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SPD-Nachwuchspolitikerin

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"Die Reform des Bildungssystems ist gescheitert“

Lilly Blaudszun ist Schülerin eines Gymnasiums in MV und stellvertretende Landesvorsitzende der Jusos, dem SPD-Nachwuchsverband.
Lilly Blaudszun ist Schülerin eines Gymnasiums in MV und stellvertretende Landesvorsitzende der Jusos, dem SPD-Nachwuchsverband.
Wismarfoto.de

Lilly Blaudszun ist Schülerin eines Gymnasiums in MV und stellvertretende Landesvorsitzende der Jusos, dem SPD-Nachwuchsverband. Die 17-Jährige übt scharfe Kritik am hiesigen Schulsystem.

„Als ich vor elf Jahren anfing, in die Schule zu gehen, war ich neugierig und wissbegierig. Ich wollte alles lernen und das möglichst schnell. Damals habe ich nicht geahnt, wie Schule einmal werden würde und was sie mit uns macht.“ Eher sanft beginnt der Text der Ludwigsluster Schülerin Lilly Blaudszun im Onlinemagazin „Vice“ über ihre Erfahrungen in der gymnasialen Oberstufe. Doch in ihrem Beitrag unter der Überschrift „Wie uns das Bildungssystem kaputt macht“ schildert sie zunehmend schonungslos, was ihrer Ansicht nach nicht stimmt in den Schulen des Landes.

Nun ist die 17 Jahre alte Gymnasiastin aber nicht nur irgendeine Wutschülerin, die irgendwo ins Netz mal eben so Dinge hinschreibt. Vielmehr startete die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Jugendorganisation Jusos in dem auf Lifestyle- und Jugendthemen spezialisierten Magazin einen mit eigenen Erfahrungen unterfütterten Generalangriff auf das Bildungssystem in MV. Tenor: Die Schüler an den Gymnasien haben viel zu wenig Zeit und viel zu viel Druck.

„Vielleicht hätte ich gerne Zeichnen gelernt, vielleicht hätte meine beste Freundin länger Klavier gespielt oder der beste Sportler unseres Jahrgangs lieber nie mit Leichtathletik aufgehört“, schreibt sie. „Vielleicht hätten wir noch mehr Talente entdeckt und ausprobiert. Druck und Zeitmangel in der Oberstufe verbieten uns das jedoch.“ Es gehe schon lange nicht mehr um mehr Ansporn, sondern darum, „dass Jugendliche mit 17 Jahren schon kaputt sind, bevor sie erst richtig mit ihrem Leben angefangen haben. Und das ist manchmal echt schwer auszuhalten.“

Bildungsministerium hält am Abitur in zwölf Jahren fest

Sie habe nach der Veröffentlichung viele Reaktionen von Schülerinnen und Schülern erhalten, sagt Blaudszun. „Sie haben sich bedankt, mich unterstützt oder auch die missliche Lage aus ihrer Sicht geschildert. Auch Lehrerinnen und Lehrer haben mich unterstützt und betont, dass Niveau und Qualität mit diesem Schulsystem nur schwer zu vereinbaren sind.“ Selbst ihr eigener Schulleiter schrieb ihr und stimmte im Namen vieler Kollegen zu.

Das Problem liegt aus Lilly Blaudszuns Sicht im System. Die Umstellung auf das Abitur nach 12 statt 13 Jahren habe keine guten Folgen gehabt, findet sie. „Wir müssen nicht nur viel schneller und unter höherem Druck lernen, auch die Qualität unserer Bildung leidet massiv.“ Sie berichtet von Mitschülern, die Drogen nehmen, um den Lernstoff zu schaffen. „Die meisten in meinem Umfeld schotten sich von so gut wie allem ab, schlafen viel zu wenig und halten sich mit Kaffee und Energydrinks am Laufen.“ Schon zu Beginn des Schuljahres habe sie acht Ausfallstunden in der Woche, was den Stress für Schüler und Lehrer bei dem eng gestrickten Pensum gleich wieder größer mache.

„Keine Experimente!“

Das Fazit von Lilly Blaudszun: „Nach elf Jahren Schule, fünf Jahren G8 in unserem Land weiß ich: Die Reform des Bildungssystems ist gescheitert. Ich will nicht mehr, dass Schülerinnen und Schüler aufgrund von Bildung zusammenbrechen.“ Der politische Haken an der Sache: Im Koalitionsvertrag, den ihre Partei mit der CDU im Land geschlossen hat, ist festgelegt, an den Schulstrukturen nichts verändern zu wollen. „Keine Experimente!“, lautet die Maxime von SPD-Bildungsministerin Birgit Hesse, kein Hin und Her in puncto Abitur nach 12 oder 13 Jahren.

Auch von Lehrerverbänden heißt es, dass die Pflöcke bei dem Thema so fest eingeschlagen seien, dass kein Landespolitiker bereit sei, darüber zu reden. Aufgeben will Lilly Blaudszun aber nicht: „Mein Ziel ist, dass die SPD einen Kurswechsel einleitet. Ich glaube, dass wenn wir jungen Leute gemeinsam unsere Stimme erheben, richtig viel schaffen können.“

Kommentare (9)

Ich halte weder mich noch meine damaligen Klassenkameraden für Wunderkinder oder Streber. Wir saßen täglich zwei Stunden an den Hausaufgaben. Niemand von uns benötigte irgendwelche Mittelchen zur Steigerung der Aufnahmefähigkeit. Ein Abitur nach 12 Schuljahren war selbstverständlich und diese Jahre hat niemand als Streß empfunden. WIR WOLLTEN LERNEN ! Bis vor wenigen Jahren habe ich Mathematik-Nachhilfe gegeben. Ich bin über 70 Jahre alt und habe mehr Formeln im Gedächtnis behalten als das eine gegenwärtige Schulbildung genießende Kind....Ein Acht-Klassen-Schüler war nicht imstande, Flächen eines Quadrats, eines Kegels oder einer Pyramide zu berechnen. Dafür kannte er die Namen etlicher Fernseh-Serien....fragen Sie mich nicht, welche. Hauptsache RTL II, Pro 7, Chips, Cola, großer Flachbildfernseher, Playstation etc...Wenn Sie folgenden Artikel (Quelle: focus.de) lesen, bekommen Sie eine Ahnung, warum das System scheitern mußte: ZITAT: "Dienstag, 21.08.2018, 13:06 Nach einer Prügelattacke an einer Grundschule in der mittelhessischen Gemeinde Rabenau hat die Polizei das Jugendamt eingeschaltet. Das sei in Fällen mit strafunmündigen Kindern üblich, sagte eine Sprecherin am Dienstag in Gießen. Am Vortag war bekannt geworden, dass offenbar zwei neun Jahre alte Zwillingsbrüder auf einen sieben Jahre alten Mitschüler während der Pause eingetreten hatten. Der Junge erlitt Prellungen an Kopf und Oberkörper und kam zur Beobachtung ins Krankenhaus. Der Vorfall hatte sich bereits vergangene Woche ereignet. (Einfügung: Würden Sie dort Lehrer/in sein wollen ?) Im vergangenen Jahr wurden an Hessens Schulen rund 1500 Gewaltdelikte angezeigt. Nach den Zahlen des Kultusministeriums waren davon 594 Kinder betroffen, 570 Jugendliche, 106 Heranwachsende sowie 211 Erwachsene. Unter den Tatverdächtigen waren demnach 427 Kinder, 812 Jugendliche, 161 Heranwachsende und 259 Erwachsene." ZITAT Ende. Meinen Sie, daß darunter auch Lernwillige gewesen sein können ? Oder (gut) erzogene ? Ich kann den Gastwirt auf Rügen gut verstehen, der sein Lokal in den Abendstunden von Kindern nicht terrorisiert haben möchte. Im Übrigen hat er das Hausrecht, und es steht uns nicht zu, ihn für die Ausübung seines Hausrechts zu kritisieren. Sie, lieber Leser, liebe Leserin, bestimmen ja auch, wer Ihre Wohnung betreten darf.

sie sprechen mir aus der Seele. Ich habe selbst vor über 20 Jahren ohne Probleme mein Abitur nach 12 Jahren gemacht. Sicherlich musste man etwas dafür tun, aber umgebracht hat sich keiner von uns. Wenn ich dann sehe, was und wie heute im Gymnasium unterrichtet wird, kann ich nur den Kopf schütteln.

Ich kann den Vorschreibern nur beipflichten. 12 Jahre für eine Abitur sind völlig ausreichend wenn man sich auf dei Sache an sich konzentriert. Wer Drogenn braucht ist geistig nicht in der Lage das Abitur zu machen!!! Statt sich der vielfältigen neuen Freizeitbeschäftigungen hinzugeben sollten dei pubertzierenden Jugendlichen lieber lernen. Uns sagte man das das Schulbuch unser bester Freund ist, das sagt alles. Wenn die politisch agiernede Jugendliche kein geeignetes Zeitmanagment hat, um sich zu bilden, hat sie auch keine Chance sich an ihrer politischen unnützen Karriere zu basteln! Solche jungen Menschen besetzen die knappen Studienplätze dann und studieren jahrelang statt in einer Regelzeit. Das kommt wenn man sich nicht auf das wesentliche konzentrieren kann und nur Partys und andere Exzesse feiert.

Leute ihr habe Recht - aber ihr bekommt es nicht - schon gar nicht von dieser Regierung - oder Merkel - die hat andere Flausen im Kopf, wenn ueberhaupt ... - D ist politisch ueberhohlt und wird am Zeitgeschehen vorbei verwaltet - aendert das gesell. und pol Verwaltungssystem

Aus den vorangegangenen recht einstimmigen Kommentaren ist zu entnehmen, dass die Verfasser im alten (DDR?)-Bildungssystem ihren Abschluss machten und keine Probleme hatten und das alles so auch in Ordnung fanden. Nun haben sich die Welt und damit auch die Rahmenbedingungen für junge Leute in den letzten 30 Jahren sehr stark verändert (Digitalisierung, Demokratie etc.). Ich denke, man kann den Vergleich somit nicht ziehen zur "guten" alten DDR-Zeit. Was Lilly Blaudszun anspricht sehe ich bei meinen eigenen Kindern, die durchaus gesellschaftskritisch und mündig im besten Sinne sind aber meiner Ansicht nach zu wenig Zeit in der Schule hatten, ihre eigenen Interessen zu verwirklichen und in ihren Talenten Förderung zu erhalten. Ich finde es sehr gut, dass sich junge Leute, wie Frau Blaudszun politisch engagieren und in ihren eigenen Erfahrungsschatz einbringen.

Das Fräulein Möchtegern hat doch keine Erfahrung vom realen Leben und leidet unter Realitätsverlust. Alles Wunschvorstellungen. Und was kommt dabei heraus alles - so ein politischer Schreibtischtäter wie Dahlemann, ich lach mich weg, davon hat der Staat wirklich schon genug und mehr Schaden kann man nicht anrichten.

Und was will uns Fräulein Blaudszun damit sagen? Die Politik ist in Gänze gescheitert, nicht nur im Bildungsbereich auch in der Kreisgebiets und Funktionalreform. Ob man nun ein rot-rot-grün oder ein rot-schwarz koaliert, die Ergebnisse sind die selben für die Bürger. Fräulein Blaudszun wird auch mit den Jusos nichts schaffen, weil die eh nur das Rekrutierungsbecken der SPD sind. Wer am korruptesten und am gleichgültigsten ist bekommt auch ganz bestimmt den nächsten Platz im Bundestag zugesichert.

Der Lernstoff ist zu früheren Zeiten auch nicht unbedingt mehr geworden; unsere Lernzeit war knapp bemesen und wir organisierten uns das Wissen! Wir kannten kein Google , keinen Taschenrechner, kein Telefon, kein Handy, aber wir hatten in unseren Sinnen Gefühle für die Realität, die ist heute den meisten Jugendlichen abhandengekommen, wie das Benehmen allgemein. Heute beherrschen doch nur Party, Alkohol und Drogen viele Gymnasien. An wem liegt es wohl? Unsere Rechenmaschinen waren Zahlentafeln oder noch aus Holz, Metall oder Plastik in Form des Systems Darmstadt, aber das ist auch ein Fremdwort für Abiturienten, die am liebsten den Hausfrauenkurs als Wahlfach belegen und in die Politik einsteigen wollen, ohne dem Staat eine Wertschöpfung in Form seiner Arbeitskraft anzubieten. Das Bildungssystem ist verkommen auf höchste Ebene und das sieht man auch immer wieder in verschiedenen internationalen Bildungsstudien. Das politische System in Deutschland hat auf breiter Linie versagt.

... nach 11 Schuljahren mit 17 an der UNI, gab es früher schon und auch heute noch. Entscheidend ist, dass der Schüler weiß, was er will, und dass das Schulsystem entsprechende Voraussetzungen anbietet! Unser jetziges (Schul)-system ist einfach nur erbärmlich! Vor 28 Jahren wurde in MV die Hälfte der damaligen zum Teil sehr jungen Lehrerschaft in die Teilzeit "gejagt" und die Ausbildung zum Lehrer verhöhnt. So konnten die Verantwortlichen zwar Geld sparen, aber der nachfolgenden Generation natürlich keine gute oder gar hervorragende Schullaufbahn ermöglichen. Die Verfasserin kann nichts dafür, aber der Fakt bleibt. Eventuell macht sie ja mit dem Ausweichen in die Politik alles richtig und übernimmt dann später echte Verantwortung für die ihr nachfolgenden Generationen...