Überraschung hoch drei
Drillinge in Greifswald zur Welt gekommen

In Greifswald wurden Drillinge geboren.
In Greifswald wurden Drillinge geboren.
Stefan Sauer

Mehrlingsgeburten sind längst keine Seltenheit mehr in MV. In Greifswald wurden jetzt Drillinge geboren. Die Eltern hatten damit nicht mehr gerechnet.

Mit weiterem Zuwachs hatten Stefanie Riech und Stefan Matschuk – Eltern von drei Kindern – nicht mehr gerechnet. Als die heute 36-Jährige dann im vergangenen Frühjahr erfuhr, dass sie Drillinge erwarte, sorgte die Nachricht für Verblüffung: „Meine Ärztin hat mich damals sehr gut abgeholt”, erinnert sich die Greifswalderin an den Moment, als sie von der Dreifach-Schwangerschaft erfuhr.

Am 26. November wurden die Zwerge Marek, Esther und Julie geboren – nach 38 Schwangerschaftswochen, gesund und mit einem stattlichen Geburtsgewicht zwischen 2500 und 2800 Gramm. „Seitdem ist der Alltag intensiver”, beschreibt Vater Stefan Matschuk den Familienalltag. Schlafmangel inklusive. „Aber wir versuchen, entspannt zu bleiben”, ergänzt Stefanie Riech. „Sind die Eltern entspannt, sind die Kinder es auch.”

Mehrlingsgeburten nehmen deutlich zu

In Deutschland und damit auch in Mecklenburg-Vorpommern kommen immer mehr Kinder als Mehrlinge auf die Welt. Wurden in den 1970-er Jahren in Deutschland jährlich etwa 7000 Mehrlinge auf eine Million geborene Kinder gezählt, waren es 2017 bei etwa 785.000 Babys etwa 14.700 Mehrlinge. Die Ursachen lägen zum einen in den Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin, zum anderen auch in dem steigenden Alter der Mütter, sagte der Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universitätsmedizin Greifswald, Professor Marek Zygmunt.

Der Mediziner verwies auf entsprechende Studien aus den Niederlanden. „Bei älteren Frauen mit langsam sinkender Fruchtbarkeit setzt der Körper alles auf eine Karte.” Demnach sorgt bei diesen Frauen das Follikel stimulierende Hormon FSH dafür, dass mehrere Eizellen gleichzeitig heranreifen – und damit die Chancen auf Mehrlingsschwangerschaften steigen. Die Konzentration dieses Hormons sei nicht nur bei älteren Frauen höher als bei jüngeren, sondern auch in Familien, in denen verstärkt Mehrlingsgeburten auftreten, wie Zygmunt weiter sagte. Zur Gruppe der "älteren” Schwangeren gehört auch Stefanie Riech.

Drei Dillingsgeburten in MV im Jahr 2017

Die aktuellsten Zahlen des Statistischen Landesamtes weisen für 2017 genau 270 Zwillings- und drei Drillingsgeburten im Nordosten aus. Im Jahr 1990, als noch deutlich mehr Frauen im gebährfähigen Alter in Mecklenburg-Vorpommern wohnten, wurden 213 Zwillings- und zwei Drillingsgeburten gezählt. 2016 waren landesweit 237 Frauen bei einer Entbindung zwischen 40 und 44 Jahre alt, neun sogar 45 und älter. Elf Jahre zuvor wurden in MV 148 Frauen gezählt, die vor der Entbindung bereits ihren 40. Geburtstag begangen hatten.

Auch wenn Stefanie Riech und Stefan Matschuk seit der Geburt des ersten Kindes vor 13 Jahren schon auf einen breiten Schatz an Eltern-Routine setzen können, ist die Großfamilie für jede Hilfe dankbar. Die Krankenkasse finanziert eine Haushaltshilfe, die die Sechsfach-Mutter 40 Stunden in der Woche zur Seite steht. Viel Unterstützung kam in den ersten Monaten auch von der Hebamme Wibke Löber

„Es wäre schön, wenn bei Mehrlingsgeburten beide Eltern zeitgleich in Elternzeit gehen könnten”, formuliert Stefanie Riech einen Wunsch, den sie auch an Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) gerichtet hat. Stefan Matschuk ist freischaffender Maler und Grafiker. Zum Glück könne er sich seine Arbeitszeit flexibel einteilen. „Das können Väter, die in einem festen Job arbeiten, nicht”, sagt der 38-Jährige.

Oberbürgermeister bietet sich als Babysitter an

In Greifswald stößt die Familie auf breite Unterstützung „Es ist schon begeisternd, wie so ein Ereignis Menschen zusammenbringt”, freut sich Stefanie Riech. Nicht nur Freunde und Familie unterstützen. Auch Unbekannte fragten, ob sie helfen könnten. Die Sparkasse Vorpommern sponsert die Müllgebühren der Großfamilie für zwei Jahre. Die Verkehrsbetriebe lassen die Familie zwei Jahre lang kostenlos den Stadtbus benutzen. Und Oberbügermeister Stefan Fassbinder (Grüne) – Vater von vier Kindern – bot sich an, für einen Abend den Job als Babysitter zu übernehmen.

Beim Land haben Stefanie Riech und Stefan Matschuk finanzielle Hilfe für Mehrlingsgeburten beantragt. Diese Hilfe beträgt 1000 Euro pro Kind und wird seit letztem Jahr an Eltern ausgezahlt, die mindestens Drillinge bekommen haben. Bislang wurden fünf Anträge bewilligt, sagt ein Sprecher der Staatskanzlei.