Strahlend grün leuchten die Korallen des Nordens im Schmalen Luzin bei Feldberg.
Strahlend grün leuchten die Korallen des Nordens im Schmalen Luzin bei Feldberg. Archiv/Dr. Christoph Giese
Im glasklaren Wasser des Schmalen Luzin werden die Schwämme bis zu einen Meter lang.
Im glasklaren Wasser des Schmalen Luzin werden die Schwämme bis zu einen Meter lang. Tanja Heinrich
Ungefähr wie dieser sehen die Schwämme im Tollensesee bei Neubrandenburg aus.
Ungefähr wie dieser sehen die Schwämme im Tollensesee bei Neubrandenburg aus. Dirk Schneider
Unter Wasser

Die Korallen des Nordens leuchten wieder in MV

Die Süßwasserschwämme im Schmalen Luzin bei Feldberg sind etwas ganz Besonderes. Zur Zeit sind die geweihartigen Gebilde wieder besonders gut zu sehen. Wer zu ihnen möchte, sollte allerdings sehr vorsichtig sein.
Feldberg

Im Schmalen Luzin bei Feldberg, dem vielleicht schönsten Klarwassersee Mecklenburg-Vorpommerns, gedeiht derzeit wieder eine absolute Rarität: Süßwasserschwämme, auch Korallen des Nordens genannt. „Sie leuchten schon wieder in einem kräftigen Grün”, teilte Tanja Heinrich vom Tauchcenter Feldberg mit. Wer taucht, schnorchelt oder paddelt, kann die bizarren Gebilde entdecken. Aber auch beim Wandern lohnt sich ein Blick ins Wasser, denn die geweihartigen Schwämme wachsen in Ufernähe dicht an der Oberfläche.

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Es ist allerdings ratsam, Ortskundige zu befragen oder sich von einem erfahren Tauchguide oder Wanderführer die Stellen zeigen zu lassen. Ansonsten wird es schwer, sie zu finden. Meist haben sie sich auf umgestürzten Bäumen in Ufernähe angesiedelt.

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Obwohl sie aussehen wie Pflanzen, handelt es sich um Tiere, um einen primitiven Organismus ohne Organe. Sie werden bis zu einem Meter lang. Ihr Skelett besteht aus einer zähen, sehr widerstandsfähigen Eiweißverbindung, welche von unzähligen winzigen Kieselsäurenadeln verstärkt wird, erklärt der Naturschutzbund (NABU). Augen, Mäuler oder Nasen haben sie natürlich nicht. Weil sie nur in sehr sauberem Wasser gedeihen, sind sie selten geworden.

Sie sind wie Filteranlagen

Sie fressen Bakterien und Viren und tragen dadurch ihrerseits wie Filter zu einer guten Wasserqualität bei. Durch feine Poren auf der ganzen Oberfläche saugen sie die winzigen Partikel an, filtern sie und stoßen sie durch größere Kanäle wieder aus. Die grünliche Farbe kommt nach Auskunft des NABU durch Grünalgen zustande, die sich in der Schwammoberfläche eingenistet haben. Algen und Schwamm bilden eine Symbiose. Die Algen genießen den Schutz vor Fressfeinden und werden stets mit frischem Wasser versorgt, der Schwamm erhält von den Algen Sauerstoff und Nahrung.

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Ihre Fortpflanzung erfolgt tatsächlich über Spermien. Im Sommer werden im Innern der Männchen Spermien gebildet, die mit dem Wasserstrom aus dem Schwamm herausgespült werden. Mit Glück werden sie von der Strömung zu einem Weibchen getragen, welches sie einsaugt bis zu den Eiern in seinem Inneren. Aus den befruchteten Eiern entstehen Larven, die den Schwamm verlassen, kurzzeitig im Freiwasser schwimmen und sich dann auf einer geeigneten Unterlage festsetzen, um zu einem Schwamm heranzuwachsen.

Den Winter überleben nur stecknadelgroße Kapseln

Erfolgreicher ist jedoch die sogenannte vegetative Vermehrung. „Im Winter finden wir von den zerfallenen Schwämmen meist nur diese kugelförmigen Winterstadien. Sie enthalten Stammzellen, die als einzige den Winter überleben. Der Reste des Schwammes ist bereits im Spätsommer abgestorben und zerfallen. Im Frühjahr verlassen die Stammzellen die stecknadelgroßen Kapseln und entwickeln sich zu verschiedenen Zelltypen, die dann gemeinsam wieder einen neuen Schwamm bilden”, erklärt der NABU.

In früheren Zeiten muss es sehr viel mehr Süßwasserkorallen gegeben haben. Der NABU weiß zu berichten, dass Damen getrocknete Schwämme zur Rötung ihrer Wangen verwendet. Sie rieben die Schwämme auf ihren Wangen, wodurch winzige Verletzungen entstanden. „Diese Art von Rouge hielt mehrere Tage und war absolut unverzichtbar.” Es war ein zweifelhaftes Vergnügen, da außer der Rötung und der zunächst wohligen Wärme auch ein unangenehmes Jucken bis hin zu Hautreizungen und Schwellungen verursacht wurde.

Wenn Tanja Heinrich ihre Tauch- oder Schnorchelgästegäste zu den Schwämmen im Schmalen Luzin führt, weist sie stets darauf hin, dass die Gebilde sehr zerbrechlich sind. Die Atemblasen aus den Pressluftgeräten genügen, um sie zu zerstören. Daher darf auf keinen Fall direkt unter ihnen getaucht werden. Anfassen ist sowieso verboten.

Im Tollensesee bei Neubrandenburg soll es auch Schwämme geben, diese sollen aber eher bräunlich und knollenartig sein. Die grünen Finger- oder Geweihstrukturen der Schwämme im Schmalen Luzin entstehen nach Auskunft des NABU nur bei allerbester Wasserqualität im Sommer. „Es ist immer etwas Besonderes, einen Süßwasserschwamm zu entdecken.”

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