UNGELÖST

Diese Tötungsdelikte geben Ermittlern noch immer Rätsel auf

Die Aufklärungsrate bei Mord und anderen Tötungsdelikten ist hoch, doch auch in der Mecklenburgischen Seenplatte und in Vorpommern gibt es Fälle, die den Ermittlern noch Jahre später Rätsel aufgeben.
Christine Gerhard Christine Gerhard
Mord verjährt nicht: In der Mecklenburgischen Seenplatte und in Vorpommern gibt es eine ganze Reihe von ungeklärten Tötungsdelikten. Neue Hinweise können auch Jähre später noch eine Wendung bringen.
Mord verjährt nicht: In der Mecklenburgischen Seenplatte und in Vorpommern gibt es eine ganze Reihe von ungeklärten Tötungsdelikten. Neue Hinweise können auch Jähre später noch eine Wendung bringen. Marc Tirl
Neubrandenburg.

Vor knapp einem Monat wurde die 18-Jährige Maria K. erstochen in ihrer Wohnung in Zinnowitz auf der Insel Usedom gefunden. Noch immer sucht die Polizei nach einem Täter. Es gibt keine heiße Spur, keine Tatwaffe, gerätselt wird auch immer noch über ein Motiv.

Dennoch betonen die Ermittler, dass nur wenige Tötungsdelikte ungeklärt bleiben. Oft seien es Beziehungstaten und die Täter im näheren Umfeld des Opfers zu finden, teilt das Polizeipräsidium Neubrandenburg mit. Die Aufklärungsrate liegt dort bei weit über 90 Prozent, Morde konnten „in der jüngsten Vergangenheit” sogar in 100 Prozent der Fälle aufgeklärt werden. Und doch bleiben einige Fälle über Jahre hinweg ungelöst, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

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In den Bereichen der Kriminalpolizeiinspektionen Neubrandenburg und Anklam, zuständig für den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte beziehungsweise für die Landkreise Vorpommern-Greifswald, Vorpommern-Rügen, sind die Ermittler einigen wenigen Tätern bislang nicht auf die Spur gekommen. Ein paar Beispiele:

Cold Case trotz DNA-Spuren

Regina M., damals Anfang 20, wurde am 3. Mai 1994 in Greifswald zuletzt lebend gesehen. Am 31. Mai fand man schließlich ihre Leiche in einem leerstehenden Stallgebäude. Den Ermittlungen zufolge war die junge Frau zuvor im Strandbereich von Eldena getötet worden. Trotz DNA-Spuren konnte ihr Täter bis heute nicht gefunden werden.

Der Fall wurde im Februar 2018 in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ vorgestellt. Damals kamen rund 60 neue Hinweise zusammen. Auch wenn sich die Bearbeitung manchmal lange hinziehen kann, war wohl keine neue heiße Spur dabei.

Tankstellenraub

Sandra R., Mitarbeiterin einer Tankstelle in der Nähe des Greifswalder Einkaufscenters Elisenpark, war am 26. April 2006 von Unbekannten mit Tropfen betäubt und aus der Tankstelle gebracht worden. Ihr toter Körper wurde am nächsten Morgen im Ryck treibend entdeckt. Die Leiche wies unter anderem Stichverletzungen auf, aus der Tankstellenkasse war ein niedriger dreistelliger Bargeldbetrag gestohlen worden. Neue Hinweise zu möglichen Tätern führten auch 2013 nicht zu einer Lösung.

Trampen wurde zum Verhängnis

Der Versuch zu trampen wurde 1992 Simone K. auf dem Weg von Katzenow (Vorpommern) zur Fachschule Stralsund schnell zum Verhängnis. Zuletzt wurde sie an einer Bushaltestelle in Katzenow lebend gesehen. Am 10. Januar 1992 wurde sie dann teilweise entkleidet und erdrosselt aufgefunden. Sie war vergewaltigt worden. 2013 wurde der Fall bei „Aktenzeichen XY ungelöst” gezeigt, woraufhin etwa 100 Hinweise eingingen und geprüft wurden – bislang ohne Erfolg.

Auf dem Parkplatz gefunden

Auch im April 1988 war eine Tramperin getötet worden, die von Halle zu ihrem Freund nach Rügen unterwegs war. Zuletzt wurde sie in Neubrandenburg lebend gesehen. Später fand man die Leiche von Dagmar S., mit mehreren Stichverletzungen und durchtrennter Kehle, auf einem Parkplatz bei Potthagen (Greifswald). Die Ermittler gingen davon aus, dass der Täter aus dem Fernfahrermilieu stammte.

Studentin bei Fahrradtour verschwunden

Die Dresdner Studentin Anne S., damals 21 Jahre alt, war im Juni 1993 mit dem Fahrrad in Mecklen-Vorpommern unterwegs und verschwand dort von der Bildfläche. Im März 1994 wurde ihre Leiche bei Blankensee/Godenswege (Mecklenburgische Seenplatte) gefunden.

Todesschüsse am Real-Markt

Im Oktober 1997 wollte Wachmann Rudolf R., damals 51, die Tageseinnahmen des Real-Markts in Neubrandenburg zum gepanzerten Wagen des Wachschutzes bringen. Dort lauerten ihm zwei maskierte Täter auf, die mit einer Maschinenpistole auf ihn schossen und ihn töteten.

Getöteter Autohändler aus Demmin

In Loitz wurde 2003 der Autohändler Martin K. aus Demmin tot aufgefunden. Auch seine Leiche wies Tötungsspuren auf. Ein Täter ist trotz intensiver Ermittlungen bis heute nicht bekannt.

Leiche in Abwasserschacht gefunden

Die damals zehnjährige Susann J. verschwand am 12. August 1994 nach dem Spielen in einem Malchiner Neubaugebiet. Vier Jahre später wurde die Leiche des Kindes in einem Abwasserschacht nahe der Bundesstraße 194 gefunden.

Vermisste aus der Mecklenburger Seenplatte

Seit dem Nikolaustag 2015 gilt Gerda Wiese aus Priborn an der Müritz als vermisst. Die Ermittler gehen inzwischen davon aus, dass sie getötet wurde. Ihre Leiche wurde bisher aber nicht gefunden.

Auch wenn einigen Fällen nicht mehr aktiv nachgegangen wird, bedeutet das nicht immer, dass die Ermittlungen abgeschlossen sind. Durch neue Hinweise und Erkenntnisse könnten sie jederzeit wieder aufgenommen werden, so eine Sprecherin des Polizeipräsidiums. Manchmal können Tötungsdelikte so noch nach Jahren aufgeklärt werden, wie im Fall der Lebbiner Babyleiche:

1997 war in den Lebbiner Tannen (Sennplatte) die Leiche eines Neugeborenen gefunden worden. Nachdem fünf Jahre später in einem Melkbetrieb erneut ein totes Baby auftauchte, konnte der Fall doch noch aufgeklärt werden. Die Mutter, die das Kind während der Arbeit in einer Umkleidekabine entbunden und in einen Spind gelegt hatte, konnte durch DNA-Analysen dem Fall von 1997 zugeordnet werden. Das zweite Baby war erst nach Dienstschluss durch einen Kollegen entdeckt worden, als es schon zu spät war. Die Mutter wurde wegen Totschlags verurteilt.

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