KOMMENTAR

Der Terz mit den Gelben Tonnen geht schon jetzt auf den Gelben Sack

Die Gelben Säcke sind passé, die Gelben Tonnen kommen. Eine gute Idee? Unsere Kommentatoren Jörg Franze und Jürgen Mladek sind da ganz unterschiedlicher Ansicht.
Gelber Sack oder Gelbe Tonne, das ist hier die Frage (Symbolbild).
Gelber Sack oder Gelbe Tonne, das ist hier die Frage (Symbolbild). Marijan Murat
Neubrandenburg.

Jörg Franze meint:

Sack oder Tonne – das ist hier die Frage! Ist es edler, die leere Fischbüchse oder die ausgetrunkene Orangensaft-Packung in die Tonne zu kloppen? Wo doch jahrelang der Sack seine Pflicht und Schuldigkeit tat und derlei Verpackungsmüll Aufnahme bot?

Na gut, weniger Drama: Politik und Entsorger in der Mecklenburgischen Seenplatte haben entschieden, dass nun Schluss ist mit herumkullernden, reißenden Säcken an den Straßenrändern. Zum neuen Jahr kommt die Tonne für alle Haushalte. Aber ist das wirklich ein Fortschritt?

Mehr lesen: Keine Gelben Säcke mehr – Jetzt kommen die Gelben Tonnen.

Verleitet der feste, undurchsichtige, gelbe Behälter nicht doch den einen oder anderen, Dinge dort zu entsorgen, die er in den durchsichtigen Sack niemals hinein getan hätte? Und wo bisher nach Bedarf vor den Häusern ein, zwei oder auch mal fünf Säcke lagen, kann der Entsorger künftig im Normalfall wohl viel Luft aus den großzügig dimensionierten Tonnen kippen. Während nach Partywochenenden hingegen Verpackungen auch mal im falschen Eimer landen dürfte, wenn die Tonne nicht ausreicht.

Die Frage der Hygiene wird künftig auch vollends dem Kunden überlassen. Während bisher grob abgespülte Verpackungen in den Sack und später in den großen Wagen geschmissen wurden, kommt jetzt der Abwasch nach dem Abwasch, um die eigene gelbe Tonne nicht allzu stark zu verdrecken. Schließlich will man ja nicht den Nährboden für neue Spezies vor der eigenen Haustür bieten. Die Umweltbilanz ist dabei egal.

Ganz ehrlich: Der Terz mit den Tonnen geht mir jetzt schon auf den Sack.

Jürgen Mladek hält dagegen:

Es gibt Dinge, da gibt es zwei Meinungen. Nehmen wir zum Beispiel Strohpressen: Da fährt man so übers Land und sieht auf dem einen Acker riesige runde Strohballen, auf dem Nachbaracker hat sich der Landwirt hingegen eine teure Strohpresse gegönnt, die herrliche Quader fabriziert. Die kann man wunderbar stapeln, die Vorteile der runden Ballen dagegen sind – keine Ahnung, aber da gibt es bestimmt welche. Rund oder eckig, darüber kann man also mit Sicherheit nächtelang streiten, wenn man Landwirt ist.

Beim gelben Sack hingegen gibt es nur eine Meinung: Weg damit! Die Dinger zerreißen, sobald man sie nur scharf anschaut, wenn sie auf der Straße herumliegen, sieht es aus wie in Kalkutta, und wenn sie dann gerissen sind wegen Waschbär, Katzen etc. erst recht.

Mehr lesen: Keine gelben Säcke mehr in der Seenplatte

Ich hab zwar keine Ahnung, wie es in Kalkutta wirklich aussieht, aber ich will es mir auch nicht vorstellen, das Elend mit den gelben Säcken in unseren Städten reicht mir schon. Dagegen so eine gelbe Tonne: Formschön, stabil und farblich eine wunderbare Ergänzung zur blauen und schwarzen Tonne. Und eines nicht fernen Tages, wenn die Grünen in der Bundesregierung sind und wir den Müll noch grüner trennen, kann man die gelbe Tonne sogar recyceln und grün anmalen oder gleich in allen Farben des Regenbogens!

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Kommentare (5)

Ich frage mich, weshalb jeder Haushalt eine eigene Tonne haben muss? In den Wohngebieten mit großen Wohnblocks genügen doch auch ein paar große Müllcontainer an bestimmten Sammelstellen. Es hat doch auch nicht jeder Haushalt eine eigene Glastonne.

... im Verbrennungsofen landet (Stromproduktion durch Müll), ist die Frage ob Sammeln über Sack oder Tonne keine weltbewegende Angelegenheit.

Abfälle und Glascontainer sind völlig ausreichend. Der Müll kommt in eine Sortieranlage, was nicht recycelt werden kann wird verbrannt zur Strom und Wärmegewinnung - siehe Japan - sollten doch unsere Ingenieure noch gebacken bekommen. Alles andere ist nur politische Geldschneiderei und Drangsalierung der Bevölkerung und hat mit umweltbewusstem Verhalten gar nichts zu tun. Internationaler technischer Fortschritt sieht anders aus!!!

Das wird auch Zeit.
Das überhaupt irgendwelche Vorteile zu Gunsten der Säcke herbei fabuliert werden, erschließt sich mir nicht mal ansatzweise...
#Mladek: Was sich mir auch nicht erschließt, ist dieser dispektierliche Nebensatz von Ihnen bezüglich der Regenbogenfarben. Stehen diese nicht für Vielfalt, Toleranz und Freiheit? Oder nehme nur ich hier einen süffisanten Subtext wahr?
Ich hoffe, mich zu täuschen.
Shalom

Pro gelbe Tonne!
Wünschenswert wäre es, weniger Plastikmüll zu verursachen. Sonst sieht es aus wie in Dandora, auch wenn ich dort noch nicht war.
In den trüben Säcken ist oft auch nicht nur das, was da rein gehört.