FACHKRäFTEMANGEL

DGB ermahnt Unternehmer in MV

Studien zeigen die Lohnunterschiede zwischen Ost und West deutlich. Für die Gewerkschaften ist klar: Die Unternehmen im Land müssen ihren Widerstand gegen Tarifverträge aufgeben.
dpa
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat die Unternehmer in Mecklenburg-Vorpommern ermahnt, den Widerstand gegen Tarifverträge aufzugeben.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat die Unternehmer in Mecklenburg-Vorpommern ermahnt, den Widerstand gegen Tarifverträge aufzugeben. Christoph Schmidt
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Schwerin.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat die Unternehmer in Mecklenburg-Vorpommern ermahnt, im eigenen Interesse den Widerstand gegen Tarifverträge aufzugeben und als Grund den zunehmenden Fachkräftemangel genannt. „Die Arbeitgeber sägen da an dem Ast, auf dem sie sitzen”, sagte der Vorsitzende des DGB Nord, Uwe Polkaehn.

Gute Leute gingen nur in gute Betriebe mit guter Arbeit und guten Löhnen. „Ich verstehe überhaupt nicht, dass die Unternehmensverbände nicht längst in eine Kampagne für Tarifbindung eingestiegen sind. Nur so wird man qualifiziertes Personal in Mecklenburg-Vorpommern halten und zurückholen können”, betonte Polkaehn.

Er reagierte damit auf zunehmende Klagen der Wirtschaft über fehlende Fachkräfte und jüngste Studien, die erneut den eklatanten Ost-West-Lohnunterschied deutlich machten und kein Ende der Pendlerströme erkennen ließen. Dem vom Internetportal „Gehalt.de” auf Basis von knapp 500.000 Vergütungsdaten aufgestellten Gehaltsatlas 2019 zufolge hängt Mecklenburg-Vorpommern weiterhin im bundesdeutschen Lohnkeller fest.

MV 24 Prozent unter Bundesdurchschnitt

Ein Arbeitnehmer im Nordosten kommt demnach im Durchschnitt auf einen jährlichen Bruttoverdienst von 34.155 Euro. Das liegt 24 Prozent unter dem bundesweiten Durchschnitt von etwa 45.000 Euro und 33 Prozent unter dem Spitzenverdienst, den Beschäftigte mit 51.345 Euro in Hessen erzielen. Berechnungen des Statistischen Amtes in Schwerin zufolge hinkten die Bruttolöhne in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2017 mit damals 27.520 Euro knapp 20 Prozent hinter dem Bundesdurchschnitt her.

Jüngste Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigten zudem, dass die Zahl der Pendler aus Mecklenburg-Vorpommern weiter zugenommen hat. Für Polkaehn kommt diese Entwicklung nicht überraschend. In den benachbarten Bundesländern habe eine höhere Tarifbindung der Unternehmen auch höhere Löhne zur Folge. In Mecklenburg-Vorpommern gelte nur in 23 Prozent der Betriebe ein Tarifvertrag. „Das bedeutet: Es ist nur eine Minderheit der Beschäftigten, die durch einen Tarifvertrag geschützt wird”, konstatierte Polkaehn.

Deshalb wollten die Gewerkschaften auch im „Zukunftsbündnis MV”, das am 4. März erstmals in Schwerin zusammenkomme, mit den Sozialpartnern und der Landesregierung über Projekte verhandeln, die das Land nach vorn bringen. „Wir als Gewerkschaften setzen uns natürlich dafür ein, die Tarifbindung im Land zu erhöhen”, machte Polkaehn deutlich. Hilfreich sei, dass die Landesregierung 2018 ihre Wirtschaftsförderung an eine tarifgleiche Entlohnung gekoppelt habe.

Unterstützung von Linksfraktion

Für die anstehenden Tarifverhandlungen in zahlreichen Branchen sieht Polkaehn gute Möglichkeiten für eine deutliche Ost-West-Angleichung. „Die Wirtschaftsdaten und Wertschöpfungsraten geben es allemal her, dass auch im Osten die Arbeitnehmereinkommen deutlicher wachsen als bisher”, betonte er. „Die Beschäftigten wollen einen größeren Schluck aus der Pulle, und das völlig zurecht.”

Unterstützung bekommt der DGB von der Linksfraktion im Landtag. Ihr Arbeitsmarktexperte Henning Foerster hält spürbare Lohnsteigerungen ebenfalls für die entscheidende Stellschraube, um Fachkräfte für die Firmen im Land zu gewinnen. „Ohne ein Umdenken der Wirtschaft und ohne eine aktive Landes- und Bundesregierung, die Beschäftigte vor Lohndumping schützt, wird es in absehbarer Zeit keine Angleichung der Löhne in der Privatwirtschaft geben”, zeigte sich Foerster sicher.

Unverbindliche Erklärungen im neuen „Zukunftsbündnis MV” nützten nichts. „Die Unternehmerverbände müssen endlich Nägel mit Köpfen machen und mit ihren Verbänden klare Positionen im Sinne guter Arbeit und guter Entlohnung beziehen”, forderte er.

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