Abzocke grassiert

Die fiesen Tricks der Telefonbetrüger

Sie rufen an und versprechen tolle Gewinne – tatsächlich wollen sie aber nur an die Ersparnisse ihrer Opfer. Mit dieser Masche erbeuten Kriminelle deutschlandweit Millionen. Fälle gibt es auch in MV und Brandenburg.
Neubrandenburg

Die Abzocke beginnt immer mit einer frohen Botschaft und endet für den Betroffenen oft in einer finanziellen Katastrophe: So ist es auch bei Erna W.* (Name geändert) aus der Nähe von Anklam gewesen. „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben 83  000 Euro gewonnen...“, erzählte ihr ein angeblicher Notar am Telefon. Wenig später meldete sich ein falscher Bankmitarbeiter und versprach das Geld umgehend zu überweisen. Es gebe nur einen kleinen Haken: Weil der Geldgewinn auf einem türkischen Bankkonto liege, müsse sie Steuern in Höhe von fünf Prozent bezahlen. Erna W. überwies 4150 Euro. Die Betrüger hatten zum ersten Mal kassiert – aber das dreiste Spiel war damit noch nicht beendet. Bei der Seniorin meldete sich auch noch ein vermeintlicher Staatsanwalt. Er gaukelte ihr gesetzliche Schwierigkeiten bei der Überweisung des Geldes vor und zockte weitere 800 Euro ab. Den versprochenen Preis hat Erna W. bis heute nicht erhalten.

Statt stolze Gewinnerin ist die Anklamerin ein Opfer von Telefonbetrügern. Und sie ist kein Einzelfall. Auch bei Irene D.* in Neubrandenburg klingelte das Telefon. Auch sie hatte angeblich in einem seit Jahren zurückliegenden Gewinnspiel einen Geldpreis abgeräumt, für dessen Auszahlung nur noch die Gebühren beglichen werden müssten. Dann begann der Terror: Es meldeten sich nacheinander falsche Richter, Notare und Polizisten, um abzukassieren. Die Neubrandenburgerin überwies rund 3500 Euro an die Kriminellen.

Gauner erbeuten rund 48 Millionen Euro

Beim Bundeskriminalamt (BKA) ist die Masche mit den falschen Gewinnversprechen bestens bekannt. „Wir verzeichnen ein massives Auftreten dieser Vorgehensweise“, teilt Sandra Clemens vom BKA dazu mit. Die oberste Kriminalbehörde geht mittlerweile von deutschlandweit über 300  000 Geschädigten aus, die seit 2009 auf diesen Telefontrick hereingefallen sind. Den angerichteten Schaden beziffern die Ermittler auf rund 48 Millionen Euro.

„Die Täter sind technisch und logistisch gut organisert“, erklärt Clemens. Sie seien redegewandt und sehr überzeugend. Und haben die Täter erst einmal ein Opfer am Haken, lassen sie es so schnell nicht mehr los. Das zeigt besonders deutlich der Fall in Neubrandenburg, wo die Täter gleich mehrere Rollen überzeugend spielten. Nach bisherigen Erkenntnissen des Landeskriminalamtes in Mecklenburg-Vorpommern haben die Betrüger im Nordosten vergangenes Jahr mindestens 23 Mal zugeschlagen. Die Polizei in Brandenburg hat dazu keine konkreten Zahlen vorliegen. „Derartige Fälle werden aber immer wieder festgestellt“, teilt ein Sprecher dazu mit.

Die Anrufe kommen oft aus der Türkei

Die Ermittlungen gestalten sich oft schwierig. „Das Rückverfolgen von Rufnummern läuft wegen Verschleierungsmaßnahmen oft ins Leere“, sagte der Polizei-Sprecher weiter. Dabei gehen die Täter so geschickt vor, dass im Display der Angerufenen eine Rufnummer aus der jeweiligen Region erscheint.

Die Anrufer sitzen dagegen nach Erkenntnissen der Kriminalisten in den meisten Fällen in Callcentern in der Türkei. „Es handelt sich um organisierten bandenmäßigen Betrug“, stellt Expertin Sandra Clemens dazu fest. Die Ermittlungen der Geldflüsse würde dadurch erschwert, dass das Geld meist bar übergeben oder über Strohmänner weitergeleitet werde. Um das Betrugs-Phänomen gezielt bekämpfen zu können, setzen auch die Ermittler auf Zusammenarbeit. Das BKA hat dazu eine Task Force eingerichtet, die in engem Kontakt mit türkischen Kollegen stehen.

Gegen 1000 Betrüger wird ermittelt

Der Fall von der geprellten Irene D. aus Neubrandenburg wird mittlerweile von der Staatsanwaltschaft in Osnabrück bearbeitet – in einem Sammelverfahren, das 3000 Einzelfälle mit einem Schaden von insgesamt rund 12 Millionen Euro umfasst. Die Anzahl der Beschuldigten liegt bei über 1000 Personen, die sich meist im Ausland befinden.

Tricks gegen Telefon-Betrüger

  • Kriminelle nutzen in erster Linie die Gutgläubigkeit ihrer Opfer aus. Die Experten des Bundeskriminalamtes haben deshalb einige Ratschläge entwickelt, wie man sich besser vor Gaunern am Telefon schützen kann:
  • Bei echten Gewinnen muss kein Geld im Voraus überwiesen werden
  • Misstrauisch bleiben, wenn sich jemand am Telefon als Verwandter oder Bekannter ausgibt und sich nicht mit seinem Namen vorstellt
  • Nicht von angeblichen Amtspersonen unter Druck setzen lassen. Deutsche Polizisten, Staatsanwälte oder Richter würden niemals am Telefon eine Geldüberweisung einfordern
  • Niemals Geld an fremde Personen übergeben, auch dann nicht, wenn die Boten eine Quittung anbieten
  • Keine Details zu familiären und finanziellen Verhältnissen preisgeben
  • Kontodaten, Bankleitzahlen oder Kreditkartennummern nicht weitergeben
  • Um zukünftig nicht mehr mit Anrufen belästigt zu werden, empfehlen Experten die Änderung der Rufnummer
  • Bei verdächtigen Anrufen an die Polizei wenden

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