LERNPLATTFORM „ITSLEARNING”

Digitalunterricht ohne Video! MV muss jetzt nachrüsten

Das Digitale Lernen ist und bleibt ein politischer Zankapfel. Jetzt muss sich die Landesregierung für erneute Probleme mit einer Lernplattform rechtfertigen.
Die Lernplattform „Itslearning“ gehört für viele Schülerinnen und Schüler in MV inzwischen zum
Die Lernplattform „Itslearning“ gehört für viele Schülerinnen und Schüler in MV inzwischen zum Alltag. Doch immer wieder gibt es Probleme mit dem digitalen Angebot. Auch eine Videofunktion fehlt bisher komplett. Sebastian Langer
Schwerin ·

Die Kritik ist hart und gnadenlos. „Die Gestaltung des Distanzunterrichts durch die Landesregierung treibt immer absonderlichere Blüten. So schafft sie eine landesweite Lernplattform an, feiert sich dafür, verschweigt aber, dass sie den Videounterricht bei dieser Plattform nicht zugebucht hat“, ledert Simone Oldenburg in Richtung Bildungsministerium. Einmal in Fahrt, legt die Fraktionschefin der Linken im Landtag Mecklenburg-Vorpommerns nach. „Die digitale Lernplattform ‚itslearning‘ für Arme reicht nicht für echten Distanzunterricht – dieser steht damit wieder einmal mit platten Reifen da und bleibt für viele Schülerinnen und Schüler weiter reines Abarbeiten von Übungs- und Aufgabenblättern“, sagt Oldenburg.

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Zur Erinnerung: „itslearning“ war im Mai vergangenen Jahres zum Ende des ersten Lockdown von der Landesregierung angeschafft und von Bildungsministerin Bettina Martin in den höchsten Tönen gelobt worden. Die SPD-Politikerin sprach vom „Mercedes unter den digitalen Lernplattformen“. Doch zum Start stotterte „itslearning“, auch im Dezember und Januar gab es zum wiederholten Mal Probleme mit der Lernplattform.

„Schulen wurden vom Land allein gelassen“

Gerade der visuelle Kontakt von Schülerinnen und Schülern mit ihren Lehrkräften sei Voraussetzung für echten Distanzunterricht. Nur so könnten die Kinder von den Lehrkräften lernen und mit ihnen interagieren, betont Oldenburg. All das habe die Landesregierung von vornherein ausgeschlossen und die Schulen damit allein gelassen. Die Fraktionschefin weiter: „Die Folge ist, dass diese sich aus einem bunten Strauß von Anbietern Lösungen für Videokonferenzen zusammenklauben müssen, was den Datenschutz extrem erschwert und den digitalen Flickenteppich weiter vergrößert.“

Angesichts der Lage an den Schulen und des absehbar weiterhin erforderlichen Distanzunterrichts müssen aus Sicht Oldenburgs praktikable Lösungen her. Homeschooling müsse auch von Angesicht zu Angesicht mit den Lehrkräften möglich sein. Deshalb müsse die Bildungsministerin umgehend dafür sorgen, dass dies in der landesweiten Lernplattform möglich werde.

Und das kritisierte Bildungsministerium? Dort versucht man, die Probleme freundlich zu umschreiben. „Zusätzlich zum Lernmanagementsystem ,itslearning‘ werden die Schulen eine integrierte Videofunktion für den digitalen Unterricht erhalten“, teilte gestern ein Sprecher auf Nordkurier-Anfrage mit. Mit anderen Worten: Es muss nachgerüstet werden.

„Einstieg erfolgt in wenigen Wochen”

Auf Nachfrage räumte der Sprecher auch ein: „Nachdem die Einführung des eigentlichen Lernmanagementsystems landesweit große Fortschritte gemacht hat, steht jetzt im zweiten Schritt die Einführung dieses sehr wesentlichen Features an. Der Einstieg erfolgt in wenigen Wochen. Zunächst im Testbetrieb, dann rund sechs Wochen später im Regelbetrieb.”

Allerdings weist der Sprecher von Bildungsministerin Martin auch darauf hin, dass „die Planung und Umsetzung von Videofunktionen von Beginn an zum Lernmanagementsystem gehört hat“. Das Land habe den Vertrag mit „itslearning“ von vornherein so gestaltet, dass eine landesweite Lösung für den Unterricht per Videokonferenz angeboten werden könne. „Das Videokonferenzsystem wird mit dem Lernmanagementsystem gemeinsam betrieben, ist also passgenau gestaltet“, so der Sprecher.

Offenbar hatte im Bildungsministerium wohl kaum jemand im Mai 2020 daran gedacht, dass die Pandemie auch im Februar 201 noch so wütet, dass alle Kinder in MV zum Homeschooling gezwungen sind.

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Kommentare (2)

Egal wekche Ausrede das Ministerium den Bürgern unterjubelt, es bleibt ein Versagen. Übrigens hat die Länge des Betriebs (Monate) nichts mit der mangelden Stabilität der Lernplattform zu tun.

Dazu kommt, das viele Schulen nicht das Know How besitzen um einen geregelten Fernunterricht durchzuführen. Die Lehrer und Schulen werden alleingelassen und das ist seit fast einem Jahr so.

rechtfertigen denn die Schulschließungen? Es wurde immer berichtet, daß Schulen keine Pandemietreiber sind, wobei ich den Irrsinn persönlich als Plandemie sehe.
Paul Schreyer-der Rostocker Autor und Journalist: Planspiele...

Viele Lehrer geben sich wirklich große Mühe. Vor allem die Übungen, die den Schülern vermittelt werden finde ich große Klasse. Sie wissen, daß das stundenlange Sitzen am PC nicht gesund ist.