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Die A20 ist der BER des Nordens

Die Autobahn 20 in Mecklenburg-Vorpommern in kein Glanzstück der Baukunst. Ihr Absturz ins Moor ist nur der krachende Beweis, dass zu viel im Argen liegt. Ein Kommentar.

Was ist hier passiert? Fachleuten begutachtet das abgesackte Teilstück der A20 bei Tribsees.
Bernd Wüstneck Was ist hier passiert? Fachleuten begutachtet das abgesackte Teilstück der A20 bei Tribsees.

Vor rund einer Woche war die A20 bei Tribsees noch teilweise gesperrt, die Brücke über das Trebeltal war abgesackt. Am Montag ist sie auf einer Fahrbahn komplett eingestürzt. Es sieht aus, als hätte es dort ein Erdbeben gegeben.

Was in Wirklichkeit am Werk war, ist eine Fehlplanung beim Bau der A20. Sicher, eine Brücke über ein Moor zu bauen stellt einige Anforderungen an die Konstruktion. Das hat auch schon die abgesackte A20 in Schleswig-Holstein gezeigt. Aber machbar ist es. Allerdings gilt für die A20 auf großen Teilen der Strecke: Machbar ist viel, umgesetzt wird: wenig.

Reißt die A20 ein und baut sie neu!

Der Einsturz der Brücke über das Trebeltal ist nur die Spitze des Eisberges, was auf beeindruckend krachende Weise klarmacht, dass die Autobahn offenbar an einigen Stellen mangelhaft konstruiert ist. Bei Jarmen gibt es derzeit eine Großbaustelle. Besonders zwischen Neubrandenburg und Pasewalk gleicht die Fahrbahn einem Flickenteppich, dass Motorräder auf Tempo 100 begrenzt werden. Bei Rostock muss das Kreuz A19 – A20 erneuert werden, bei Lübeck das Kreuz A1 – A20. Und das sind nur die aktuellen Beispiele, wie auf dieser Übersicht des Informationsportals verkehrslage.de auf den ersten Blick zu sehen ist.

Baustellen entlang der A20

Seit Jahren wird auf der A20 eine Baustelle aufgemacht, wenn andernorts eine geschlossen wurde. Wie beim BER. Und selbst bei dem Prestigeprojekt Hauptstadtflughafen gibt es Stimmen, die es aus wirtschaftlicher Sicht effizienter halten, die Dauerbaustelle abzureißen und – richtig geplant – neu zu bauen.

Bei Baukosten von rund 1,64 Milliarden Euro für die komplette A20 könnte man auch darüber nachdenken. Auch beim Berliner Großflughafen sind die Kosten mit der Zeit explodiert. Bisher sieht es nicht danach aus, als könnte man die Flickenteppiche auf der A20 in den Griff bekommen.

Defizite der A20

  • Die Trebeltalbrücke versinkt im Moor
  • Peenetalbrücke hat massive Schäden
  • Fahrbahnerneuerung auf Abschnitt nahe Pasewalk
  • Bauarbeiten an Anschlussstelle Strasburg
  • 2005: Rund ein Jahr nach Fertigstellung musste auf dem westlichen Teilstück der A20 der Fahrbahnbelag neu überzogen werden. Der ursprüngliche "Brüllbeton" war zu laut.
  • 2006: Zwischen Lübeck und Schönberg warf der Fahrbahnbelag bei Hitze bis zu 30 Zentimeter hohe Blasen. Der Asphalt musste saniert werden, zuvor wurden Tempobeschränkungen eingeführt. Auch 2009 hatte es deshalb mehrfach Tempobeschränkungen gegeben.
  • 2010: Die Prognose, wie stark die A20 ausgelastet werden soll, sah rund 40.000 Fahrzeuge im östlichen und 60.000 Fahrzeuge im westlichen Abschnitt vor. Tatsächlich lagen die Auslastung mit 11.840 (Ost) und 30.000 (West) deutlich darunter.
  • 2012: Die A20 zwischen Grevesmühlen und Schönberg (Nordwestmecklenburg) brauchte auf sieben Kilometern neuen Asphalt. Die Fahrbahndecke wies laut Infrastrukturministerium starke Risse und Ausbrüche auf.
  • 2014: Zwischen Strasburg und Pasewalk musste die Fahrbahn saniert werden. Ein Garantiefall, die Baufirma musste für die reparatur des zwölf Jahre alten Teilstücks zahlen.
  • 2016: Gut 18 Jahre nach der Eröffnung des ersten A20-Teilstücks war die Fahrbahndecke zwischen dem Autobahnkreuz Wismar und der Anschlussstelle Bobitz so verschlissen, dass sie erneuert werden musste.

*Die Liste enhält nur Beispiele und hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

 

Kommentare (3)

Eine komplette Autobahn abreißen und neu bauen. Welch ein Blödsinn. Im Gegensatz zum BER ist die A 20 in Betrieb gegangen.

Wurde vor Baubeginn nicht die Beschaffenheit des Boden überprüft und ausgewertet,des weiteren werden doch regelmäßig Proben vom Beton und anderen Materialien genommen. Deswegen ist es mir unverständlich,wieso diese AB nach so kurzer Zeit auseinander gebrochen ist. Vielleicht kann mir das jemand einmal erklären,was dort schief gelaufen sein kann.

und keiner weiss warum", schreibt der Blick - die Bild-Zeitung der Schweiz - über die eindrucksvollen und zugleich erschreckenden Bilder von der A20 bei Tribsees. Ein Bodengutachter soll das betroffene Teilstück untersuchen.