LOHN UND RENTE

Deutschland sitzt auf einem Pulverfass

Lassen Sie uns offen über Geld sprechen: Reicht Ihr Einkommen zum Leben? Wie sicher ist Ihr Job? Wie gerecht geht es in Deutschland zu? Ihre Meinung zählt!
In Ostdeutschland arbeitet ein Drittel aller beschäftigten im Niedriglohnsektor.
In Ostdeutschland arbeitet ein Drittel aller beschäftigten im Niedriglohnsektor. Sophia Kembowski
Die Zahl der Rentner, die Grundsicherung erhalten, soll sich innerhalb von 15 Jahren von 3 auf 30 Prozent verzehnfachen.
Die Zahl der Rentner, die Grundsicherung erhalten, soll sich innerhalb von 15 Jahren von 3 auf 30 Prozent verzehnfachen. Sophia Kembowski
Neubrandenburg ·

Deutschland sitzt auf einem Pulverfass und die ostdeutschen Bundesländer sind die Lunte. Wenn man die Entwicklungen der Löhne, Renten und der Vermögensstruktur in deutschen Haushalten insbesondere in den neuen Ländern betrachtet, dann ist das eine zutreffende Zustandsbeschreibung.

Was genau geht hier vor sich? Worauf müssen wir uns in den kommenden Jahren einstellen? Reichen unsere Gehälter und Renten zukünftig noch zum Leben? Hält der Sozialstaat diesem enormen Druck überhaupt Stand? Und was passiert mit uns allen in dieser neuen Welt, wenn das Versprechen von Wohlstand und Freiheit für alle nicht mehr eingehalten werden kann?

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Diesen Fragen wird der Nordkurier in den kommenden Wochen nachgehen. Und dafür möchten wir Sie einladen, uns Ihre Geschichte zu erzählen. Lassen Sie uns offen über Geld sprechen: über Ihren Lohn, Ihre Rente, Ihre Arbeitsbedingungen, Ihre Sorgen und Hoffnungen für die Zukunft. Reicht Ihr Einkommen zum Leben? Wie sicher ist Ihr Job? Sind Sie alleinerziehend und fühlen sich alleingelassen? Sorgen Sie sich um ihre Rente? Sie können dabei selbstverständlich anonym bleiben.

Jeder dritte Ostdeutsche in prekärem Arbeitsverhältnis

Sie können sich sicher sein, dass Sie nicht alleine sind. Selbstverständlich gibt es auch in Ostdeutschland viele gut bezahlte Jobs. Doch gleichzeitig wächst der Anteil von Arbeit im Niedriglohnsektor. Davon spricht man, wenn der Verdienst weniger als zwei Drittel des durchschnittlichen Bruttoeinkommens beträgt. Die Grenze liegt derzeit bei ungefähr 11,50 Euro pro Stunde, also noch deutlich über dem Mindestlohn von 9,50 Euro.

Deutschland hat den größten Niedriglohnsektor in Westeuropa, in der EU sind nur die Arbeitnehmer in ein paar osteuropäischen Ländern schlechter dran. Mehr als 20 Prozent aller Beschäftigten arbeiten bundesweit in prekären Arbeitsverhältnissen.

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In Ostdeutschland ist der Anteil dieser Arbeitnehmer noch höher: Laut einer Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen arbeiten in Mecklenburg-Vorpommern 33,9 Prozent und in Brandenburg 31,1 Prozent der Beschäftigten im untersten Lohnsegment. Auch in Thüringen (34,1), Sachsen-Anhalt (32,9) und Sachsen (32,5) ist etwa jeder dritte Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor beschäftigt.

Neue Länder befinden sich in einem Teufelskreis

Dadurch entsteht ein Teufelskreis: Schlechtere Löhne und unsichere Arbeitsverhältnisse führen zu niedrigeren Renten. Diese sind in Ostdeutschland aufgrund der vielen unterbrochenen Erwerbsbiografien in den 1990ern und 2000ern ohnehin geringer als im bundesdeutschen Vergleich.

Die materielle Gesamtsituation wiederum führt zu einer gebremsten Konsumfreudigkeit und weniger Investitionen im Osten, worunter insbesondere die Unternehmen leiden. Das wiederum wirkt sich auf dem Arbeitsmarkt aus – weniger Jobs, schlechtere Löhne.

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Der demografische Wandel tut sein Übriges: Schon heute kommen auf 100 Beitragszahler 57 Rentner. Das reicht nicht aus, um die Renten zu stemmen: Im Jahr 2019 musste der Bund 90 Milliarden Euro aus Steuergeldern zuschießen. In 10 Jahren werden es nach Zahlen des Instituts der Deutschen Wirtschaft aber schon 67 und im Jahr 2050 sogar 77 Rentner auf 100 Arbeitnehmer sein.

Die Folge: Die Beiträge müssen steigen, wodurch Arbeit unattraktiver wird. Gleichzeitig sinkt das Rentenniveau bei steigenden Steuern und Sozialabgaben auf die Rente, weswegen immer mehr Rentner die Armutsgrenze unterschreiten werden. Nach Hochrechnungen der Gewerkschaft Verdi wird sich die Zahl der Rentner, die von der Grundsicherung leben, zwischen 2015 und 2030 verzehnfachen – von damals 3 auf dann 30 Prozent. Die Dunkelziffer jener älteren Menschen, die aus Angst und Scham keine staatliche Unterstützung beantragen, ist hier noch nicht einmal eingerechnet.

Wo soll das noch hinführen?

Die Veränderungen in der Arbeitswelt, in der Automatisierung, Digitalisierung und Globalisierung voranschreiten, werden diese Situation in den kommenden Jahren noch verschlechtern. Gleichzeitig leben wir in einer Welt der sozialen Medien, in der sich unzufriedene, wütende und verzweifelte Menschen in Echtzeit austauschen und organisieren können.

All dies lässt nur einen Schluss zu: Deutschland sitzt auf einem Pulverfass und braucht gute, nachhaltige Ideen, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Schreiben Sie uns – und werden Sie Teil dieser Entwicklung!

Kontakt: Carsten Korfmacher unter [email protected]

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Kommentare (10)

Solange sich der Staat schamlos an den Gehältern und Renten ,pp weiter bereichert und nur bestimmte Gruppen ausreichend berücksichtigt,ist dieser Regierung nicht mehr wählbar. Anstatt die ganze Welt retten zu wollen,sollte der Staat an das eigene Volk denken und alle Steuern drastisch senken.

Alle Steuern senken ist immer so einfach gesagt. Strassenbau, öpnv, Schulen, kindergärten, soziale einrichtungen etc pp werden alle durch Steuergelder finanziert. Senken sie die Steuern, wer finanziert obige? Privatfinanziers? Was dabei herraus kommt, sehen sie z.b. bei den Krankenhäusern. Die Steuern müssten in einigen Bereichen hoch. Warum werden Hochverdiener im Gegensatz zu Geringverdiener Singles weniger besteuert? Wer in der BRD viel hat, muss weniger zahlen wer wenig hat muss mehr zahlen.

leben im besten Deutschland, das es jemals gegeben hat."
F.-W. Steinmeier

Fragt sich nur, wen er mit "Wir" meint?
Geld verdien' ich ja genug. Nur greift der Staat sehr gierig zu...

Der dt. Sozialstaat ist ein weiteres Beispiel für das Versagen der Regierung Merkel. Mein Geld würde gut reichen, wenn die hohen Steuern nicht wären. Vorsorge wäre dann kein Problem. Die staatlichen Umverteilungsphantasien der 50er Jahre sind nicht mehr zeitgemäß.

Der Staat sollte sich auf seine Kernaufgaben beschränken und nicht versuchen jeden Winkel des Lebens zu kontrollieren.

...das Problem ist, dass die Oberen/Regierenden/Vorstände/Gesellschafter, die gewählten Regierenden, die Banken, besonders die amtierenden Politiker fast alle nicht mehr den Blick nach unten/hinten haben und das Volk, die Masse eben sehen. Jeder denkt dort oben nur dran - noch höher zu kommen. Korruption und Betrug ist dazu willkommen. Von oben her "ducken", aber nach unten - mächtig "treten". So gesehen befinden wir uns in einem Kampf und nicht in einer gesellschaftlichen Gesamtentwicklung. Tja, und das Problem des Volkes - wen soll man wählen? Kurz gesagt, keiner der derzeitigen Parteien kann und will es, jede hat andere utopische Vorstellungen und ist unfähig eine gerechte Politik und Sichtweise aufzuzeigen. Ich sehe immer mehr bürgerkriegsähnliche Tendenzen, besonders jetzt - wo das Geld in Milliardenhöhe verteilt wird, in den nächsten Jahren ist Zahltag angesagt, alle werden noch mehr bluten müssen, die da oben nicht, die haben es und holen es sich noch, so wie die Hamster!

eines der besten Gesundheitssysteme der Welt, niemand muss hungern und frieren, über 90% der Weltbevölkerung geht es schlechter als uns. Krieg, Vertreibung, Terror, hohe Kindersterblichkeit usw. kennen wir nicht. Und trotzdem wird gejammert, was das Zeug hält! Man muss nur sein pommersches Dorf verlassen, um zu begreifen, wie gut es uns geht.

es auch in Deutschland hungernde und frierende Menschen gibt - unsere Kriege außerhalb unserer eigenen Grenzen geführt werden.
Wohlstand hat wenig mit Glücklichsein zu tun. Glücklich zu sein ist extrem abhängig von Freiheit. War in Haiti (ein Patenkind), Guinea-Bissau (zwei Patenkinder), Tibet, Costa-Rica, Brasilien, Peru, Indien, China......
Solch eine Lebensfreude, wie sie diese Menschen haben, erlebe ich in Deutschland nicht. Seit Corona überlege ich immer häufiger diese ehemalige Demokratie zu verlassen, noch geht es. Hier wird nur funktioniert, woanders gelebt.
Glaube Ihr pommersches Dorf verlassen Sie nur mit der Fernbedienung. Um die Realität zu erleben, reichen keine Filme und Bilder.

...wir sind aber jetzt auf dem absteigendem Ast, und gefragt wird ja nach Schadensbegrenzung und wie wird es zukünftig, ...und genau das ist das Problem, unsere bisherigen Standards und Werte sausen langsam immer mehr bergab

sondern von den Regierungen!

schon lange erkennbar. Da sollen Menschen die mit Ihrem Lohn gerade so rumkommen Rücklagen für die Rentenlücke bilden. Wie soll das gehen?. Da werden Millionen Menschen ,die nie einen Cent eingezahlt haben vom Sozialstaat versorgt. Wo soll das Geld herkommen? Da wird Kindergeld für Erntehelfer nicht in Höhe der Herkunft Länder, sondern wie in Deutschland gezahlt warum eigentlich? Da werden Länder unterstützt wo die Spareinlagen der Bürger um ein vielfaches höher sind als in Deutschland. Da werden teure Auslandseinsätze der Bundeswehr finanziert und im Verbund mit den USA weiter Flüchtlinge produziert. Noch kann der Staat wie in einem Kommentar gesagt gierig zu greifen aber wie lange noch? Da sehe ich genau ECKE33 Bürgerkriegs ähnliche Tendenzen im Verteilungskampf der Zukunft. Wenn die einen nicht mehr können und die anderen nicht mehr wollen.