CORONA-KRISE

Die MV Werften sind noch lange nicht gerettet

Die 3100 Beschäftigen der MV Werften können kurz durchatmen: Die Löhne und Betriebskosten für den Monat September sind gesichert. Eine endgültige Rettung ist aber noch in weiter Ferne.
Der Finanzausschuss hat 28 Millionen Euro für die MV Werften freigegeben.
Der Finanzausschuss hat 28 Millionen Euro für die MV Werften freigegeben. Stefan Sauer
Schwerin ·

Die Spannung war allen Beteiligten vor der vertraulichen Sitzung des Finanzausschusses am Freitagmorgen deutlich anzumerken. Als sich die Türen des Plenarsaales dann nach 80-minütiger Beratung wieder öffneten, stellten sich MV-Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) und Finanzminister Reinhard Meyer (SPD) den Fragen der wartenden Journalisten.

Einstimmig habe der Finanzausschuss 28 Millionen Euro aus der 175 Millionen Euro umfassenden Bürgschaft des Landes Mecklenburg-Vorpommern für den Monat September freigegeben, sagten die beiden Mitglieder der Landesregierung. 20 Millionen Euro sind für die Gehälter der rund 3100 Beschäftigten vorgesehen, acht Millionen Euro fließen in die Betriebskosten. Von einer Schließung der MV Werften wären auch Zulieferer massiv betroffen. Insgesamt würden dann wohl rund 18.000 Jobs auf der Kippe stehen.

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Finanzminister Meyer wählte hinsichtlich einer möglichen Rettung des Konzerns einen sportlichen Vergleich aus einem Hochsprungwettbewerb: „Mit der Bürgschaft im Juni haben wir die Qualifikationshöhe geschafft. Heute haben wir die Latte zwei Zentimeter höher gelegt und diese auch übersprungen. Beim nächsten Mal liegt die Latte erneut höher. Wir müssen uns Schritt für Schritt an die Lösung des Problems heran tasten.”

Kreuzfahrtmarkt zusammengebrochen

Der Mutterkonzern der MV Werften, die in Asien ansässige Genting Hongkong, war in den vergangenen Monaten durch die Corona-Krise in eine existenzbedrohende finanzielle Schieflage geraten. Der Kreuzfahrtmarkt war zusammengebrochen – die Schiffe des Konzerns lagen brach in den Häfen. Da ein Ende dieser Krise noch nicht absehbar ist, dürfte die Zukunft der MV Werften noch lange nicht geklärt sein. In der vergangenen Woche hatte Genting Hongkong sämtliche Zahlungen eingestellt.

 

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Am Freitagnachmittag wollen Bund und Land erstmals über einen 250 Seiten starken Entwurf eines Gutachtens beraten, in dem mögliche Zukunftsperspektiven der Werften aufgezeigt werden. Sollte es bis Ende September noch keine belastbare Perspektive geben, deutete Wirtschaftsminister Glawe an, dass eventuell für den Oktober nochmals 15 Millionen Euro aus der Sicherheitsreserve innerhalb des Bürgschaftsrahmens ausgezahlt werden könnte. Die Bürgschaft hatte der Landtag im Juni in einer Sondersitzung auf den Weg gebracht.

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Geld für MV Werften bleibt im Land

Die Politik zeigte sich erleichtert über die aktuelle Auszahlung des Geldes für September. „Meine Fraktion unterstützt damit auch weiterhin die MV Werften. Gut 28 Millionen Euro kommen den Beschäftigten der Werften und den Zulieferbetrieben zugute. Das Geld bleibt also im Land. Jetzt sind alle Anstrengungen zu unternehmen, damit es für die MV Werften eine Zukunft gibt und sie unter den Schutzschirm des Bundes gelangen”, sagte die finanzpolitische Sprecherin der Linken, Jeannine Rösler.

Die AfD versah ihr Ja zur Auszahlung mit einem großen Aber. „Weiteren zukünftigen Belastungen des Landeshaushaltes steht die AfD äußerst kritisch gegenüber. Ein weiteres scheibchenweises Abgreifen von Steuermitteln des Landes wird nicht weiter unterstützt werden”, kündigte Gunter Jess, Vorsitzender des Finanzausschusses und Mitglied der AfD-Fraktion an.

 

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