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Deutlich höhere Bahn-Nutzung bei besserem Angebot möglich

Der Schienenverkehr hat laut einer neuen Studie in MV großes Potential.
Der Schienenverkehr hat laut einer neuen Studie in MV großes Potential.
Stefan Sauer

Die Grünen halten nichts von Rückzugsgefechten beim Thema Bahn-Nahverkehr in Mecklenburg-Vorpommern. Sie meinen, dass mehr möglich ist und haben eine Studie dazu vorgelegt.

Die Nutzung der Bahn in Mecklenburg-Vorpommern kann einer Studie zufolge im Nahverkehr um bis zu 48,5 Prozent gesteigert werden. Voraussetzung sei ein verbessertes Angebot, sagte Michael Holzhey von der ETC Transport Consultants GmbH (Berlin) am Freitag in Schwerin bei der Vorstellung der Studie, die von der Landtagsfraktion der Grünen in Auftrag gegeben worden war. Eine der wichtigsten Änderungen müsse sein, dass die Nahverkehrszüge stündlich verkehren und so organisiert werden, dass die Umsteigzeiten nur wenige Minuten betragen. Das verkürze Reisezeiten und steigere die Attraktivität.

Allerdings halten die Experten erhebliche Investitionen für nötig, um bestehende Strecken im Land für höhere Geschwindigkeiten auszubauen und stillgelegte Verbindungen wiederzubeleben. Die Kosten werden mit bis zu 665 Millionen Euro angegeben. Darin eingeschlossen ist der Wiederaufbau der Karniner Brücke zur Insel Usedom, die in der Schätzung allein mit 100 bis 250 Millionen Euro zu Buche schlägt. Der Ausbau der Strecke Berlin-Pasewalk-Stralsund auf Tempo 160 wird mit 100 bis 150 Millionen Euro veranschlagt. Der Wiederaufbau einer touristischen Bahn zwischen Barth und Prerow würde demnach etwa 35 Millionen Euro kosten.

MV zahlt pro Kilometer am meisten

Die Investitionen seien für ein attraktives Nahverkehrsangebot nötig, sagte Holzhey. Dazu gehöre auch die Wiederinbetriebnahme der 2015 aufgegebenen Südbahn zwischen Parchim und Malchow. Sie war wegen zu geringer Fahrgastzahlen durch eine Busverbindung ersetzt worden.

Grünen-Fraktionschef Jürgen Suhr forderte ein „vorausschauendes, innovatives und mutiges Regierungshandeln“, um den Bahnverkehr deutlich zu verbessern. „Vor dem Hintergrund der Diskussionen um die Regionalisierungsmittel führt die Landesregierung jedoch eine Angstdebatte um zukünftig sinkende Bundeszuweisungen“, kritisierte er. Das Land bestelle vorsorglich Bahnstrecken in der Fläche ab und horte gleichzeitig Bundesmittel für schlechte Zeiten. Das sei eine falsche und für das Land schädliche Weichenstellung.

Suhr sprach sich auch für mehr Wettbewerb auf der Schiene aus. Mecklenburg-Vorpommern zahle zuviel, sagte er. Das Land zahle derzeit pro bestelltem Kilometer Zugleistung 10,88 Euro an die Bahndienstleister und gehöre damit deutschlandweit zu den Spitzenreitern bei den Kosten.