier entwurzelt, Wege sind durch abgeknickte Äste blockiert.

Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert.

Sturmtief „Xavier“ fegte mit Windstärken von 9 bis 11 über den Nordosten. Nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia auf der Insel Hiddensee wurden die Spitzenwerte in Lübz mit Windgeschwindigkeiten von 111 Kilometer pro Stunde (Windstärke 11) erreicht.