Hitze und Trockenheit
Dieser Sommer ist Stress für die Wälder

Besonders gefährdet durch die Trockenheit sind junge Bäume, die in den vergangenen Jahren oder im Frühjahr in den Boden kamen noch nicht tief wurzeln.
Besonders gefährdet durch die Trockenheit sind junge Bäume, die in den vergangenen Jahren oder im Frühjahr in den Boden kamen noch nicht tief wurzeln.
Guido Kirchner

In den Wäldern können die Bäume nicht bewässert werden. Sie müssen den Wetter-Stress erdulden und sind dann ein gefundenes Fressen für Schädlinge.

Trockenheit und Hitze sind Stress für die Wälder. Mit der Temperatur kämen die Bäume noch zurecht, sagte Mathis Jansen von der Landesforstanstalt Mecklenburg-Vorpommern. Seit April sei es im Durchschnitt um drei Grad zu warm gewesen. Schlimmer sei das Regendefizit seit April. „Im Mai fehlten 75 Prozent Niederschlag”, stellte Jansen fest. Besonders gefährdet seien junge Bäume, die in den vergangenen Jahren oder im Frühjahr in den Boden kamen noch nicht tief wurzeln.

Wo erst aufgeforstet wurde, erwarten die Förster die größten Ausfälle. „Aber die Bäume sterben nicht gleich. Unter Umständen erholen sie sich wieder.” Einen Überblick über die Dürreschäden wollen sich die Revierförster daher erst im September verschaffen. „Die älteren Bestände haben auch Stress, aber sie hatten die Möglichkeit, sich über die Jahre anzupassen”, erklärte Jansen als Leiter der Landeswaldschutzmeldestelle. Gut kämen Traubeneichen mit ihren tiefen Pfahlwurzeln und Kiefern mit der Trockenheit klar.

Bäume verlieren mit Blättern Nährstoffe

Auf zu große Dürre reagieren die Laubbäume mit dem Abwerfen von Blättern, um die Verdunstungsoberfläche zu verringern. Vor allem Eichen, aber auch Birken und Linden werfen demnach Blätter und Zweige vorzeitig ab. Im Unterschied zum Blätterfall im Herbst verliert der Baum jetzt mit den Blättern viele Nährstoffe. Das mindere den Holzzuwachs und sei später an den Jahresringen sichtbar. Im Herbst erfolge dagegen ein Nährstoffrückfluss aus den Blättern in die Sprosse.

Das derzeitige Wetter begünstigt Jansen zufolge die Forstschädlinge. So sei zu beobachten, dass Borkenkäfer in diesem Sommer mehrere Generationen ausbilden. „Die Kronen befallener Fichten werden in kurzer Zeit braun”, sagte Jansen. Bei massivem Befall müssten die Bäume gefällt und schnell abtransportiert werden, um eine Verbreitung der Schädlinge zu verhindern. Auch der Eichenprozessionsspinner und bestimmte Pilze würden durch die hochsommerliche Wetterlage begünstigt.

Bäume wachsen nicht so gut

Bewässerung spiele in den Wäldern keine Rolle, sagte Jansen. Die Strategie sei, für die Aufforstung auch nicht einheimische Baumarten auszuwählen, die mit wärmeren Temperaturen zurechtkämen, etwa Douglasien, Roteichen oder Robinien. Diese Bäume sowie Buchen, Stiel- und Traubeneichen, Roterlen, Winterlinden und Ahorn, Tannen und Kiefern zieht auch die Forstbaumschule Güstrow heran. Wie Vertriebschef Robert Pietsch sagte, werden die Jungpflanzen jetzt täglich in den Morgenstunden bewässert, um den Boden aufnahmefähig für Wasser zu halten.

Dennoch würden die Bäume nicht so gut wachsen wie in normalen Jahren. Vor allem auf Freiflächen, wo sie „die volle Ladung Sonne abbekommen”, gebe es Ausfälle. Besser seien die Bäumchen dran, die im Halbschatten größerer Bäume oder Hecken aufwachsen. Von großflächigen Ausfällen sei die Baumschule mit ihren mehr als 120 Hektar bisher verschont geblieben.