STRENGE REGELN AM STRAND

Die Ostseeküste ist eine Zone vieler Verbote

Nicht viele öffentlich zugängliche Bereiche sind heutzutage so streng reglementiert wie unsere Ostseestrände. Wer sich nicht an den Regeln in den ostdeutschen Seebäder hält, dem drohen saftige Bußgelder.
Tausende Badegäste zieht es Jahr für Jahr an die Strände im Nordosten. Dabei müssen Sonnenanbeter eine wachsende Zahl an Vorschriften beachten.
Tausende Badegäste zieht es Jahr für Jahr an die Strände im Nordosten. Dabei müssen Sonnenanbeter eine wachsende Zahl an Vorschriften beachten. Jens Büttner
Usedom.

Textil oder FKK? Der Strandvogt kontrolliert

Wilde Badestrände wie einst zu DDR-Zeiten, an denen sich Nackte und Bekleidete nebeneinander sonnten, gibt es immer weniger. In den meisten Seebädern sind FKK- und Textilstrände ausgeschildert und streng von einander abgegrenzt. Oft kontrollieren Mitarbeiter der Kurverwaltung und – wie in Göhren auf Rügen – ein sogenannter Strandvogt die Einhaltung der „Anzugsordnung“. In Warnemünde gibt es zudem ausgewiesene Nichtraucherstrandbereiche.
Und bei dieser Gelegenheit wird auch gleich noch überprüft, ob der Badegast seine Kurabgabe entrichtet hat. Viele Gemeinden haben die Kurtaxe in diesem Jahr erhöht. Für Binz zum Beispiel gelten jetzt ganzjährig 2,85 Euro, einschließlich Prora.

Buddeln hat Grenzen – Bußgeld droht bei Burgen

Früher hat man sich mit einer großen Strandburg vom Nachbar abgegrenzt. Doch das war einmal. Zur Hochsaison sind die Strände oft überfüllt. Wer großräumige Strandburgen baut, dem droht ein Bußgeld oder gar der Strandverweis. Zulässig sind Bauwerke mit maximal 3,5 Meter Durchmesser und auf keinen Fall höher als 30 Zentimeter. Und zwei Meter vor der Düne darf sowieso nicht gebuddelt werden. Richtig teuer kann es werden, wenn man die Düne betritt oder an der Steilküste kratzt.
Das Graben von Tunneln und Löchern ist vielerorts generell verboten, spätestens seit im Juli 2002 zwei 13 und 14 Jahre alte Brüder aus Erfurt am Strand von Zinnowitz auf Usedom in einem selbst gebauten verzweigten Tunnelsystem verschüttet wurden und starben. Wer übrigens mit Sand baut, darf kein Treibholz, keine Steine und Bretter verwenden. Und beim Verlassen sind wegen der Unfallgefahr eventuelle Vertiefungen auch wieder zuzuschütten. Das Entnehmen von Steinen und Sand „über den eigenen Bedarf“ ist verboten.

Strandkörbe nur mit behördlicher Genehmigung

Einfach mal einen Strandkorb an die Waterkant setzen, das geht schon lange nicht mehr. Überall ist das Aufstellen und Nutzen der Sonnenkiepen genehmigungs- und entgeltpflichtig – und zwar oft nur in der Saison vom 15. März bis zum 31. Oktober. Auch der jeweilige Standort wird meist vorgeschrieben. Der eigenmächtige Wechsel ist untersagt.
Richtig streng wird das am Nobelstrand von Binz auf Rügen gehandhabt. Dort ist nicht nur jeder Strandkorb mit einer vorgegebenen Kontrollnummer zu versehen. Die Körbe müssen auch in maximal fünf Reihen angeordnet werden und sind täglich neu auszurichten. Nicht mehr ansehnliche Strandkörbe müssen übrigens binnen zehn Tagen nach behördlicher Aufforderung entfernt werden. Ansonsten übernimmt das die Gemeinde für 155 Euro.

Strandverbot für Hunde, Pferde und andere Tiere

Haustierhalter sollten sich genau erkundigen, wo sie zum Beispiel mit ihrem Hund Gassi gehen dürfen. In der Regel dürfen die Vierbeiner nur an ausgewiesenen Hundestränden ans und ins Wasser. Ansonsten sind Hunde vom 1. Mai bis
30. September nicht erlaubt am Strand. Und in der kälteren Jahreszeit herrscht vielerorts Leinenzwang. Auch Pferdereiten ist in der Regel nicht genehmigt, es sei denn es handelt sich um eine angemeldete Veranstaltung wie die von Schauspieler Till Demtrøder auf Rügen organisierte Promi-Jagd „Rügen Cross Country“.
Über das Mitführen anderer Tiere wie Katzen steht nichts in den Strandordnungen. Dass zum Beispiel ein Zirkus – wie in den 1990er Jahren noch an Rügens Stränden geschehen – zur Werbung ein Anbaden mit Elefanten veranstaltet, ist heute undenkbar.

Kein Lebensmittel-Verkauf und auch keine Werbung

Der Verkauf von Lebensmitteln und Getränken mit mobilen Einrichtungen oder Automaten ist hierzulande am Strand untersagt. Einzige Ausnahme ist Speiseeis, wenn es behördlich genehmigt wurde und mit manuell betriebenen Kühlfahrzeugen geschieht. Auch Strandbedarf wie Kinderspielzeug, Badeartikel, Sonnencremes oder -bekleidung darf nicht am Wasser gehandelt werden.
Empfindlich reagieren Kontrolleure auf illegal aufgestellte Werbung im Strandbereich mit der Androhung saftiger Strafen.

Fit am Strand – Nicht jede Sportart ist erlaubt

Früher durften Boote und sogar Luftmatratzen im Grenzgebiet nicht benutzt werden. Heute müssen motorbetriebene Wasserfahrzeuge an vielen Badestränden extra genehmigt werden. Zudem sind an den Einfahrschneisen Bojen zu setzen. In Zingst zum Beispiel sind Motorboote und Jet-Skis generell verboten. Auch das Gerätetauchen mit Pressluftflaschen zum Beispiel an den Seebrücken oder an der Kaimauer von Prora ist genehmigungspflichtig. Von den Seestegen darf auch nicht ins Wasser gesprungen werden.
Massensportarten wie Volleyball oder Fußball sind oft auch nur an ausgewiesenen Plätzen erlaubt. Und wer einen Lenkdrachen am Badestrand aufsteigen lassen will, darf das nur vom 1. Oktober bis zum 30. April. Das Befahren von Stränden und Strandpromaden mit Fahrrädern wird übrigens zum Beispiel in Warnemünde geahndet. Wo in der Saison von Juni bis Oktober gebadet wird, darf auch nicht geangelt werden, nur nachts von 20 bis 8 Uhr.

Eine Nacht am Strand – das können Sie vergessen!

Das Übernachten am Strand ist in den meisten Seebädern untersagt. In Göhren sollen Urlauber sogar schon einmal Ärger bekommen haben, weil sie nach 19 Uhr noch im Strandkorb saßen, obwohl von so einem Verbot gar nichts in der Strandordnung steht. Mit strengen Strafen muss rechnen, wer im Zelt, in der Strandmuschel, im Wohnmobil, Wohnwagen oder Strandkorb die Nacht verbringt. In Schleswig-Holstein kann man dagegen spezielle Strandkörbe sogar für eine Nacht am Meer mieten.
Nicht möglich sind zudem Lagerfeuer oder ein Grillabend am Strand. Nur in Warnemünde werden offizielle Feuerstellen angeboten. Hier ist es auch verboten, Möwen zu füttern. Und wie überall gilt auch am Strand: Abfälle sind mitzunehmen und selbst zu entsorgen.

Was (noch) nicht verboten ist

Ein generelles Alkoholverbot am Strand sehen die Vorschriften derzeit nicht vor. Wer es übertreibt, dürfte trotzdem mit einem Verweis rechnen. So könnte lautstarkes Musizieren und Feiern, wenn es andere Badegäste belästigt, zu Ärger führen.
Das Aufsteigen von Flugmodellen ist bislang noch nicht in den Strandordnungen untersagt. Der gegenwärtige Trend, mit handelsüblichen Drohnen imposante Fotos vom Strand aus luftiger Höhe zu machen, könnte schon bald zu weiteren Verboten führen. Vor allem wenn Sonnenanbeter, Nacktbadern oder Kinder fotografiert oder gefilmt werden. Derzeit berufen sich die Kurverwaltungen noch auf die neue Drohnenverordnung des Bundesverkehrsministerium, das den Schutz der Privatsphäre sichern und gefährliche Abstürze verhindern soll.

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