Klima in MV

Die Zukunft wird wärmer und nässer

Der Meeresspiegel könnte um mehr als einen Meter steigen, die Durchschnittstemperatur um bis zu 3,7 Grad – das geht aus dem neuen Klimareport für Mecklenburg-Vorpommern hervor.

 Trotz der Klimaschutzbemühungen wird es in Mecklenburg-Vorpommern wie in ganz Deutschland wärmer werden. An der Ostseeküste kommt noch ein Anstieg des Meeresspiegels hinzu, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Klimareport für das Bundesland   hervorgeht. Wenn die Treibhausgasemission sehr schnell sehr stark reduziert wird, ist ein Temperaturanstieg um nur 1,1 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 denkbar, sagte der Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Paul Becker, in Schwerin. Wirtschaften die Menschen weiter wie bisher, müsse mit einem Anstieg der Jahresdurchschnittstemperatur um 3,7 Grad Celsius gerechnet werden. "Das wäre dann eine ganz andere Welt", sagte Becker.

Es würde mehr heiße Tage und Tropennächte geben, was vor allem Kinder und alte Menschen stark belaste. Starke Niederschläge würden häufiger werden, was andere Anforderungen an die Infrastruktur, an Straße und Schiene, stelle. Sehr schwer sei eine Anpassung für die Landwirtschaft. Aber: "Wir haben es immer noch in der Hand", sagte Becker. Der DWD erarbeitete den Bericht kostenlos im Auftrag des Landes Mecklenburg-Vorpommern.  

Mehr Tage mit Starkregen im Sommer

Den Berechnungen zufolge wird es auch nasser. Im besten Fall steigt die Niederschlagsmenge demnach bis 2100 um 1 Prozent im Vergleich zu der Zeit zwischen 1971 und 2000, im schlimmsten Fall - bei einem "Weiter wie bisher" - um 10 Prozent. Dabei werden die Niederschläge im Winter zu- und im Sommer abnehmen, obwohl es mehr Tage mit Starkregen im Sommer geben wird. Die Meeresspiegel werden global steigen, bestenfalls um 26 bis 55 Zentimeter, schlimmstenfalls um 52 bis 98 Zentimeter. An der Ostsee erwartet der DWD einen höheren Anstieg als in anderen Meeren. Geht es weiter wie bisher, könnte es mehr als ein Meter werden.  

Der Direktor des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde, Ulrich Bathmann, geht davon aus, dass wegen der wärmeren Temperaturen Tiere und Pflanzen im Frühjahr eher aus der Winterruhe erwachen. Da es dann noch zu wenig Sonnenlicht gebe, fehle es an Algen als Nahrung für viele kleine Tiere. Dieses Zooplankton sei wiederum die Nahrungsgrundlage für Heringslarven, denen dann ebenfalls Futter fehle - und das, obwohl im Winter wegen der größeren Niederschlagsmengen künftig verstärkt Nährstoffe und Dünger in die Ostsee gespült werden. Davon würden Sommeralgen profitieren. In den tiefen Ostseebecken nehme der Sauerstoffgehalt ab.

Energieminister Christian Pegel (SPD) sagte, wenn man wisse, was sich verändert, werde das Land darauf reagieren. Neben Klimaschutzmaßnahmen wie den Einsatz erneuerbarer Energie und den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen müssten Bodenversiegelungen vermieden werden und es brauche bundesweit neue Normen etwa für die Straßenentwässerung.

dpa

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