SCHÄDLINGS-BEKÄMPFUNG PER HUBSCHRAUBER

Diese fiese, haarige Raupe sorgt für reichlich Zoff

Sie sind klein, aber sehr gefährlich: Eichenprozessionsspinner können beim Menschen Juckreiz, Bronchitis oder sogar Asthma auslösen. Doch wer richtet eigentlich mehr Unheil an: der Schädling oder dessen Bekämpfung?
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Nicht schön und noch dazu für den Menschen gefährlich: der Eichenprozessionsspinner.
Nicht schön und noch dazu für den Menschen gefährlich: der Eichenprozessionsspinner. Patrick Pleul
Neubrandenburg.

Hubschrauber kreisen über dem Land und versprühen großflächig ein Insektizid, um – einen Schmetterling zu vertreiben. Auf diese Weise wird der Eichenprozessionsspinner auch in den kommenden Wochen wieder im Landkreis Ludwigslust-Parchim bekämpft. Wo genau der kleinen Raupe zu Lebe gerückt wird, stehe aber noch nicht fest. Kreissprecher Andreas Bonin geht jedoch davon aus, dass erneut Insektizid versprüht wird, „um langfristig erfolgreich sein zu können“.

Der Landkreis vor einem Jahr: In einigen Dörfern trauen sich die Menschen nicht mehr nach draußen, Kinder spielen drinnen, die Wäsche wird nicht mehr ins Freie gehangen. Der Grund: Die feinen Nesselhaare des Eichenprozessionsspinners, der sich massenhaft ausgebreitet hatte, werden vom Wind großflächig verteilt.

Für den Menschen geht von den Haaren der Raupe eine Gesundheitsgefährdung aus, da sie das Gift Taumetopoein enthalten. „Es kann zu flächigen Hautrötungen und extrem starkem Juckreiz kommen“, sagt Doktor Georg Daeschlein von der Uni-Hautklinik in Greifswald. Auch die Bindehaut der Augen und die Lungen können angegriffen werden, was bis zur Luftnot führen kann, so Daeschlein.

Auch in Teilen Brandenburgs wurde 2013 schließlich das Insektizid versprüht. Dieses Vorgehen ist allerdings umstritten. „Diese Bekämpfung wirkt nicht nur auf den Schädling, sondern tötet unbeabsichtigt auch andere Lebewesen“, sagt Thomas Holzmann, Vizepräsident des Bundesumweltamts. Zuerst solle geprüft werden, wo und ob der Befall toleriert werden kann. Statt einer Bekämpfung könnten vom Menschen wenig genutzte Gebiete vorübergehend abgesperrt werden, so Holzmann.

Insektizid wurde auch über Kindergarten versprüht

Im Landkreis Mecklenburgische-Seenplatte sehen die Behörden noch keinen Handlungsbedarf. Dort war nur ein zu vernachlässigender Bestand entdeckt worden. Auch in der Uckermark wurde die Raupe bisher nicht gesichtet, sagt der zuständige Umweltamtsleiter Harald Wendt. Die Groß-Aktion im vergangenen Jahr sei „ein grundsätzlicher Erfolg“ gewesen, sagt Andreas Bonin vom Landkreis Ludwigslust-Parchim. Er spricht von einer Wirksamkeit von etwa 90 Prozent. Ähnliche Erfolgsraten nennen auch die brandenburgischen Behörden. Sie ließen sich die Aktion 4,5 Millionen Euro kosten.

Der Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner war die bis dahin umfangreichste Schädlingsbekämpfungsaktion im Land – Pannen inklusive. So versprühte ein Hubschrauber die Insektizide auch über einem Kindergarten. Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) sagte später, es sei keines der besprühten Kinder verletzt worden. Corinna Cwielag, Landesgeschäftsführerin des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) in MV, kritisiert, dass die Folgen der Spritzwelle für die Umwelt im Nachhinein nicht untersucht wurden. Dem widerspricht Andreas Bonin: „Natürlich gab es Untersuchungen.“

Zweifel hat die BUND-Mitarbeiterin auch am Erfolg der Bekämpfungsmaßnahmen. Sie seien „weder sinnvoll noch wirkungsvoll.“ Im Gegenteil: Durch das Insektizid seien alle möglichen Nützlinge gestorben, der Eichenprozessionsspinner sei trotzdem wiedergekommen. Cwielag spricht von „unverantwortlichen ökologischen Kollateralschäden“, die in Kauf genommen wurden.

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